Luxemburg

05. August 2016 17:42; Akt: 05.08.2016 20:19 Print

Die Messe für die Kirchenfabriken ist gelesen

LUXEMBURG - Nach über 200 Jahren sind Luxemburgs Kirchenfabriken bald Geschichte. Die Besitztümer der katholischen Kirche fließen in einen einzigen Fond.

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Bislang wurden die Besitztümer der katholischen Kirche in Luxemburg von 285 Kirchenfabriken verwaltet.

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Seit 1809 verwalten die Kirchenfabriken in Luxemburg die Besitztümer der katholischen Kirche. Bislang hatte jede Gemeinde eine eigene Kirchenfabrik – 285 insgesamt. Doch damit ist jetzt Schluss. Innenminister Dan Kersch (LSAP) hat am Freitag das Ende der Kirchenfabriken angekündigt. Sein Gesetzestext sieht vor, dass die Fabriken aufgelöst und in einen Fond zusammengeführt werden. Diesen soll die Erzdiözese verwalten. Der Gesetzesentwurf soll vor Jahresende verabschiedet werden und könnte Anfang 2017 in Kraft treten.

«Alle Besitztümer der Fabriken fließen in den Fond: Gebäude, Grundstücke und Geld», erklärte Kersch. Er betonte, dass es sich nicht um eine Enteignung handele, vielmehr würde das Eigentum von 285 Einrichtungen in eine einzige übertragen. Wie hoch der Gesamtwert all dieser Besitztümer ist, sei noch nicht erhoben worden.

Wem gehört welche Kirche?

Die Gemeinden, die Reparaturen an den Kirchen und Defizite der Kirchenfabriken bezahlen, können genauso wenig finanziell zu dem Fonds beitragen wie der Staat. Am Ende muss die Erzdiözese mit der Finanzierung alleine klar kommen. Sie kann zum Beispiel Land verkaufen oder – mit Zustimmung des Staates – ein Darlehen in Höhe von bis zu 15 Millionen Euro aufnehmen. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 mussten die Gemeinden 13,6 Millionen Euro für die Kirchen aufwenden.

Laut Dan Kersch liegt einer der Vorteile des Gesetzesentwurfes darin, dass man wisse, wem welche Kirche gehöre: «Wir haben endlich klare Situationen, was die Eigentumsverhältnisse angeht», so der Minister. Gut 500 Kirchen und Kapellen im Land fielen dem Fonds zu oder blieben in der Gemeinde, vorausgesetzt, es gibt ein Einverständnis zwischen dieser und der Kirchenfabrik. Die Kommunen könnten dann, wenn sie es wünschen, die Kirchen entweihen und sie für einen anderen Zweck nutzen.

Katholische Kirche lehnt Gesetz strikt ab

«Das erfordert eine Erlaubnis des Erzbischofs», sagt der Generalvikar der Luxemburger Kirche, Leo Wagener. Wenn er es ablehnt, muss der Fonds die Kirche kaufen, allerdings zu einem Preis, der die von der Gemeinde gemachten Investitionen aufwiegt.

Laut Wagener, der daran erinnert, dass der Staat und die Kirche auch auf kommunaler Ebene getrennt sind, lehnt die Kirche das vorgeschlagene Gesetz strikt ab. Der Generalvikar macht sich über die Erhaltung des religiösen und kulturellen Erbes sorgen: «Das ist die Geschichte unserer Dörfer und deren Nachbarschaften. Das ist nicht akzeptabel.»

(Jérôme Wiss/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel am 05.08.2016 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ich dachte es wäre ein Anderer Generalvikar und nicht Erny.

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  • Fire_Bird am 08.08.2016 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Da Herr Kersch sicherlich noch keine Messe gelesen hat, kann wohl kaum von einer gelesenen Messe die Rede sein ;-)

  • Jos. am 07.08.2016 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Stolz braucht Herr Kersch jedenfalls nicht zu sein. Völlig unausgereifte Gesetzesvorlage und zum Teil sogar diskriminatorisch. Ich frage mich ob der Text einer Verfassungsklage stand hält. Sollte der Text jedoch so durchgezogen werden, fehlt auf jeden Fall ein Verbot der direkten und indirekten Finanzierung von Religionsgemeinschaften in Luxemburg durch ausländische Staaten oder Organisationen. Ein "level playing field" muss hier garantiert werden damit man nicht ein Vakuum schafft, das sich andere zum Nutzen machen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jim M am 10.09.2016 21:45 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist doch nicht ihr Ernst Fire Bird .. Die verkaufen Bauland in Millionenhöhe an Promotoren und melden ein Jahr später der Gemeinde sie hätten ein Defizit

  • Schumacher Henri am 31.08.2016 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ich sehe schon, dass sich der Generalvikar - wie heißt er schon, ach ja Leo Wagener - sieht sich schon als der Nachfolger von Bischof Jean-Claude Hollerich (der kann sich ja in sein Ferienhaus in Süd Portugal zurückziehen), um sich dann als der Retter der katholischen Kirche Luxemburgs feiern zu lassen!

  • Fire_Bird am 08.08.2016 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Da Herr Kersch sicherlich noch keine Messe gelesen hat, kann wohl kaum von einer gelesenen Messe die Rede sein ;-)

  • Fire_Bird am 08.08.2016 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso diese Besitzklärung bezw. Übertragung mit einer Auflösung der Kirchenfabriken einhergehen muss, sollte vielleicht korrekt begründet werden. Wen stören diese Einrichtungen denn und weshalb? Sind diese Einrichtungen denn nicht rechtens? Für wen sollte dies von Vorteil sein? Hier werden eben nur einseitige Interessen bedient!

  • Fire_Bird am 08.08.2016 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Schon eigenartig wie sich eine Regierung anstellt über anderer Leute Eigentum zu verfügen. Nirgends wurden bislang Eigentumsansprüche aus Investitionen abgeleitet, egal ob diese aus privaten oder öffentlichen Herkünften stammen. In keiner Textpassage des (noch immer geltenden) Konkordats noch in jedwedem anderen Abkommen wurden bisher solche Regulierungen festgehalten. Demnach können eventuelle Besitzübertragungen, unabhängig in welche Richtung, NUR mit symbolischen Ablösesummen von statten gehen.