In Luxemburg

02. Dezember 2015 14:28; Akt: 03.12.2015 08:50 Print

Dieser Sunnyboy hat Mut zu heiterer Kunst

LUXEMBURG – Graffitis, Instagramfotos und gut trainierter Oberkörper: Der Luxemburger Thomas Iser geht als Künstler eigene Wege und holt sich seinen Erfolg in aller Welt.

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Der introvertierte Künstler, der der Welt entflieht und im stillen Kämmerlein an seinem ernsten Werk schafft, ist Thomas Iser nicht. Zwar verdient der Luxemburger seinen Lebensunterhalt immer mehr mit Pinsel und Farbe und hat ein Atelier in Gasperich. Aber er mischt sich gerne unter das Volk und zeigt sich extrovertiert mit freiem Oberkörper. Oder gleich nackt auf dem New Yorker Times Square. «Ich arbeite mit zeitgenössischen Codes und das Aussehen ist heute wichtig», erklärt der 28-Jährige.

Iser fertigt Selbstporträts an und malt Graffiti auf Leinwände. Und er springt für seine Instagram-Serie «Angel Jumps»: Per Selbstauslöser fotografiert er sich allein oder mit Anderen beim Luftsprung, malt bunte Engelsflügel und Heiligenscheine auf das Foto. Als Engel versteht er sich aber nicht, es geht um etwas Anderes: «Ich würde mit der ganzen Welt springen, auch mit schlechten Leuten.» Wer springt, nimmt Abstand zu den Dingen: «Wenn das jeder machen würde, wären die Leute freier und wir hätten weniger Probleme», ist sich Iser sicher.

Leben von der Kunst

Iser springt auch geographisch: Vergangene Woche ging es nach New York, ein Trip nach London fällt diese Woche wegen Krankheit aus, aber stattdessen könnte es in ein paar Tagen schon nach Paris gehen, um ein verkauftes Bild für einen Kunden abzuholen. Und die Reise zu einem Kunstfestival nach Miami Ende des Monats steht bereits fest. «Aber im Endeffekt ist es eine kleine Welt, die meisten Leute treffe ich wieder, wohne kurz bei ihnen und reise weiter.» Seit etwas vier Jahren kann er von Auftragsarbeiten leben, die Sprünge in der Öffentlichkeit helfen dabei, bekannt zu werden. Sie sind eine farbenfrohe und heitere Visitenkarte, bei der die Digital Natives wissen, wo sie sie ablegen und wiederfinden. «Es ist nicht immer leicht, aber es ist ein schönes Leben.»

Dabei hat Iser auch schon allerhand Schattensein erlebt: Seine Mutter und sein Bruder waren während seiner Kindheit in psychiatrischer Behandlung, er selbst zog durch die Straßen, versuchte sich als Zwölfjähriger an den ersten Graffitis und amüsierte sich bei Verfolgungsjagden mit Polizisten. Eine Perfomance, mit der sich auch immer wieder in Szene setzt, ist das Bemalen seines Oberkörpers mit schwarzer Farbe und goldenen Linien. In Asien werden zerbrochene Vasen mit flüssigem Gold repariert und «danach ist die Vase schöner als vorher», erklärt der junge Künstler den Sinn seiner Aktionen.

Kunst ist für Iser nicht in Stein gemeißelt, sondern auch angreifbar. «Was ich mache, ist vielleicht einfach zu kritisieren, aber es ist nicht leicht zu machen und es ist repräsentativ für unsere Epoche.» Mit Politik, Religion oder Sex will er in seiner Kunst aber nichts zu tun haben, er will auch nicht, dass ein solcher Zusammenhang hergestellt wird. Es geht um Kunst, Sinngebung und Selbstverwirklichung, daher findet man die «Angel Jumps» auf Instagram auch unter seinem Spitznamen «Sunnyboy 1987». Ein Künstler, der sich auch mal ohne erzwungene Ernsthaftigkeit ans Werk traut.

(Sophia Schülke/L'essentiel)

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