Jackpot gewonnen?

30. September 2013 13:11; Akt: 30.09.2013 14:23 Print

65 Millionen in der Tasche, aber was dann?

LUXEMBURG - Am Wochenende ging ein Lottogewinn von 65 Millionen Euro nach Luxemburg. Doch was passiert eigentlich, wenn man so viel Geld gewinnt?

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Wer 65 Millionen Euro gewinnt, hat ausgesorgt. Oder?

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Am Freitagabend wurde bekannt, dass auf einen in Luxemburg eingelösten Lotttoschein von «Euro Millions» 65’793’289 Euro Gewinn fallen. Den Jackpot, immerhin der zwanzigste größte Gewinn in der Geschichte von Euromillions, hat zum ersten Mal ein Teilnehmer aus Luxemburg in die Tasche gesteckt - obschon bei einer derartigen Summe ein Geldtransporter praktischer wäre: Ein Betrag von 65 Millionen Euro hätte in 500-Euro-Noten ein Gewicht von 145,60 Kilogramm. Ein einziger Geldstapel mit 130'000 neuen Banknoten wäre 13 Meter hoch und hätte ein Volumen von mindestens 170,56 Litern.

Doch was steht dem anonymen Gewinner eigentlich als nächstes bevor? Die gute Nachricht zuerst: Einnahmen aus Glücksspielen und Lotterien sind in Luxemburg steuerfrei. Das gilt allerdings nur für das Kapital an sich - Erträge und Zinsen, die beim Anlegen des Geldes anfallen, werden nämlich ganz normal besteuert. Steuern zahlt man ebenfalls, wenn das Geld verschenkt oder vererbt wird.

Eine Möglichkeit wäre also, einfach von dem Geld zu leben, ohne es zu vermehren. Bei 65 Millionen Euro und einer angenommenen maximalen Restlebensdauer von 62 Jahren (Durchschnittslebensdauer von 80 Jahren minus 18 Jahre als Mindestalter zur Teilnahme an Gewinnspielen), ergibt sich damit immerhin noch theoretisch ein mehr als komfortables Jahresbudget von 1’048.387,10 Euro, das heißt ein Monatseinkommen von 88.431,84 Euro. Trotz Inflation und nach der wohl obligatorischen großen Weltreise sowie dem Erwerb von Villas und Traumautos dürfte noch mehr als genug übrig bleiben.

Ich-AG Lottogewinner?

Wer das Geld doch investieren will, wird bestimmt die nötige Beratung in der Bank seiner Wahl finden. Immerhin fällt man in den Augen des Finanzsektors mit 65 Millionen Euro schon in die äußerst exklusive Kategorie der «Ultra high net worth individuals», die ein Vermögen von über 50 Millionen besitzen. Als superreich gilt schon, wer mehr als 30 Millionen Dollar besitzt. Von diesen Multimillionären gibt es in Luxemburg laut einer UBS-Studie 655.

Eine Größenordnung, die etwa dem Jahresumsatz eines größeren mittelständischen Betriebs entspricht. Mit so viel Geld wird man automatisch zum Wirtschaftsfaktor.

Wer braucht so viel Geld?

Eine dritte Möglichkeit, mit einem solchen Vermögen umzugehen, wäre es integral für einen guten Zweck zu spenden. Denn bei Gewinnen in einer derartigen Größenordnung bewahrheitet sich leider all zu oft das Sprichwort: «Geld allein macht nicht Glücklich». Der Berliner Sozialpädagoge Christoph Lau hat zu dem Thema das Buch «Die Relativitätstheorie des Glücks, über das Leben von Lottomillionären» geschrieben. Lau ging dabei empirisch vor und befragte 14 Lotto-Millionäre zu ihren Erfahrungen.

Das Ergebnis ist ernüchternd: «Der Gewinn macht für sich genommen nur kurzfristig glücklich», sagte der Autor in einem Interview. Nur diejenigen, die sich neue Lebensziele setzen und bewusst leben, hätten auch nach einem Jahr noch Freude an ihrem Vermögen. «Ein Lottogewinn ist immer auch ein Anschlag auf die Identität des Gewinners», so Lau. Auch den viel zitierten Rat, über seinen Millionengewinn nicht zu plaudern, um Neider und Profiteure fern zu halten, nahmen drei der 14 Millionäre wörtlich und verschwiegen den vermeintlichen Segen - sogar ihrer Familie gegenüber. «Das kriegt man mit ein paar Notlügen nicht mehr hin, das geht in Richtung Doppelleben», sagt Lau.

Nutten und Koks?

Was passieren kann, wenn man mit dem plötzlichen Reichtum nicht umgehen kann, darüber gibt es Geschichten wie Sand am Meer. Der britische Lottokönig Michael Carroll gewann 2002 mehr als 11 Millionen Euro. Sein ganzes Vermögen ging für Drogen, wilde Partys, Prostituierte, Goldschmuck und Luxusautos drauf, wie die britische Dailymail berichtet. Heute ist er pleite und hält sich als Maler über Wasser. 1994 gewann der Deutsche Arbeitslose Lothar Kuzydlowski rund vier Millionen Euro. Innerhalb von vier Jahren war das Geld verprasst und «Lotto Lothar» starb 1999 an einer Leberzirrhose.

Und dann gibt es die anderen Geschichten: Zwei Kanadier hatten 2010 umgerechnet rund acht Millionen Euro gewonnen - und sie bis auf eine kleine «Notreserve» verschenkt. «Wir haben nichts gekauft. Weil es nichts gibt, das wir brauchen», so die 78 Jahre alte Lottogewinnerin. Ihr 75 Jahre alter Mann, ein ehemaliger Schweißer, erklärte, sie seien glücklich mit dem, was sie hätten. «Man kann Glück nicht kaufen.» Das seit 36 Jahren verheiratete Paar gab Familienmitgliedern Geld, spendete den Großteil des Gewinns aber an Hilfsorganisationen und soziale Einrichtungen. Ein gutes Gefühl sei das gewesen, erklärte das Paar.

(L'essentiel Online/mth/dpa)

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