OP bei Brustkrebs

18. Oktober 2016 10:41; Akt: 18.10.2016 10:41 Print

«Erschrick dich nicht, mir fehlt eine Brust»

LUXEMBURG – Um die hundert Frauen müssen sich jedes Jahr eine Brust amputieren lassen. Und dann? Die Krux um Silikon oder Prothese löst eine Luxemburgerin besonders mutig.

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Der Griff in die Dessous-Schublade kam für Carmen Majerus der Wahl zwischen Pest und Cholera gleich: Eine schmerzende oder eine entzündete Brust? Die Krankenschwester hat innerhalb eines Jahres Brustkrebsdiagnose, Entfernung des linken Busens und Chemotherapie verkraftet. Wieder gesund, stand sie vor einem ganz anderen Problem: Worin die gesunde Brust kleiden, damit die Narbe der Anderen, der Entfernten, heilen kann? «Man findet nichts», erklärt die 35-Jährige. «Entweder feste Sport-BHs, die alles plattdrücken, oder hässliche Prothesen-BHs, in denen die Prothese auf die Narbe drückt oder sie entzündet.» Die Öffentlichkeit wird im Brustkrebsmonat Oktober über Prävention und Behandlung informiert, aber die betroffenen Frauen müssen mit der Krankheit und den Folgen leben. Tagtäglich.

Nach einer Mastektomie, der ein- oder beidseitigen Entfernung der Brust, haben die meisten gesundeten Brustkrebspatientinnen die Wahl: Entweder lassen sie die Brust etwa durch Silikon wieder aufbauen oder sie tragen eine äußere Silikonprothese. Zahlreiche Frauen leben gut mit einer Silikonprothese, doch Majerus entschied sich bewusst anders. «Viele Frauen konnten nicht verstehen, dass ich keinen Brustaufbau will, sie waren sogar schockiert», erinnert sie sich. Doch Silikon kam für die Krankenschwester nicht in Frage: Der Aufbau hätte ihr zu lange gedauert und sie hatte Angst, ihre Brust nicht mehr auf mögliche Tumore abtasten zu können. Außerdem ist sie sehr «öko».

«Es wird nicht darüber gesprochen»

Auf der Suche nach einem BH, der es auch aushält, wenn sie ihre Patienten hebt, durchstöberte Majerus das Netz und stieß auf Nicole Kecskes und ihr Nähatelier «Nicoles Magic Moments». Die deutsche Schneiderin entwarf auf Wunsch der Luxemburgerin einen «Amazonen-BH», einen Prototypen, den die beiden Frauen zwischen Weiswampach und Barsinghausen nahe Hannover hin- und herschickten. Nach vier Monaten des Anpassens, Änderns und Probetragens saß das Dessous.

175 Euro haben der Prototyp und das endgültige Modell gekostet, den zweiten BH gibt es dann für 149 Euro. Der hohe Preis relativiert sich: Der BH ist maßgefertigt, deckt Narben ab und drückt die Lymphknoten nicht. Ein Prothesen-BH kostet laut Majerus zwischen 130 und 160 Euro, diese Kosten übernimmt die Krankenkasse aber einmal im Jahr.

Brustkrebs noch immer ein Tabu

Die Krankenschwester glaubt, dass sich viele der betroffenen Frauen mit einer Prothese quälen, damit man die Amputation nicht sieht. «Viele denken, dass sie keine vollständige Frau mehr sind», berichtet die 35-Jährige. Denn Brustkrebs und Brustamputation sind nach ihren Erfahrungen immer noch Tabuthemen: «Es wird nicht drüber gesprochen. Ich habe Patientinnen, die sagen: 'Erschrick dich nicht, mir fehlt eine Brust'», erzählt Majerus. Und dann weiß die Luxemburgerin mit einem Satz zu trösten, Stärke zu geben und Normalität herzustellen: «Ja, mir doch auch. Schau'.»

Am gelassensten reagiert hätten die männlichen Kollegen von Carmen Majerus. «Hauptsache du fühlst dich wohl», haben sie ihr gesagt. Und sie kann mit der amputierten Brust gut umgehen: «Der Krebs ist ja weg und ich lebe.»

(Sophia Schülke/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cynthia-Benoit am 18.10.2016 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    D'Carmen ass daat allerbescht

  • Lilablue am 18.10.2016 23:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Merci fir dee Courage. 3 fir all concernéiert Persoun 3

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  • Lilablue am 18.10.2016 23:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Merci fir dee Courage. 3 fir all concernéiert Persoun 3

  • Cynthia-Benoit am 18.10.2016 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    D'Carmen ass daat allerbescht