Grösse ist doch relevant

17. Januar 2019 19:44; Akt: 17.01.2019 19:46 Print

Wenn ein langer Penis als Diebstahlschutz dient

Einsiedlerkrebse sind kurioser als man denkt. So lassen sich einige längere Penisse wachsen, um beim Sex ihre Muscheln nicht verlassen zu müssen.

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Es kommt doch auf die Größe an – zumindest beim Krebs-Sex. Das zeigt eine Studie aus Großbritannien. Demnach haben bestimmte Einsiedlerkrebse längere Penisse entwickelt, um bei der Paarung einen Vorteil zu haben. Allerdings ist dieser anderer Art, als man zunächst denken könnte.

Die am Mittwoch im Fachjournal Royal Society Open Science veröffentlichte Studie mit dem Titel «Private Parts for Public Property» (etwa: Mit den Geschlechtsteilen für das Eigentum) geht allgemein gefasst der Frage nach, ob Penisgröße im Verhältnis zur Wohnungsgröße steht. Hintergrund ist, dass Einsiedlerkrebse Gefahr laufen, dass Räuber ihnen die Muschel wegschnappen, wenn sie außer Haus Sex haben.

Wie passen Sex und Eigenheim zusammen?

Studienautor Mark Laidre von der Universität Dartmouth fragte sich, ob Krebspenisse umso größer ausfallen, je größer das Risiko des Krebses ist, nach dem Fortpflanzungsakt obdachlos zu sein. Oder wie Laidre schreibt: Wurden die Penisse größer, «um sicheren Sex zu erleichtern»?

Nach seiner Hypothese ermöglichen längere Penisse den Individuen, ihre Sexualpartner zu «erreichen», während sie «zugleich mit dem Rest ihres Körpers ihr Eigentum sicher im Griff haben». Auf diese Weise könnten sie ihre Muscheln beim Sex vor Dieben schützen. Besonderes Augenmerk richtete der Biologe auf Krebse, die zudem gern «renovierten».

Wissenschaftlicher Voyeurismus

Unter diesen Gesichtspunkten begutachtete Laidre 328 verschiedene Einsiedlerkrabben-Arten. Laut seiner Theorie mussten diejenigen Tiere mit den «umgebauten» und damit geräumigsten «Luxus»-Muscheln die längsten Penisse haben, denn ihre Behausungen waren für mögliche Räuber am attraktivsten; wohingegen Krebse mit «Standard-Muscheln» oder gar solche ohne Muscheln die «kürzesten» ausweisen mussten. Dabei achtete er auch auf Zusammenhänge wie Lebensräume an Land oder im Meer sowie Gesamtkörpergröße.

Seine Annahmen sah er bestätigt: Die Einsiedlerkrebse mit den größten Penissen im Vergleich zu ihrer Körpermasse waren die Arten der Gattung Coenobita – die einzigen, die ihre Muscheln umbauten. Es folgten Krebse mit «unrenovierten» Behausungen, am Ende der Skala lagen solche, die ihre Muscheln als ausgewachsene Tiere einfach ablegten. Laidre kam zu dem mit britischem Sprachwitz formulierten Ergebnis: «Alle andere Hypothesen zur Penisgröße zogen den Kürzeren.»

Ähnliche Verhältnisse ließen sich mutmaßlich auch bei anderen Arten von Lebewesen feststellen. Laidre will sich nun nach eigenen Angaben auch noch unter anderem mit der Frage beschäftigen, ob die Art des Muschelumbaus weitere Auswirkungen auf die Penisgröße hat und wie es um Zusammenhänge mit «Bewaffnung» und Penisgröße steht.

(L'essentiel/fee/afp)

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