Armut in Luxemburg

17. Oktober 2017 16:10; Akt: 01.03.2018 12:48 Print

«Höherer Mindestlohn ist keine Lösung»

LUXEMBURG - Der Bericht der Statec über den Anstieg der sozialen Ungleichheit in Luxemburg, der am Montag vorgestellt wurde, sorgt für viel Aufregung.

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«Wenn die Ungleichheit steigen, ist es immer beunruhigend», betonte am Dienstag der Arbeitsminister Nicolas Schmit auf Nachfrage von L'essentiel. (Bild: Editpress)

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Zu Wochenbeginn veröffentlichte das nationale Statistikinstitut Statec sein Bericht über sozialen Zusammenhalt und Arbeit. Dabei zeigte sich, dass die soziale Ungleichheit in Luxemburg im Zeitraum zwischen 2004 und 2016 immer größer wurde. Die ärmsten zehn Prozent der Bevölkerung leben im Durchschnitt mit 984 Euro pro Monat. «Sie leben nicht, sondern überleben», kommentierte ein Leser von L'essentiel.

«984 Euro: das ist das Gesamteinkommen! Denn viele haben kein Recht auf den Mindestlohn (RMG). Nachdem die Miete und die Rechnungen bezahlt sind, bleibt nichts mehr übrig, um das Geld beim Arzt vorzulegen. Falls doch noch Geld übrig sein sollte, ist aber keins mehr für das Smartphone oder den Internet-Anschluss vorhanden, um die Daten online an die Krankenkasse zu versenden», schrieb eine weitere Leserin. Das Thema sorgte für viel Aufregung.

«Soll der Mindestlohn um zehn Prozent erhöht werden?» «Wenn die Ungleichheit und die Prekarität steigen, ist es immer beunruhigend», betonte der Arbeitsminister Nicolas Schmit auf Nachfrage von L'essentiel. Für den Präsident der Arbeitnehmerkammer Jean-Claude Reding ist «die Zunahme von unfreiwilliger Teilzeitarbeit im Reinigungsbereich, in bestimmten Betrieben und Dienststellen - in denen die Gehälter niedrig sind - ein großes Problem». Laut Reding sei sogar das Gesundheitswesen betroffen. Dort gäbe es viele «Arbeitsverträge von 30 bis 35 Stunden pro Woche» anstatt Vollzeitarbeitsverträge.

Reding befürwortet sogar eine Steuerbefreiung und eine Erhöhung des Mindestlohns um zehn Prozent. Auch wenn dieser «auf europäischer Ebene hoch liege, ist damit das Armutsrisiko nicht ausgeschlossen», sagt Reding. Arbeitsminister Schmit betrachtet dies aber nicht als ein Allheilmittel: «Die Erhöhung des Mindestlohns wird nicht alle Probleme lösen.» Derzeit habe für ihn die Investition in die Ausbildung die höchste Priorität, «um Arbeitslosen und Arbeitnehmer in einer prekären Beschäftigungssituation zu helfen».

(Nicolas Chauty/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jos am 17.10.2017 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehaltsempfänger haben es oft schwer, Vermögen anzusammeln. Die aktuellen Gesetze begünstigen diejenigen, welche bereits Vermögen besitzen. Wie wäre es mit höheren Steuern auf Kapitaleinkünfte und Immobiliengewinne? Und dafür gleichzeitig weniger Steuern für kleinere Einkommen bzw. Unterstützung für Niedriglohnempfänger?

  • Saupreis am 17.10.2017 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist ganz einfach: Anstatt 500 Mios € für eine Tram auszugeben, die keiner braucht, sollten lieber von dem Geld die dringend benötigten Sozialwohnungen genaut werden. Aber die, die das in Angrif nehmen müssten, wollen das nicht, weil sie ihre Häuser haben. Ich denke auch, dass das pure Absicht ist, damit die sozial schwachen sich ins angrenzende Ausland begeben und dann keine Sozialleistungen mehr für diese Leute bezahlt werden müssen...

  • Marques Eduardo am 17.10.2017 17:33 Report Diesen Beitrag melden

    Miete und preise sollen runter gehen!!!! Ahhhhh.... haat vergiess. Mir sin jo fein gefrott gin de land ze verlossen wann mir eis d'loyéen net leschten kennen. Mir sollen einfach weider schaffen an eis kleng haalen. Jo kloer daat ;)

Die neusten Leser-Kommentare

  • John Doe am 18.10.2017 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Bei einem Brutto von 5000,- bezahlt eine Person in Steuerklasse 1 fast 900,- Steuern. Bei einem Brutto von 5000,- bezahlt eine Person in Steuerklasse 1A fast 830,- Steuern. Bei einem Brutto von 5000,- bezahlt eine Person in Steuerklasse 2 fast 330,- Steuern. Das ganze ist als Basisrechnung aufgeführt, ohne Berücksichtigung sonstiger Faktoren. Die Lösung ist eine massive Korrektur, zugunsten der arbeitenden Person, innerhalb der Klassen 1 und 1A. Desweiteren ist die MwSt. wieder zu senken.

  • Saupreis am 17.10.2017 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist ganz einfach: Anstatt 500 Mios € für eine Tram auszugeben, die keiner braucht, sollten lieber von dem Geld die dringend benötigten Sozialwohnungen genaut werden. Aber die, die das in Angrif nehmen müssten, wollen das nicht, weil sie ihre Häuser haben. Ich denke auch, dass das pure Absicht ist, damit die sozial schwachen sich ins angrenzende Ausland begeben und dann keine Sozialleistungen mehr für diese Leute bezahlt werden müssen...

  • Jos am 17.10.2017 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehaltsempfänger haben es oft schwer, Vermögen anzusammeln. Die aktuellen Gesetze begünstigen diejenigen, welche bereits Vermögen besitzen. Wie wäre es mit höheren Steuern auf Kapitaleinkünfte und Immobiliengewinne? Und dafür gleichzeitig weniger Steuern für kleinere Einkommen bzw. Unterstützung für Niedriglohnempfänger?

  • Arm am 17.10.2017 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Och mat Uni kris de am privatsecktor net meh weh de Mindestlohn

  • DeKolopdeNap am 17.10.2017 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    Tatsächlech säit 2004? Kéint dat dorobber zeréckzeféieren sinn, datt sech zanter deems näischt um Gehalts niveau wierklech gedoen huet? Den Steierzueler (Salariée just u sech) huet misse méi déif an d'Täschgräifen, plus d'Gehälter déi nët geklomme sinn, wat mengen dann die ganz Firmen a Politiker, woù d'Leit d'Sue sollen hier huelen??? Mee de Feeler ass nët alléng bei deenen déi et vermeiden hiren Deel zu de Steieren bäizedroen, mee och beim Staat, deen nët fäheg ass "fair" ze besteieren. Ech hunn och e besse Verständins fir di "Räich".