Luxemburger Stipendienstelle

05. Mai 2017 06:44; Akt: 05.05.2017 07:16 Print

3000 Studenten warten noch auf ihre Beihilfen

LUXEMBURG - Die Behörden stöhnen unter der Antragsflut bei den Stipendien. Wer sein Dossier erst auf den letzten Drücker einreicht, muss mitunter lange auf eine Antwort warten.

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Wer seinen Antrag auf Studienbeihilfe auf den letzten Drücker einreicht, muss mitunter eine längere Bearbeitungsdauer in Kauf nehmen. (Bild: L'essentiel/Frank Göbel)

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In der Luxemburger Studienbeihilfestelle Cedies herrschte vergangene Woche wieder Hochbetrieb: Kurz vor Ablauf der Frist am 30. April reichten hunderte Studenten noch ihre Stipendienanträge für das Sommersemester ein. Wer bis auf den letzten Drücker mit seinem Antrag wartet, kann jedoch in einer brenzligen Situation landen, wie das Beispiel einer jungen Studentin aus Schifflingen zeigt.

Tamara*, 20, ist seit Herbst an der Universität Luxemburg im Fach Geschichte eingeschrieben. Seit vier Monaten wartet sie vergeblich auf eine Antwort zu ihrem Antrag auf ein Sozialstipendium. Es geht um nicht wenig Geld: 1900 Euro würde der Zuschuss betragen. Tamaras Mutter ist Alleinerzieherin, die finanzielle Lage im Haushalt ist angespannt. Das Problem: Tamara fehlte bei der Einreichung Ende November – kurz vor Ablauf der Frist für das Wintersemester – ein Beleg, den sie erst später nachreichte. Nun ist der Zettel offenbar im Papierstrudel in der Cedies abgetaucht. Auf mehrere telefonische Nachfragen und E-Mails habe die Behörde nicht reagiert, klagt die junge Studentin.

3000 Anträge in der Warteschleife

Ähnlich wie Tamara geht es rund 3000 weiteren Studenten, die aus verschiedensten Gründen noch auf eine finale Antwort vom Cedies für das vergangene Semester warten. In weiteren 1700 Fällen wurde der Antrag komplett abgelehnt. Die Behörde ächzt unter der Papierflut: Pro Studienjahr landen mehr als 30.000 Anträge in der Stipendienstelle – kein Vergleich mit der Situation vor zehn Jahren. Im Studienjahr 2005/2006 wurden jährlich rund 7000 Anträge genehmigt, während 2015/2016 bereits mehr als 26.000 Studenten, also fast vier Mal so viele, einen Zuschuss erhielten. Jährlich gibt der Staat an die 100 Millionen Euro für Studienbeihilfen aus. Gemäß eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs profitieren seit 2014 auch Kinder von Grenzgängern vom Förderungssystem.

«Es ist nicht optimal, wenn sozial schwächere Studenten monatelang auf ein Sozialstipendium warten müssen», sagt Charel Muller von der Studentenvereinigung ACEL. «Die Behörde ist klar unterbesetzt und mit der Vielzahl an Anträgen einfach überfordert.» Muller nimmt das Cedies aber auch in Schutz: «Leider sind Studenten häufig selbst schuld, dass die Bearbeitung ihres Antrags so lange dauert. Sie haben vier Monate lang Zeit, einen Antrag einzureichen. Viele geben die Dokumente aber erst im letzten Moment ab.» Zudem werden viele Dossiers unvollständig eingereicht. Muller empfiehlt seinen Uni-Kollegen, den Antrag online über die Plattform MyGuichet.lu zu übermitteln – das spart Zeit und verhindert Frust.

Schlechte Kommunikation

Insgesamt arbeiten beim Cedies rund 20 Mitarbeiter – bei insgesamt 30.000 Anträgen entspricht dies 1500 Anträgen, die pro Kopf geprüft werden müssen. In Spitzenzeiten könne die Zahl der Mitarbeiter angepasst werden, heißt es aus dem Hochschulministerium. Regierungsberater Luc Schockmel verweist auf Nachfrage von L'essentiel darauf, dass die Wartezeit in den vergangenen zwei Jahren trotz steigender Antragszahl erheblich reduziert werden konnte. Die Regierung habe zudem dafür gesorgt, dass Studierende aus sozial schwachen Familien stärker unterstützt werden: «Die Beträge der Sozialstipendien sind je nach Situation des Antragstellers bis zu 26,7 Prozent erhöht worden.» Insgesamt wurden im Wintersemester über Darlehen oder Stipendien knapp 21.000 Hilfen auf Basis von Sozialkriterien bewilligt.

Probleme gibt es aber offenbar in der Kommunikation. Max, 22, studiert an der Uni Luxemburg. Er stellt im Gesprächen mit Kommilitonen immer wieder fest, dass das Cedies «auf Anfragen kaum reagiert. Nur wenn man sich telefonisch meldet und eine halbe Stunde Wartezeit in Kauf nimmt, kommt man mal an einen Mitarbeiter heran.» Wie Charel Muller rät auch Max den Stipendienantrag im Internet auszufüllen. «Bei mir hat sich dadurch die Wartezeit bis ich das Geld hatte, auf vier bis fünf Wochen verringert.»

* Namen von der Redaktion geändert

(Jörg Tschürtz/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Armand L. am 05.05.2017 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Originalzitat vu mengem fils (den Ament op enger Deitscher Uni): "gesait gutt aus, an dofir hunn se just 6 Deeg gebraucht, top...! 2017-05-04 14:39 GMT+02:00 " Ech mengen méi séier kann et net goen!

  • Schill, Sabine am 05.05.2017 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso ist eigentlich die Wohnungsprämie nur davon abhängig, ob der Studienort im Ausland ist? Wer in Nordluxemburg wohnt und in Esch studiert hat vielleicht auch ein Zimmer dort, oder wer in Merzig wohnt und in Koblenz studiert. Aber keine Chance, hier gibt es keinen Zuschuss. Aber in Wasserbillig wohnen und in Trier studieren, hier kann ein Wohnungszuschuss beantragt werden. LÄCHERLICH Die Distanz zwischen Uni und Wohnort müsste eine Rolle spielen und der Nachweis eines ordnungsgemäßen Mietverhältnisses.

  • Sabine Schill am 05.05.2017 07:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man die Credit Points nachweisen muss (ab dem 5. Semester) muss man warten, bis die Klausuren bewertet sind, sonst kommt sofort die Absage, denn ab dem 5 Semestern muss man eine Mindestanzahl Points nachweisen. Nicht wirklich schlau, denn die Studenten, die von der Bourse abhängig sind, müssen häufig auch nebenbei arbeiten, um das Studium zu finanzieren, so dass es zu verlängerten Studienzeiten kommen kann. Und die Grenzgänger müssen mit dem Antrag auch den Bescheid der Studienbeihilfestelle im Heimatland einreichen, das kann auch dauern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Helga X am 05.05.2017 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    3000 von 30000 sind ja nur 10 Prozent. Da kann man nicht meckern.

  • Armand L. am 05.05.2017 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Originalzitat vu mengem fils (den Ament op enger Deitscher Uni): "gesait gutt aus, an dofir hunn se just 6 Deeg gebraucht, top...! 2017-05-04 14:39 GMT+02:00 " Ech mengen méi séier kann et net goen!

  • Schill, Sabine am 05.05.2017 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso ist eigentlich die Wohnungsprämie nur davon abhängig, ob der Studienort im Ausland ist? Wer in Nordluxemburg wohnt und in Esch studiert hat vielleicht auch ein Zimmer dort, oder wer in Merzig wohnt und in Koblenz studiert. Aber keine Chance, hier gibt es keinen Zuschuss. Aber in Wasserbillig wohnen und in Trier studieren, hier kann ein Wohnungszuschuss beantragt werden. LÄCHERLICH Die Distanz zwischen Uni und Wohnort müsste eine Rolle spielen und der Nachweis eines ordnungsgemäßen Mietverhältnisses.

  • Sabine Schill am 05.05.2017 07:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man die Credit Points nachweisen muss (ab dem 5. Semester) muss man warten, bis die Klausuren bewertet sind, sonst kommt sofort die Absage, denn ab dem 5 Semestern muss man eine Mindestanzahl Points nachweisen. Nicht wirklich schlau, denn die Studenten, die von der Bourse abhängig sind, müssen häufig auch nebenbei arbeiten, um das Studium zu finanzieren, so dass es zu verlängerten Studienzeiten kommen kann. Und die Grenzgänger müssen mit dem Antrag auch den Bescheid der Studienbeihilfestelle im Heimatland einreichen, das kann auch dauern.