Roger Spautz

12. Oktober 2017 11:56; Akt: 12.10.2017 15:36 Print

Luxemburger Aktivist bei Cattenom-​​Sturm dabei

LUXEMBURG/CATTENOM – Der Luxemburger Greenpeace-Aktivist Roger Spautz war bei der Aktion in Cattenom vor Ort, mit der die Organisation auf Sicherheitslücken hinweisen wollte.

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Roger Spautz ist Greenpeace-Aktivist und Experte für Nuklearfragen. Schon seit über 30 Jahren ist er in verschiedenen Kommissionen tätig. Am heutigen Donnerstagmorgen gegen 5.30 Uhr verschafften sich 15 Umweltschützer Zugang zum Werksgelände (L’essentiel berichtete) und zündeten direkt vor dem sogenannten Abklingbecken ein Feuerwerk. «Wir wollten zeigen, dass es recht einfach ist, in ein Kernkraftwerk einzudringen und sich dem Lager der Brennelemente zu nähern», sagt Spautz zu L'essentiel.

Im Abklingbecken werden die ausgebrannten Brennstäbe für zwei bis drei Jahre unter Wasser gelagert. «Die Brennstäbe haben eine Höhe von etwa vier Metern und werden in circa acht Meter tiefem Wasser gelagert. Das dient der Kühlung der Brennelemente», erklärt Spautz. «Da dort alle ausgebrannten Brennstäbe des Kraftwerks eingelagert werden, ist das nukleare Potential im Nasslager zwei bis drei Mal höher, als im besser geschützten Reaktor. Sollte es dort zu einem Zwischenfall kommen, wären die Folgen verheerend».

Die Aktion wurde von Greenpeace-Leuten in Frankreich und Luxemburg gemeinsam geplant.

Keine großen Hürden

Die Aktivisten standen am heutigen Morgen nur wenige Meter von der Mauer entfernt, die das Abklingbecken umgibt. Laut Experte Spautz wäre es ein Leichtes gewesen, die 30 Zentimeter dicke Betonmauer «mit dem entsprechenden Werkzeug oder einem Geschoss» zu beschädigen. Sobald die Brennelemente nicht mehr mit Wasser bedeckt sind, können sie sich übermäßig erhitzen und im Extremfall – also dann, wenn jegliches Wasser aus dem Nasslager verdampft ist – in Brand geraten.

«Wie heftig die Auswirkungen sind, hängt vom Kühlungsverlust ab», sagt Spautz. «Sobald Wasser ausläuft, wird es jedenfalls gefährlich.» Dieser Gefahren ist sich auch die Luxemburger Umweltministerin Carole Dieschbourg bewusst. Via Twitter schrieb sie, die Aktion habe «ernste Sicherheitsmängel im Hochsicherheitsbereich von Cattenom» aufgezeigt. Deshalb werde sie sich mit dem amtierenden Umweltminister Nicolas Hulot in Frankreich in Verbindung setzen.

EDF lobt die Effizienz der Sicherheitskräfte

Die Betreibergesellschaft des Kernkraftwerks EDF hatte in einer offiziellen Erklärung heute Morgen «die gewalttätige Aktion der Organisation auf das Schärfste» verurteilt. Gleichzeitig habe das Eindringen «keinen Einfluss auf die Sicherheit der Anlage» gehabt. Laut EDF haben Sicherheitskräfte nur acht Minuten gebraucht, um die Eindringlinge festzunehmen.

«Die Intervention wäre wesentlich schneller vonstatten gegangen, hätten die Polizisten an einen Eingriff mit bösen Absichten geglaubt», sagt der stellvertretende Direktor des Kraftwerks, Arnaud Courcoux. Seiner Auffassung nach habe Greenpeace lediglich bewiesen, «dass die Sicherheitssysteme der Anlage perfekt funktioniert haben». Den Aktivisten droht nun eine mehrjährige Gefängnisstrafe und eine Geldbuße in Höhe von bis zu 75.000 Euro.

(Dominik Dix/AFP/L’essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Niemand am 12.10.2017 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ich lobe alle Aktionen von Greenpeace. Die tun wenigstens was und zeigen uns alle, was da draussen vor sich geht. Solche Aktionen wie diese, sind fast ein ''MUSS'', damit sich überhaupt was tut. Wenn nicht Greenpeace, wer sonst? Statt jetzt schlecht über Greenpeace zureden, sollte jeder auf Greenpeace Seite stehen.

  • jimbo am 13.10.2017 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Och wann ech dei Aktioun elo net wierklech kann gutheeschen, mee ech hun leiwer Greenpeace mecht e bessi Freedefeier ewei dass en Terrorist oder en aneren Dabo do eng Granat zwousch hingeheit... well an 8Minuten kann vill passeieren

  • remo raffaelli am 12.10.2017 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Des Greenpeace bräuchen nie méi bei mier en Cent froen zekommen , ech hun oft iwereisen an elo nêicht méi, ech bezouelen keng Aktivisten déi Prozesser laafen hun an matt mengem Geld muss Finanzeiert gin. An den Prisong an fêrdeg . Datt ass den geck gemacht mat den Eierlechen Ennersstêtzer !

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Die neusten Leser-Kommentare

  • dusninja am 13.10.2017 09:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber sputnik, wie kann das passirren, dass man einfach so mir-nix-dir-nix auf ein AKWGelände maschieren kann???

  • dusninja am 13.10.2017 09:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ob das jetzt nun illegal ist oder nicht, wie kann so etwas passieren, wie kann es sein das jemand so weit kommt? Werkschutz nicht vorhanden? Jägerzaun drumherum? Das schlimme ist dann immer das Verblöden durch EdF. Keiner im Reaktor, keine Gefahr. Fukushima ist im Nichtatomaren Teil entstanden: Abklingbecken, Generatoren, Pumpen bevor der Kern geschmolzen ist. Also schon Gefahr.

  • jimbo am 13.10.2017 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Och wann ech dei Aktioun elo net wierklech kann gutheeschen, mee ech hun leiwer Greenpeace mecht e bessi Freedefeier ewei dass en Terrorist oder en aneren Dabo do eng Granat zwousch hingeheit... well an 8Minuten kann vill passeieren

  • sputnik am 12.10.2017 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @ niemand Organisationen die sich hinter einem Label verstecken um sich illegal zu verhalten haben in meinen Lebensprinzipien nichts zu suchen und Herr spautz als Vorbild und Träner im Jugendbereich müsste sofort und zwar ohne wenn und aber seines Amtes als Jugendtrainer enthoben werden. Illegale Einsätze und einbrechen in Privatgrundstücke ist nicht vorbildlich. Es gibt andere Möglichkeiten. Wer da anderer Meinung ist , bestätigt dass auch er sich in der Illegalität bewegt und unterstützt.

    • Niemand am 13.10.2017 10:32 Report Diesen Beitrag melden

      @sputnik es ist einfach zusagen, dass es andere Möglichkeiten gibt ... Möglichkeiten die wahrscheinlich ignoriert werden oder bei dem weiter nichts unternommen wird. Keiner hier ist sich bewusst, wie gefährlich ein Atomkraftwerk ist und dass es vielleicht einmal zum Anschlag kommen kann. Greenpeace hat uns allen gezeigt, dass man in einem Atomkraftwrk eindringen kann und somit punkto Sicherheit verbessert werden sollte. Aber wie es aussieht, interessiert es den Bürgern mehr, dass Greenpeace eine illegale Aktion durchgeführt hat, als sich über die Konsequenzen nachzudenken. Traurig sowas.

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  • Niemand am 12.10.2017 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ich lobe alle Aktionen von Greenpeace. Die tun wenigstens was und zeigen uns alle, was da draussen vor sich geht. Solche Aktionen wie diese, sind fast ein ''MUSS'', damit sich überhaupt was tut. Wenn nicht Greenpeace, wer sonst? Statt jetzt schlecht über Greenpeace zureden, sollte jeder auf Greenpeace Seite stehen.