EUGH-Urteil

19. Dezember 2019 17:14; Akt: 19.12.2019 17:14 Print

Airlines müssen bei Kaffee-​​Unfällen zahlen

LUXEMBURG – Ein heißer Kaffee rutscht im Flugzeug vom Tisch, ein Mädchen erleidet Verbrühungen. Die Airline streitet jegliche Schuld ab, das oberste EU-Gericht sieht das anders.

storybild

Flugbegleiterinnen verteilen an Bord eines Airbus A320 Getränke an die Fluggäste. (Bild: DPA/Christian Charisius)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das kann jedem passieren: Ein Becher mit Kaffee kommt während eines Fluges ins Rutschen und ergießt sich über Arme und Beine. Wenn der Kaffee brühend heiß ist, ist das nicht nur unangenehm, sondern auch äußerst schmerzhaft. Nach einem Grundsatzurteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) können Reisende dann aber von der Fluggesellschaft Schadenersatz fordern (Rechtssache C-532/18).

Die Haftung der Airlines könne nicht davon abhängig gemacht werden, dass der Schaden auf ein luftfahrspezifisches Risiko zurückgehe, oder dass es einen Zusammenhang zwischen dem Unfall und dem Betrieb des Flugzeugs gebe, führten die Richter weiter aus. Allerdings könnten nach dem Luftfahrtübereinkommen von Montreal - das für die EU maßgeblich sei - Fluggesellschaften sich aus der Haftung befreien, wenn sie nachwiesen, dass Reisende selbst für den Schaden verantwortlich seien.

Die obersten EU-Richter folgten damit weitgehend der Einschätzung eines wichtigen Gutachters. Er hatte zuvor argumentiert, dass bei Verletzungen durch an Bord oder beim Ein- und Aussteigen plötzlich eintretende Ereignisse, die der Fluggast nicht selbst verursacht habe, die Fluglinie haftbar gemacht werden könne.

Verbrennungen zweiten Grades auf Mallorca-Flug

Hintergrund des Urteils war ein Fall aus Österreich. Dabei ging es um eine damals Sechsjährige, die 2015 mit der inzwischen insolventen Airline Niki mit ihrer Familie von Mallorca nach Wien flog. Eine Flugbegleiterin servierte während des Flugs Getränke. Der Vater nahm von ihr einen deckellosen Becher mit frisch gebrühtem heißen Kaffee entgegen und stellte in auf dem am Vordersitz befestigten Klapptisch ab. Das Mädchen lehnte sich zu diesem Zeitpunkt über die Armlehne an seinen Vater an.

Der Kaffee geriet dann ins Rutschen und kippte. Es konnte nicht geklärt werden, ob wegen eines Defekts des Abstelltisches oder durch ein Vibrieren des Flugzeugs. Das Mädchen erlitt Verbrennungen zweiten Grades - dabei handelt es sich um mittelschwere Verbrennungen, die in der Regel mit oder ohne Narben verheilen. Die Fluglinie lehnte Schadenersatzforderungen der Familie mit der Argumentation ab, dass kein Unfall vorliege, der von der Airline selbst oder den Mitarbeitern verursacht wurde. Der Schaden beruhe auch nicht auf einem für die Luftfahrt typischen Risiko. Der Oberste Gerichtshof in Österreich hatte den Fall dann nach Luxemburg verwiesen.

Die obersten EU-Richter sahen die Sache nun aber anders. Mit dem Übereinkommen von Montreal solle unter anderem eine Regelung der verschuldensunabhängigen Haftung von Fluglinien eingeführt werden, führten sie weiter aus. Diese könnten sich aber ganz oder teilweise von der Haftung befreien, wenn sie nachwiesen, dass Reisende einen Schaden selbst verursacht oder dazu beigetragen hätten. Die österreichische Justiz muss nun auf Basis des EuGH-Urteils noch eine Entscheidung im konkreten Fall fällen.

(L'essentiel/dpa)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jimbo am 20.12.2019 03:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super... da gett et ab elo nach just kale Kaffee ze drenken...

  • kaa am 20.12.2019 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bei villen airlines, an nett nömmen déi belleg, ass de service an der economy sou schlecht, dass de Passagéier iwwerhapt frou kann sin Kaffi ze kréien, egal op warem oder kaal....

Die neusten Leser-Kommentare

  • kaa am 20.12.2019 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bei villen airlines, an nett nömmen déi belleg, ass de service an der economy sou schlecht, dass de Passagéier iwwerhapt frou kann sin Kaffi ze kréien, egal op warem oder kaal....

  • jimbo am 20.12.2019 03:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super... da gett et ab elo nach just kale Kaffee ze drenken...