Roberto Traversini

28. Februar 2018 07:58; Akt: 28.02.2018 16:02 Print

«In Differdingen ist mehr Leben als in der Hauptstadt»

DIFFERDINGEN – Roberto Traversini gibt im Gemeindesyndikat Pro-Sud künftig den Takt vor. Im Gespräch mit «L'essentiel» breitet der grüne Stadtchef seine Pläne aus.

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Roberto Traversini in offizieller Bürgermeister-Montur vor dem Rathaus in Differdingen. (Bild: L'essentiel/Jörg Tschürtz)

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L'essentiel: Herr Bürgermeister, Sie sind seit kurzem Präsident von Pro-Sud. Welche Schnelldiagnose würden Sie dem manchmal kränkelnden Gemeindesyndikat ausstellen? Roberto Traversini, Bürgermeister von Differdingen (Déi Gréng) und Präsident von Pro-Sud: In den letzten drei Jahren ist zum Glück Ruhe bei Pro-Sud eingekehrt, davor war das nicht der Fall. Vielleicht wird die Wichtigkeit des Syndikats wieder mehr erkannt. Die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden ist für mich eine Herzensangelegenheit, wie meine Kollegen aus dem Korntal bereits wissen. Ich bin froh, dass mir die Aufgabe anvertraut wurde.

Was werden Ihre ersten Amtshandlungen als Präsident sein? Die erste Priorität ist es, da weiterzumachen, wo angefangen wurde. Dan Biancalana (Traversinis Vorgänger als Pro-Sud-Präsident, Anm.) hat gute Arbeit geleistet. Die Europäische Kulturhauptstadt 2022 und die Mobilität sind zwei wichtige Punkte. Einen großen Akzent will ich auch im sozialen Bereich setzen.

Sie haben das Stichwort 2022 genannt. Da gab es zuletzt ein politisches Machtgerangel. Wie sollen Sie sicherstellen, dass das Projekt Kulturhauptstadt nicht Schiffbruch erleidet? Ich bin überzeugt, dass alle elf Südgemeinden und die französischen Nachbarn dabei sein werden. Die Stimmung ist positiv.

Wird das Kulturjahr 2022 auch dem Tourismus im Süden auf die Sprünge helfen? Ja. Wenn die Gäste in vier Jahren kommen, dann werden beispielsweise in Differdingen zwei weitere Hotels stehen. Das erste wird bereits dieses Jahr in der Grand-Rue eröffnen. Und auf dem Plateau Funiculaire ist ein weiteres Hotelprojekt geplant. Das sind knapp 150 Zimmer, die neu hinzukommen.

Gibt es im Süden noch einen gewissen Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem Zentrum? Also ich habe den jedenfalls nicht. Wir müssen es schaffen, dass niemand den hat. Ich sehe die Stadt Luxemburg im Hinblick auf das Kulturjahr nicht als Gegner, sondern als Partner. Aber es hat schon seinen Grund, warum es im Minette kaum Hotels gibt: Weil manche Leute gemeint haben, es würden ohnehin keine Touristen kommen. Dabei haben wir ein wunderbares Naturerbe oder auch die ganze Industriegeschichte.

Der österreichische Schriftsteller Thomas Schafferer hat einmal über Ihre Gemeinde gesagt: «Im Vergleich zur Hauptstadt ist Differdingen Punk. Etwas dreckiger und ein bisschen kaputt. Aber auf mich wirkt die Stadt trotzdem sehr schön.» Einverstanden mit der Beschreibung? Nein. Differdingen ist es für mich eine der Städte, wo es sich am besten wohnen lässt. Bei uns ist mehr Leben als in der Hauptstadt. Man kann alles zu Fuß machen, Sie haben von überall in Differdingen sofort Zugang zur Natur. Und wir haben eine hohe kulturelle Vielfalt. 57 Prozent der Einwohner sind Nicht-Luxemburger.

In Sachen Verkehr steht der Süden immer noch ein wenig auf dem Abstellgleis. Der Verkehr wird in den nächsten Monaten ein Problem bleiben, nicht nur in Differdingen. Wir müssen mehr Menschen zum Umsteigen auf Bus und Zug bewegen. Ein Metrobus von Düdelingen nach Differdingen wird gerade mit dem Ministerium diskutiert, zudem wollen wir erreichen, dass die Bahn künftig im 15-Minuten-Takt zwischen Oberkorn und der Hauptstadt verkehrt.

Ein großes Projekt ist die Wiederbelebung der Differdinger Innenstadt. Die Gemeinde hat kürzlich mehrere Geschäftslokale aufgekauft, um sie zu vernünftigeren Preisen als auf dem freien Markt weiterzuvermieten, zum Beispiel an Handwerker oder Geschäfte für gebrauchte Fahrräder. Zudem wird das frühere Restaurant Mamacita am Marktplatz mit einem neuen Konzept wieder eröffnen. Durch die Mieteinnahmen von mittlerweile vier Millionen Euro decken wir bereits unsere gesamte jährliche Schuldenlast. Wir dürfen der Privatwirtschaft nicht alleine die Zügel überlassen, sonst gehen wir daran kaputt. Schreiben Sie jetzt aber nicht, ich sei Kommunist!

(Jörg Tschürtz/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ech si platt am 28.02.2018 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Méi Liewe wéi an der Stad ??? Ech wëll och esou ee rosa Brëll, oder wéi eng Substanz geheit deen an fir esou eng Ausso?

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  • Lux am 28.02.2018 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SW HUN ENG KIERCH ofgerappt?!!?!

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  • Déifferdeng am 28.02.2018 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Also ech soen Top wat den Här Traversini seet mee ech hoffen dat endlech och mei Multikulturel Fester vir Awunner organiseiert gin. Soss dei Joren haten mer de Streetfestival den iergendwann oofgesaat gin as virwaat wees keen. Een Uleies as nach wichteg an dat dat den Här Traversini an den Här Engel (Burgemeeshter vun Suessem) alles neideges maachen vir dat mer die Firma Knauf net hei opgeriicht kreien. Laut lechten Infoen well jo och eng Jhogurt Fabrik sech hei am Land nidderloosen, dei wär perfekt vir hei am Süden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lux am 28.02.2018 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SW HUN ENG KIERCH ofgerappt?!!?!

    • remo raffaelli am 28.02.2018 15:29 Report Diesen Beitrag melden

      An watt houet desen Bourgeméschter dann äusser Beton an Deifferdeng gemacht? a jo, en houet dem Cl.Meisch seng Pläng weider réaliséiert an dann faerdeg méi könnt nett. An Deifferdeng ass eng Propper Stad dat muss ech soen, hoffentlech bleiwt dat eseou, mé fir d'Secherhét do ass et nett fett. Den RT wêll nach Minister gin, awer dann wanderen ech äus ,wêll mat dénen verspriechen an Fantasy kann kén iwerliewen zu Deifferden!

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  • Ech si platt am 28.02.2018 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Méi Liewe wéi an der Stad ??? Ech wëll och esou ee rosa Brëll, oder wéi eng Substanz geheit deen an fir esou eng Ausso?

    • Pink am 28.02.2018 14:16 Report Diesen Beitrag melden

      ech wunnen an der staadt ... éierlech mei liewen wei hei as net ganz schwéier (och wann ech et mir net kann virstellen)

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  • Déifferdeng am 28.02.2018 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Also ech soen Top wat den Här Traversini seet mee ech hoffen dat endlech och mei Multikulturel Fester vir Awunner organiseiert gin. Soss dei Joren haten mer de Streetfestival den iergendwann oofgesaat gin as virwaat wees keen. Een Uleies as nach wichteg an dat dat den Här Traversini an den Här Engel (Burgemeeshter vun Suessem) alles neideges maachen vir dat mer die Firma Knauf net hei opgeriicht kreien. Laut lechten Infoen well jo och eng Jhogurt Fabrik sech hei am Land nidderloosen, dei wär perfekt vir hei am Süden.