Hochhaus-Inferno von London

26. Juni 2017 12:26; Akt: 27.06.2017 07:13 Print

Brand-​​Fassade wird auch in Luxemburg verkauft

LUXEMBURG - Fast 80 Menschen starben, als der Londoner Grenfell Tower in Flammen aufging. Leicht brennbare Verkleidungen werden auch im Großherzogtum eingesetzt.

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Die Bilder des brennenden Hochhaus in London gingen um die Welt. 79 Menschen starben, als am 14. Juni der Grenfell Tower in London brannte. Eine Kühl-Gefrierkombination war in Brand geraten. Die leicht brennbare Fassade aus synthetischen Dämmstoffen dürfte zum Inferno beigetragen haben. «Wenn dieses Material in einem Hochhaus verbaut wird, ist ein Brand für die Feuerwehr kaum noch beherrschbar», sagte ein deutscher Feuerwehr-Experte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Ähnliche Materialen – es handelt sich um Polyethylene, Polystyrole (Styropor) und Polyurethane – sind auch in Luxemburg weit verbreitet, und das, obwohl sie leicht entzündlich sind. Laut Experten werden diese Erdölderivate seit zwei Jahrzehnten am Bau eingesetzt, weil sie billig sind und gut isolieren. Die Materialien werden oft direkt an die Gebäudestruktur geklebt. Wenn ein Haus abgerissen wird, ist es fast unmöglich, die Stoffe vom Holz oder Beton zu trennen. Alles muss als Sondermüll entsorgt werden.

Türme auf dem Kirchberg nicht gefährdet

Problematisch sind diese Stoffe vor allem bei Hochhäusern, weil sich Brände dort durch den Kamineffekt rasch ausbreiten können. Die wenigen Hochhäuser, die in Luxemburg – genauer gesagt auf dem Kirchberg – stehen, sind allerdings nicht gefährdet. «In den Türmen auf dem Kirchberg wurden nichtbrennbare Dämmstoffe wie zum Beispiel Glaswolle verwendet», sagt Marc Mamer, Präsident des nationalen Feuerwehrverbands. Zudem verfügten diese Gebäude über moderne Brandschutz- und Evakuierungssysteme.

Verhältnisse wie in England herrschen in Luxemburg demnach nicht. Auf der Insel gibt es bis jetzt kein Verbot der leicht brennbaren Dämmstoffe für Hochhäuser. «Bei normalen Wohnhäusern unter einer gewissen Bauhöhe ist eine Evakuierung der Bewohner normalerweise kein Problem, auch im Falle, dass die Fassade brennt. In London kam noch erschwerend hinzu, dass Notausgänge und ein Sicherheits-Treppenhaus gefehlt haben», sagt Mamer.

Moderne Isolierungen bereiten den Luxemburger Brandschützern durchaus Probleme. «Es kann schon einmal vorkommen, dass ein Brand über Tage lodert», sagt der Feuerwehrpräsident und verweist auf das jüngste Feuer in einer Maison Relais in Bettendorf. «Wir müssen uns definitiv auf neue Situationen einstellen.» Mamer ortet auch ein Problem bei stromproduzierenden Sonnenkollektoren: «Die Anlagen stehen ständig unter Strom, bei einem Brand kann das für unsere Männer gefährlich werden.» Einmal mehr fordert Marc Mamer einheitliche Brandschutzvorschriften, die für ganz Luxemburg gelten. Bislang werden diese Regeln meist von den Gemeinden ausgearbeitet.

(jt/ehs/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Moriarty am 26.06.2017 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    ...ein gutes Geschäft...! Wenn man also schon ein kleines (grosses) Vermögen hinblättern muss, um sich ein Energie-klasse A++ Haus zu leisten, wird es später, beim Abriss oder Renovation noch mal richtig teuer, denn wie steht es im Artikel:"Wenn ein Haus abgerissen wird, ist es fast unmöglich, die Stoffe vom Holz oder Beton zu trennen. Alles muss als Sondermüll entsorgt werden." Dann muss man ein Darlehen bei einer Bank anfragen, um das Haus abzureissen...Ja, Danke, Wunderbar!!

  • armand am 26.06.2017 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hier in Luxemburg ist das sowieso scheißegal die Regierung bestimmt das diese Materialien gut sind da kam nie was passieren und wenn das dann trotzdem passiert Sind die Hausbewohner die daran schuld sind die Regierung hat alles richtig gemacht auch wens Sondermühl ist

  • Kassandra am 27.06.2017 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    Seit 1. Januar 2017 ist hier bei Neubauten Passivhausnorm Pflicht. Das bedeutet in der Regel, dass 30 Zentimeter Styopor auf die Fassade geklebt wird. Styropor wurde im vergangenen Jahre in Deutschland kurzfristig zu Sondermüll erklärt, da es einen Brandverzögerer (!!!!) enthält, der toxisch ist. Doch das stört im kleinen Luxemburg, wo die Wirtschaft, sprich in diesel Fall die grossen Bauunternehmen die Normen prägen, nicht. Im Dezember reagierte die grüne Umweltministerin ausweichend auf eine parlamentarische Anfrage. Dabei könnte man auch hierzuland erneuerbare Dämmmaterialien fördern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • brandnei a brandgeféiërlëch am 27.06.2017 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ons Regierung weess ganz genee, wéih geféierlech an ëmweltschiëdlech déih Fassaden sin, sie hu jo schon verbuëden Feier am Freien unzefänken a präparéieren Bauschuttdeponiën uëchter d'ganz Land! ... an dofir ass et onverantwortlëch, dat déih Fassaden nach quietschfidel iwerdeiert verkaaf an ugebueden gin, besonneg geféierlech och bei Reihenhaiser, an net no Alternativen gesicht gëtt. Dat bëllëgst ass jo gudd genuch fir den dommen Client, den souwisou just iwer d'Ouer gehaën gëtt a fir en Haus aus bëllëgem Sondermüll e ganzt Liëwen kann schaffe goën ...

  • Kassandra am 27.06.2017 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    Seit 1. Januar 2017 ist hier bei Neubauten Passivhausnorm Pflicht. Das bedeutet in der Regel, dass 30 Zentimeter Styopor auf die Fassade geklebt wird. Styropor wurde im vergangenen Jahre in Deutschland kurzfristig zu Sondermüll erklärt, da es einen Brandverzögerer (!!!!) enthält, der toxisch ist. Doch das stört im kleinen Luxemburg, wo die Wirtschaft, sprich in diesel Fall die grossen Bauunternehmen die Normen prägen, nicht. Im Dezember reagierte die grüne Umweltministerin ausweichend auf eine parlamentarische Anfrage. Dabei könnte man auch hierzuland erneuerbare Dämmmaterialien fördern.

  • recherche, recherche am 26.06.2017 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    "Die wenigen Hochhäuser, in Luxemburg – genauer gesagt auf dem Kirchberg " ???? Lieber Schreiberling, fahre er doch mal nach Belval, oder gehe er zu Fuss von der Redaktion nach Differdingen Zentrum ( sind zwar nur 10 Stockwerke aber....)

  • Moriarty am 26.06.2017 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    ...ein gutes Geschäft...! Wenn man also schon ein kleines (grosses) Vermögen hinblättern muss, um sich ein Energie-klasse A++ Haus zu leisten, wird es später, beim Abriss oder Renovation noch mal richtig teuer, denn wie steht es im Artikel:"Wenn ein Haus abgerissen wird, ist es fast unmöglich, die Stoffe vom Holz oder Beton zu trennen. Alles muss als Sondermüll entsorgt werden." Dann muss man ein Darlehen bei einer Bank anfragen, um das Haus abzureissen...Ja, Danke, Wunderbar!!

  • armand am 26.06.2017 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hier in Luxemburg ist das sowieso scheißegal die Regierung bestimmt das diese Materialien gut sind da kam nie was passieren und wenn das dann trotzdem passiert Sind die Hausbewohner die daran schuld sind die Regierung hat alles richtig gemacht auch wens Sondermühl ist