Cannabis verschrieben

22. Mai 2012 18:53; Akt: 22.05.2012 19:13 Print

Abgeordnetem der ADR droht Prozess

LUXEMBURG - Dem ADR-Abgeordneten und Arzt Jean Colombera droht ein Gerichtsverfahren. Er hatte Patienten Cannabis verschrieben.

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2010 wollte der Staatsanwalt es wissen. Er schickte die Ermittler in die Arztpraxis von Dr. Jean Colombera. Dort sollten sie nach Beweismaterial suchen und wurden fündig. Rund zwanzig Patientenakten wurden beschlagnahmt. Aus denen soll hervorgehen, dass der Arzt den Patienten Cannabis als Arzneimittel verschrieb. Nun könnte der Arzt und Abgeordnete Colombera wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz vor Gericht zitiert werden.

Eine Entscheidung muss die Ratskammer des Diekircher Bezirksgerichts treffen, der die Ermittlungsergebnisse zugestellt worden sind. Der Betroffene selbst rechnet mit einer Anklage, wie Colombera am Dienstag gegenüber «Tageblatt.lu» erklärte.

Cannabis-Therapie möglich

Cannabis gilt in Luxemburg nach wie vor als verbotene Droge. Import, Verkauf und Konsum werden bestraft. Ärzte können nur in Ausnahmefällen rauschgifthaltige Erzeugnisse verschreiben. Die Therapie ist auf sieben Tage begrenzt und muss vom Gesundheitsministerium genehmigt werden. Verkauft werden dürfen die Mittel nur durch dazu befugte Apotheker.

Die Hausdurchsuchung bei Dr. Colombera geht auf eine Klage aus dem Jahr 2010 zurück. Der Kampf des umstrittenen Arztes für eine Legalisierung der sanften Droge ist jedoch nicht neu. Seit Jahren schon setzt sich der Abgeordnete aus dem Norden für eine Zulassung von Cannabis zu medizinischen Zwecken ein.

Teilerfolg, der nicht funktioniert

Einen Teilerfolg erzielte er 2010, als der Gesundheitsminister ihm erlaubte, Patienten Cannabis-haltige Arzneimittel zu verschreiben, die sich die Betroffenen in den Niederlanden besorgen müssten, da sie in Luxemburg nicht verkauft werden. In einem anderen EU-Land zugelassene Medikamente könnten auch in Luxemburg genutzt werden, hieß es.

Doch daraus wurde nichts mehr, sagte uns Dr. Colombera am Dienstag. Eines dieser Mittel, das Krebs-, Aids-, MS-, Hepatitis- und Parkinson-Patienten verschrieben werde, werde in den Niederlanden nicht als Arzneimittel anerkannt, so Colombera. Außerdem dürften Cannabis-haltige Medikamente nur von Fachärzten verschrieben werden, sei ihm gesagt worden. Also schickte er die Patienten ins Ausland zu Kollegen.

(L'essentiel Online mit lmo/tageblatt.lu)

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