Sorgerecht nach dem Ehe-Aus

08. Mai 2014 07:30; Akt: 08.05.2014 07:52 Print

Benachteiligt die Justiz geschiedene Väter?

LUXEMBURG - Weil die Kinder oft nach der Scheidung bei ihrer Mutter bleiben, sind viele Väter mit der Situation unzufrieden. Sie machen nun auf Facebook ihrem Unmut Luft.

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Viele geschiedene und getrennt lebende Väter haben nach dem Beziehungs-Aus kaum Möglichkeiten, ihr eigenes Kind zu sehen. (Bild: DPA)

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Michel (Name von der Redaktion geändert) ist verärgert. Seitdem er sich im Januar offiziell von seiner Partnerin getrennt hatte, hat er seine drei Kinder nicht mehr gesehen. «Meine Ex will nicht, dass ich mich mit den Kindern treffe», beschwert sich der 36-Jährige.

Es handelt sich bei Michel um einen «konfliktträchtigen» Fall. Nun will der dreifache Vater etwas dagegen tun: Er hat eine Gruppe auf Facebook gegründet. «SOS papa Luxembourg» heißt sie und hat zum Ziel, die Rechte der geschiedenen oder getrennt lebenden Väter zu stärken. Rund 200 Mitglieder haben sich bereits angemeldet. Sie protestieren gegen die Tatsache, dass die Kinderbetreuung öfter der Mutter anvertraut wird und seltener dem Vater.

Rechte der Väter stärken

«Ich habe die Gruppe gegründet, weil ich mich alleine in meinem Kampf gefühlt habe. Die Idee war, dass mehr Männer für ihre Rechte kämpfen können», berichtet Michel. «Ich will ein kollektives Bewusstsein fördern, um zu sagen, dass die Kinder die beiden Eltern brauchen. Es ist nicht normal, wenn das Kind auf einen Elternteil verzichten muss», so Michel weiter.

Die tatsächliche Zahl der Betroffenen ist schwer zu ermitteln, da es keine Statistik in Luxemburg gibt, weder nach der Scheidungs- noch der Trennungsprozedur. Für die Kinder, die in einer Ehe geboren wurden, haften zum Moment der Scheidung und bis das Gerichtsurteil ausgesprochen wird beide Eltern. Um außereheliche Kinder muss sich nach dem luxemburgischen Gesetz hingegen die Mutter kümmern, bis das Gericht die Entscheidung trifft.

Gerichtsprozeduren oft zu lang

Dieses Gesetz war bereits 1999 vom Verfassungsgericht verabschiedet worden. Seitdem änderte sich nichts an der Gesetzgebung. Vor allem Väter empfinden die Prozeduren oft als zu lang, wie ein Luxemburger Anwalt berichtet. «Beim Bezirksgericht in Luxemburg arbeitet nur ein Richter, der auf die Trennung von nicht verheirateten Eltern spezialisiert ist», sagt er.

Bis zu sechs Monate können zwischen dem Einreichen der Dokumente und dem Prozessbeginn vergehen. Kommen dazu eventuelle Streitigkeiten, so kann das Warten auf ein definitives Urteil mehrere Jahre dauern. Die Väter bleiben im Laufe dieser Zeit von ihren Kindern getrennt.

Felix Braz kündigt Reformen an

Bernard (Name von der Redaktion geändert) will seine Erfahrung mit den anderen Gruppenmitgliedern teilen. Sein juristischer Kampf dauert bereits seit vier Jahren. In diesen vier Jahren konnte er kein einziges Mal seine Tochter sehen, weil die Mutter sie ihm nicht anvertrauen will - und das obwohl das Gericht zu seinem Gunsten entschieden hat. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

Bernard will nun auf die Langsamkeit des Justizsystems in Luxemburg aufmerksam machen: «Ich will, dass diejenigen, die Gesetze schreiben, sich der Dringlichkeit der Sache bewusst sind.»

Kurz nach seinem Amtsantritt hatte Justizminister Felix Braz (déi gréng) angekündigt, mehrere Reformen in Angriff zu nehmen, die unter anderem die Situation um Kinderbetreuung bei geschiedenen Eltern verbessern sollen. Neben einer kürzeren Dauer der Gerichtsprozeduren plant der Minister ebenfalls, eine Ehescheidung wegen Fehlverhaltens, die in Luxemburg gilt, abzuschaffen.

(Joseph Gaulier/L'essentiel)

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