Burnout

16. Februar 2017 08:00; Akt: 16.02.2017 08:23 Print

«Sollen wir auf ein Gesetz in Luxemburg warten?»

LUXEMBURG – Die Zahlen schwanken: 15 bis 45 Prozent der Arbeitnehmer in Luxemburg sind von Mobbing oder Burnout betroffen. Die meisten warten, als Opfer anerkannt zu werden.

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Die Kosten, die Krankheitsfälle wegen Mobbing verursachen, liegen in Luxemburg bei 100 Millionen Euro pro Jahr. (Bild: AFP)

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Mehr als 15 Prozent der Arbeitnehmer leiden unter einem permanenten Burnout-Gefühl bei der Arbeit. Das geht aus dem Quality-of-Work-Index 2016 hervor. In einer Studie der Gewerkschaft OGBL im Jahr 2005 gaben ein Viertel der Befragten an, dass das Stresslevel sehr hoch ist, neun von zehn Personen erklärten, dass sie nicht glauben, dass sich daran etwas ändere. Burnout ist in Belgien seit 2014 als Berufsrisiko anerkannt und soll bald als Berufskrankheit anerkannt werden. Frankreich will nachziehen. Aber in Luxemburg gibt es keine Bestrebungen in dieser Hinsicht. «Das steht nicht auf der Agenda. Zudem gibt es generell eine Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in Luxemburg», erklärt der Sprecher von Arbeitsminister Nicolas Schmit. Verschiedene Statistiken aus Luxemburg berichteten dennoch, dass 43 Prozent der Beschäftigten unter Stress leiden.

«Sollen wir warten, bis die Regierung ein Gesetz erlässt? Wir haben uns entschieden, schon jetzt etwas zu tun», erklärt die Association pour la Prévention et Gestion du Stress (APGS). Der Luxemburger Verein, der sich um die Opfer von Stress kümmert, wurde Ende 2016 gegründet und wendet sich auch an Menschen in Arlon oder Longwy. «Es ist ein täglicher Kampf mit kulturellen und physischen Aktivitäten, um über den Berg zu kommen», erklärt Odette Sangaré, Verantwortliche bei APGS. «Wir ergänzen die Angebote der Prävention.» Es komme oft vor, dass ein Burnout neue Probleme schaffe. «Wenn man 32 Wochen krank ist, bedeutet das, dass man seinen Job verliert oder reizbar gegenüber seinen Nächsten reagiert. Es können auch Probleme mit der Libido kommen.»

Arbeit hört mit der Heilung nicht auf

Für den Verein hört die Arbeit aber nicht mit der Heilung auf. «Viele Ärzte schneiden bei der Erstdiagnose schlecht ab. Was macht man dann mit dem Patienten? Man verordnet ihm Ruhe und Tabletten. Oder man schickt ihn für zwei Stunden pro Woche zum Psychiater. Oder man sperrt ihn für zwei Monate in einem psychiatrischen Krankenhaus ein.»

Zusätzlich zum Mentalen muss der Patient sich physisch und sozial wieder finden. Es steht alles auf dem Spiel: «Die Zeiten, in denen die CNS Ausgang im Krankheitsfall gestattet, sind ein Hindernis. Die Entfernung auch, wenn es schon schwer ist, 500 Meter zu Fuß zu gehen.» Die Einsamkeit in einem Krankenhaus tue ihr Übriges. Der Verein schlägt deshalb sportliche Aktivitäten vor, wie Selbstverteidigungskurse oder Joga. Oder kulturelle Aktivitäten, die mit Sportlehrern, Therapeuten oder Entspannungsspezialisten abgestimmt werden. Ein Programm in der Klinik Berus in Saarlouis ist auf psychosomatische Erkrankungen spezialisiert. «Es ist eine offene Klinik, man kann kommen und gehen. Aber es gibt nur 30 Plätze», sagt Odette Sangaré, die immer noch zuversichtlich auf das Projekt Sport-Gesundheit blickt, das im November in Luxemburg gestartet wurde.

Burnout als «Depression» oder «Psychose» klassifiziert

Inzwischen ist Burnout von der CNS als «Depression» oder «Psychose» klassifiziert. «Das sind keine schönen Krankheiten. Die Menschen, die ich treffe, ziehen manchmal monatelang umher, ohne die Lebensgefahr zu verstehen.» Was Mobbing betrifft, verteidigt das Arbeitsministerium «die Anstrengungen im Bereich der Arbeitsgesundheit und bei der Prävention von Erkrankungen» und erwähnt das Mobbing-Gesetz, das derzeit überarbeitet wird und im Frühling erwartet wird. «Es wird die Opfer anerkennen und eine legale Basis für sie schaffen», sagt das Ministerium.

Der erste Schritt wurde von der APGS befürwortet – und auch beim Verein Mobbing, bei dem die Kontaktaufnahmen seit dem Jahr 2002 ansteigen. «In den vergangenen Jahren waren es zwischen 1500 und 2000, aber viele warten immer noch zu lange, um erste Schritte zu machen. Die Angst, den Job zu verlieren, dominiert», sagt die Verantwortliche Monique Breisch.

Der Verein kann nun in Unternehmen gehen und mit dem Drangsalierer reden, um sich selbst eine Meinung zu bilden.
«Es ist notwendig, dass das Opfer respektiert wird und dass es Hilfe bekommt sowie in eine gesunde Umgebung im Unternehmen integriert wird.» In Luxemburg waren 2016 15 Prozent der Arbeitnehmer von Mobbing am Arbeitsplatz betroffen. «Und wir zählen zehn Fälle pro Jahr, die bewiesen werden. Das ist weit von der Realität entfernt», sagt Odette Sangaré. «Das Gesetz ist gut, aber es gibt noch viel zu tun. »

(Jonathan Vaucher/L'essentiel)

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