#GeorgeFloyd

04. Juni 2020 08:54; Akt: 04.06.2020 09:07 Print

«Auch in Luxemburg gibt es Rassismus»

LUXEMBURG – Die Demonstrations-Welle in den USA hat das Tabuthema in Luxemburg wieder in den Vordergrund gerückt. Auch hier leidet die schwarze Bevölkerung.

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Sandrine Gashonga ist die Präsidentin der Vereinigung Lëtz Rise Up. (Bild: Editpress/Hervé Montaigu)

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Wie Millionen von Menschen auf der ganzen Welt hat sich Sandrine Gashonga dafür entschieden, ein schwarzes Bild als Profilbild in den sozialen Netzwerken einzustellen. Die Präsidentin des luxemburgischen Vereins Lëtz Rise Up wird am Freitag um 14 Uhr vor der amerikanischen Botschaft eine Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt anführen, etwas mehr als zehn Tage nach dem Tod von George Floyd.

«Ich konnte mir diese Bilder, die die Szenen aus der Zeit der Sklaverei und Rassentrennung widerspiegeln, nicht ansehen. Es war ein echter Schock», kommentiert Gashonga das Video, das um die Welt ging. «Es wurde offensichtlich, dass wir etwas tun mussten», sagt auch Jennifer Holding, ein Mitglied von Lëtz Rise Up.

Probleme vor allem bei der Wohnungssuche

«Auch in Luxemburg gibt es Rassismus», so Gashonga. Die Manifestation dieses Rassismus findet sich jedoch nicht in Polizeigewalt, «die trotz der anhaltenden rassistischen Profilerstellung nicht so schwerwiegend ist», sondern vor allem im Zugang zu Wohnraum.

«Wenn ich eine Wohnung suche, versuche ich immer, von einer weißen Person begleitet zu werden», berichtet Sandrine Gashonga, die außerdem Probleme im Bildungsbereich erwähnt. Wie viele Kinder ausländischer Herkunft sind Studenten afrikanischer Herkunft «viel stärker auf technische Fächer ausgerichtet als auf traditionelle Fächer».

«Luxemburg kämpft mit seiner kolonialen Vergangenheit»

Offizielle Statistiken gibt es nicht, aber rund 10.000 Menschen in Luxemburg würden sich als «schwarz» bezeichnen, also etwa 1,6 Prozent der Bevölkerung des Landes. Laut der Studie «Being Black in the EU» hat mehr als die Hälfte der luxemburgischen Einwohner afrikanischer Herkunft in den letzten fünf Jahren hier Rassismus erlebt. Integrationsministerin Corinne Cahen (DP) sagte damals, dass sie «diese Ergebnisse sehr ernst nimmt». Doch Sandrine Gashonga glaubt, dass «der Staat nichts dagegen unternimmt».

«Luxemburg hat neben Belgien auch große Probleme mit seiner kolonialen Vergangenheit», so die junge Frau. Die Tatsache, dass sich die schwarze Bevölkerung des Großherzogtums so «traurig und wütend» wegen einer Tragödie fühle, die sich 7000 Kilometer entfernt ereignet hat, sei nicht nur eine Frage der internationalen Empörung. «Die Betroffenen wissen, dass schwarz sein nicht die gleichen Folgen hat wie weiß sein. Das betrifft auch Luxemburg.»

(Thomas Holzer/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • yesitsme274@gmail.com am 04.06.2020 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Überschrift: «Luxemburg kämpft mit seiner kolonialen Vergangenheit» Mir war gar nicht bewusst dass Luxemburg eine koloniale Vergangenheit hat. Weiss jemand welches Land wir kolonialisert hatten (oder haben)?

    einklappen einklappen
  • koloniale_Vergangenheit am 04.06.2020 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Mir haaten Kolonien? Wosst ech nach guer net. Wéieng dann?

  • Léon am 04.06.2020 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Aller en Afrique et là vous allez voir le racisme contre les blancs, le racisme existe et existera toujours.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Love am 23.06.2020 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin mit meiner Frau, die aus Eritrea stammt, schon seit 5 Jahren zusammen. In dieser Zeit habe ich niemals erfahren, dass sie, oder jemand anderer unser Freunde, jemals rassistisch oder abwärtend behandelt wurden. Allerdings liegt es wohl auch daran, dass sie auch alles daran setzen, sich zu integrieren.

  • trabant am 21.06.2020 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sinn dann dei Italiener dei em 1900 an d'Land komm sinn vier an de Minieren ze schsffen vun de Letzebuerger matt offenen Aerm empfaang ginn... menge nett. An den 1960 Joer dann dei zweet well Italiener waren och nett graad welkomm am Ländschen an duerno Portugiesen anesou weider mengen schon dass rasdismus keen friemwuert ass zu Letzebuerg

  • Léonie am 05.06.2020 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Leider ginn et iwwerall Leit déi net domadder eens ginn datt et Matbierger ginn déi z.B. anescht ausgesinn, eng aner Hautfarf hunn, déi eng Behënnerung hunn, anerer Meenung sinn asw. De Respekt um Mënsch feelt. An jo, leider gëtt et an onsem Land och Rassismus, wat ech bedaueren. Awer ech perséinlech fannen datt d'Mme duerch een Deel vun hiren Ausso(en) éischter eng negativ Reaktioun provozéiert huet resp. de Géigendeel ereecht huet vun deem wat si sécher wollt, an dat ass ganz schued.

  • Extrawurscht am 05.06.2020 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Et sinn nëmmen Versammlungen bis maximal 20 Persounen erlaabt. D'Demonstratioun ass ILLEGAL. Mee mer wësse jo, wéi den Hues leeft.

  • Jang den Nettblannen am 05.06.2020 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    kolonial Vergangenheet Waat ee Blödsinn. Domatt kann een déi Fraa nett méi eecht huelen