«Hosen»-Gitarrist im Interview

23. Mai 2018 14:04; Akt: 28.05.2018 10:41 Print

«Luxemburgisch klingt sehr interessant»

ESCH/ALZETTE – Am Freitag ließen es die Toten Hosen in der Rockhal krachen. Vor dem mitreißenden Auftritt hat sich Gitarrist Michael Breitkopf Zeit für uns genommen.

So lief das Hosen-Konzert in der Rockhal ab. (Video: L'essentiel)

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Rockhal, Freitagnachmittag, Soundcheck. Während die letzten Vorbereitungen getroffen werden, ertönt ein gleichmäßiges «Ping-Pong» in der Halle. Eine Tischtennisplatte steht mitten in der Rockhal. In den Pausen spielen die Toten Hosen Tischtennis. «Es ist nicht zu anstrengend, aber man hat etwas zu tun», erklärt mir Michael Breitkopf. In dieser Pause griff der Gitarrist und Mitbegründer der deutschen Erfolgsband aber nicht zum Schläger. Er hat sich Zeit genommen für ein Interview.

Wie oft wart ihr schon in Luxemburg? In der Rockhal sind wir glaube ich zum dritten Mal. Wir waren auch zwei Mal in Düdelingen. Das erste Mal haben wir irgendwann in den Achzigern in Luxemburg gespielt, in irgendeinem Club. Es ist immer wieder ein schöner Ausflug, mit der Landschaft und den speziellen Eigenheiten der Sprache und den Leuten. Leider haben wir nie genügend Zeit, um das richtig kennenzulernen.

Spielt ihr lieber in großen Hallen oder in kleinen Clubs? Wir sind ja in einer privilegierten Situation, dass wir uns aussuchen dürfen, in welcher Größenordnung wir spielen wollen. Wenn wir in Clubs spielen mag ich, dass wir spontan auf Zurufe aus dem Publikum reagieren können, wenn sich jemand zum Beispiel ein bestimmtes Lied wünscht. Bei großen Konzerten ist es immer wieder ein großartiges Erlebnis, wie zwischen vielen Menschen ein Gemeinschaftserlebnis entstehen kann. Jede Größenordnung hat etwas Besonderes, das man als Band gerne immer wieder erleben will.

Nach 36 Jahren Bandgeschichte... ist jedes Konzert da immer noch etwas Besonderes? Ja, das ist immer noch etwas Besonderes. Die Leidenschaft für die Zeit auf der Bühne geht anscheinend nie weg, zum Glück. Wenn die einmal nicht mehr da sein sollte, dann müsste man auch nicht mehr in einer Band spielen.

Bei euren Konzerten sind alle Generationen vertreten. Wie macht ihr das? Das wissen wir selbst nicht. Wir sind total glücklich, dass das Publikum bei unseren Konzerten sehr gemischt ist und zum Beispiel auch 15-Jährige zu sehen sind, die Texte von Liedern mitsingen, die wir geschrieben haben, als sie noch gar nicht geboren waren. Offensichtlich haben wir bei manchen Liedern ein bestimmtes Gefühl getroffen, was etwas Zeitloses hat.

Campino sagte in seiner Rede bei der Echo-Verleihung, dass ihr in Betracht gezogen habt, die Veranstaltung zu boykottieren. Wie verlief die Debatte innerhalb der Band? Einfach hinfahren und einen Echo abzuholen, das ging für uns nicht. Es ging um die Frage, was in der Kunst erlaubt ist. ist, was man in Texten ausdrücken darf oder wo eine Grenze überschritten wird. Wie immer haben sich die Echo-Organisatoren weggeduckt und gesagt «Wir haben damit nichts zu tun» und haben das dann den Bands überlassen. Wir fanden dann, die beste Lösung war, dass Campino, dort hingeht und sagt, was er zu sagen hat.

Und wie waren die Reaktionen? Es gab viel Zustimmung, aber auch viel Ablehnung – von Leuten die offensichtlich gar nicht verstanden haben, was er gesagt hat. Es ging darum, dass wir nicht die Zensur sind und das verbieten keine Lösung wäre, sondern dass man die Grenzen immer wieder diskutieren muss, die nicht überschritten werden sollten, wenn in Texten zum Beispiel Minderheiten diskriminiert oder die Opfer des Holocaust verhöhnt werden.

Ist es besser, dass der Echo nicht mehr verliehen wird? In der Form, wie das die letzten Jahre geworden ist, würde ich jetzt sagen: Es ist nicht unbedingt schade drum.

Wie verbringst du deine Zeit in Luxemburg? Außer, dass ich in der Stadt spazieren war, verbringe ich die meiste Zeit hier in der Halle. Nachdem wir ein paar Monate große Konzerte gespielt haben wir zwei, brauchen wir mit allen, die an der Tour mitarbeiten, die Tage hier, um alles wieder zusammenzubasteln. Dafür ist das hier ein guter Ort.

Welchen Eindruck hast du von Luxemburg-Stadt bekommen? Es ist alles sehr sauber und aufgeräumt. Mit den Sprachen bin ich ein bisschen verwirrt. In Cafés habe ich nur französisch gehört aber auf der Straße auch Luxemburgisch. Die wenigen Beispiele, die ich von Luxemburgisch gehört habe, klingen sehr interessant. Wenn man das so als Düsseldorfer hört, versteht man allerdings erstmal nichts, vielleicht bekomme ich irgendwann mal etwas Nachhilfeunterricht.

Am Freitag begeisterten die Toten Hosen ihre Fans in Luxemburg. Wer den Autritt verpasst hat, hat am 15. September nochmals die Gelegenheit, sie in Bosen am Bostalsee live mitzuerleben.

(Christine Biadacz/L’essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Intressant am 24.05.2018 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Intressant och, dass am Interview an am Titel elo "lustig" duerch "interessant" ersat gouf. Hunn sech do erem e puer gutt Letzeboia op d'Zéiwe getrëppelt gefillt?

  • Nach méi intressant am 24.05.2018 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    ...ass, wéieng Kommentaren hei fräigeschalt ginn a wéieng net. Kritikfähegkeet = 0. Schued!

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    ...ass, wéieng Kommentaren hei fräigeschalt ginn a wéieng net. Kritikfähegkeet = 0. Schued!

  • Intressant am 24.05.2018 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Intressant och, dass am Interview an am Titel elo "lustig" duerch "interessant" ersat gouf. Hunn sech do erem e puer gutt Letzeboia op d'Zéiwe getrëppelt gefillt?