Gewaltsame Corona-Demo

06. Dezember 2021 07:17; Akt: 06.12.2021 07:19 Print

«All das sieht nicht nach Luxemburg aus»

LUXEMBURG – Die Krawalle bei der Demonstration am Samstag haben für Aufregung gesorgt. Die Opposition fordert eine Debatte über das Thema in der Kammer mit dem Premierminister.

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Die Gewalt am Rande der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen am Samstag löste Entsetzen aus. «Ich war gerade im Rathaus, als ich Geräusche hörte», berichtete Lydie Polfer (DP), Bürgermeisterin der Hauptstadt. Sie sah dann «eine gewalttätige Menge mit Menschen voller Wut, Hass und Zorn». Die Politikerin, die seit 1982 in der Politik aktiv ist, erzählt, dass sie «so etwas noch nie zuvor gesehen» habe. «All das sieht nicht nach Luxemburg aus», sagte sie. Die Bürgermeisterin ist der Ansicht, dass die Polizei «präsent war, sich aber diskret verhalten hat. Das war auch nötig, denn der kleinste Funke hätte dramatisch sein können». Sie hoffe nun auf einen «Austausch mit den zuständigen Ministern» vor der nächsten Demonstration.

Die CSV fordert eine Chamber-Debatte zum Thema noch in dieser Woche, bei der Henri Kox (Déi Gréng), Minister für Innere Sicherheit, zu den Vorgängen Stellung beziehen solle. «Es gibt einige Punkte, die in Bezug auf die Art dieser Demonstration, die nicht genehmigt war, geklärt werden müssen. Wir wollen die Einzelheiten wissen», erläutert der CSV-Abgeordnete Laurent Mosar. Der Abgeordnete und Hauptstadtpolitiker ist der Ansicht, dass «Demonstrationen die Tätigkeit von Schaustellern und Händlern gefährden, da die Menschen nun Angst haben, in die Stadt zu gehen». Er wolle für seine Partei in einer möglichen Debatte das Wort ergreifen.

Kollektiv distanziert sich von Gewalt

Fernand Kartheiser (ADR) beantragte ebenfalls eine einstündige Debatte in der Kammer, um unter anderem herauszufinden, «ob es nicht einen Personalmangel bei der Polizei gibt». «Vandalismus vor einem Wohnhaus oder einem Nationaldenkmal ist nicht tolerierbar. Aber man muss betonen, dass die überwiegende Mehrheit der Demonstranten friedlich war». Der Abgeordnete ist besorgt über «eine Radikalisierung auf beiden Seiten, zwischen denen, die immer mehr Maßnahmen wollen, und denen, die sie kritisieren». Déi Lénk verurteilte auch «die Zwischenfälle vom Samstag, die von radikalisierten Provokateuren ausgingen, die zum Teil aus einer aus dem Ausland stammenden rechtsextremen Szene stammten». Die Linkspartei «dankt der Polizei für ihr Verhalten, das die Deeskalation fördert».

Das Kollektiv «Marche blanche silencieuse» (MBS), das in den vergangenen Wochen verschiedene Kundgebungen organisiert hatte, distanzierte sich von den Gewalttaten. Man habe diese nie toleriert, heißt es einer schriftlichen Erklärung des Kollektivs. «Nur wenn wir friedlich, solidarisch und zahlreich bleiben, können wir die Tyrannei und den Neo-McCarthyismus im Gesundheitswesen besiegen, der sich schleichend in Luxemburg etabliert», schreiben die MBS-Verantwortlichen weiter. Damit Vergleichen sie die Lage der Maßnahmen-Kritiker in Luxemburg mit der Kommunistenverfolgung in den USA während der Jahre von 1947 bis 1956.

(JG/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gaston am 06.12.2021 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dé kox war well an eiser gemeng eng 'null' lo als policeminister .....

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  • LX am 06.12.2021 07:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    politik muss sech och änneren,de lëtzeboier kuckt dat net mi laang no,well esou eppes gour et nach net hei am land,AN ,et as net nëmmen hei am land ,kuck iwwert d'grenzen raus,das net nëmmen hei.

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  • Martha am 06.12.2021 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wa polnesch Arbechter friedlech demonstreiere kommen get d'Autobunn gespart. Awer rietsextrem Casseuren kennen einfach bis an d'Stad durchfuhren. Hei mussen dei asozial Medien mei stark iwerwacht gin, fir preventiv agreifen ze kennen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Octopus@Garer am 06.12.2021 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bal soz vill prozent wei Coronadoudeg.

  • Meinung am 06.12.2021 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Die ganzen Politiker und damit gerade viele mit einem gewissen Alter sagen wir ab 50, haben bisher zu gut gelebt, in einem Traumland Luxusburg und damit übersehen, dass die Welt teils anders funktioniert. Wären diese mal durch die Welt gezogen und auch wenn sie es getan haben dann nur in Luxusherbergen abgestiegen, dann hätten sie mit Sicherheit die Politik des Landes anders gesteuert. Als Weltenbummler kann ich immer mur sagen, ziemlich vieles naives Denken, findet hier im Lande statt. Es kommt mit Sicherheit noch anders und nicht unbedingt zum Guten, leider.

    • packtiech am 07.12.2021 00:21 Report Diesen Beitrag melden

      richteg!Hei gin et vill ze vill brav Schoof an och vill ze vill Lait,déi virun allem Angscht hun...Se goufe sëcher schon sou erzun...

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  • edsi6 am 06.12.2021 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Biller schlëmm, né esou eppes né an dan den Minister Kox wann Gemeng Sécherheet Leit a stellt mécht den déck backen, an bozgermechtech huet recht Leit och sin es satt datt déi op der Gare machen wéi se wëllen. Wou ass eis Police et Hecht sin rëm esou vill dobei komm, Me wou et geseit en neicht, weisou mir hunn jo EU géifen gaer bei eis schaffen, mat den décken gehallter, kuckt moll ëm Grenzgebitt wat déi verdingen, déi géife direkt kommen, hei sinn police am relax zou stand, an den Kox seht mir Mächen machen, jo wat mécht denn. Esou eppes watt Demonstranten gemacht hunn mat klengen Kanner do se stoen wou ass jugendrichterin jo et war sammsteg lll

    • @edsi6 am 07.12.2021 17:29 Report Diesen Beitrag melden

      An elo nach eemol an enger Sprooch déi ee versteet...?!?

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  • E Garer am 06.12.2021 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was hat Spahn mit Luxemburg zu tun… ????

  • E Garer am 06.12.2021 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Do huet dach esou eng Madame op der kinneskswiss gesoot miir wëllen eppes aanescht … wie daat waat do ass … destabiliséiert eis d’Land roueg. Wa mer keen Triple A mi hun da sinn och geschwënn d’Santé de chômage d’Pensiounen an d’Renten an den RMG och net mi Triple’A… an da blärt der dowëinst… jejeje… gitt e joer an en 3. Weltland entwecklungshëllef leeschten da wësst der mol wi gutt der et hei hutt…trotz Corona…