Gleichheit in Luxemburg

08. März 2021 10:00; Akt: 08.03.2021 10:02 Print

«Die 50er-​​Jahre-​​Klischees sind noch immer da»

LUXEMBURG – Taina Bofferding (LSAP), Ministerin für die Gleichstellung von Frauen und Männern, spricht über die Herausforderungen in Bezug auf die Rechte der Frauen.

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Taina Bofferding, Ministerin für die Gleichstellung von Frauen und Männern. (Bild: Editpress/Julien Garroy)

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l'essentiel: Wie hat sich die Rolle der Frau durch die Gesundheitskrise entwickelt?

Taina Bofferding: Frauen waren im ersten Lockdown viel eher als die Männer für Haushalt und Kindererziehung zuständig. Das zeigt, dass die Klischees der 50er-Jahre noch immer da sind und drohen, zurückzukehren. Die Pandemie ist eher ein Nachteil für die Frauen. Sie könnte 25 Jahre Fortschritt zunichte machen.

Was muss getan werden, um den Wert der Arbeit von Frauen zu erhöhen?

Zunächst muss sichergestellt werden, dass sie nicht in prekäre Situationen geraten. Es ist auch notwendig, die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf durch flexible Arbeitszeiten zu fördern oder Väter stärker zu motivieren, Elternzeit zu nehmen.

Ist dies durch Präventionskampagnen oder Gesetze geschehen?

Wir müssen Frauen und Männer über ihre Rechte informieren. Manchmal müssen wir verbindlichere Maßnahmen ergreifen durch das Gesetz. Zum Beispiel ist die Lohngleichheit im Arbeitsgesetzbuch verankert.

Wie können wir Lohnungleichheiten ausmerzen?

Unser Ministerium bietet das Programme an, die dazu dienen, das Prinzip der Gleichberechtigung im Unternehmen zu verankern. Es ist eine Bestandsaufnahme geplant, bevor ein Aktionsplan für konkrete Maßnahmen ausgearbeitet wird. Das ist eine Arbeit, die mit den betroffenen Partnern gemeinsam durchgeführt wird.

Gibt es Hindernisse beim Abbau dieser Ungleichheiten?

Manchmal herrscht immer noch die Mentalität, dass es besser ist, eine weniger ausgewogene Verteilungen zu haben, mit den alten Stereotypen. Aber wenn sich die Gesellschaft weiterentwickelt, müssen andere Antworten gegeben werden. Frauen wollen sich nicht mehr nur um die Kinder kümmern, sondern auch am Wirtschaftsleben teilhaben.

Was sind heute die ersten Rechte, die man einfordern kann?

Belohnung, Respekt, bessere Vertretung in Vorständen. Ich möchte, dass Frauen die gleichen Karrieren wie Männer verfolgen können. Wir haben auch einen abteilungsübergreifenden Ausschuss für Gewalt und häusliche Gewalt. Die Idee ist, den rechtlichen Rahmen zu stärken, insbesondere in Bezug auf Online-Belästigung.

Wie können wir mehr Frauen für die Politik gewinnen, um die Repräsentativität zu verbessern?

Es wurde bereits eine 40-Prozent-Quote für Listen bei Parlaments- und Europawahlen eingeführt. Das reicht aber nicht aus. Wir müssen auch das Potenzial und die Fähigkeiten von Frauen hervorheben und sie als echte Experten präsentieren. Es muss gezeigt werden, dass auch Frauen sich in der Politik engagieren können.

(Joseph Gaulier/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kaa am 08.03.2021 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fraen stinn sech daks selwer an den Féiss...

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  • Immer das gleiche am 08.03.2021 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich hör immer GLEICHSTELLUNG DER FRAUEN. Was ist mit den Männer? Wieso darf man immer noch den Vätern die Kinder vorenthalten und damit die GLEICHSTELLUNG DER MÄNNER verhindern? Darauf hätte ich gerne eine Antwort von dieser Ministerin.

  • Pablo am 09.03.2021 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Die eigentliche Aufgabe der Frau entsprach dem ideologischen Bild der „guten Hausfrau“. Sie sollte viele Kinder bekommen, für ihren Mann leben und seine Wünsche erfüllen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Leonie am 09.03.2021 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Léif Fraen déi do demontréieren an eventuell Kanner hunn : wou sinn är Kanner dee Moment? Vläicht versuergt vum Papp asw? Besser wier ze demonstréieren wéi een et an de Famillje kéint besser gemaach kréien, jo och finanziell, egal wie schaffe geet (Papp oder Mamm). Dir verlaangt Rechter fir ons, dat ass jo ok., ma vill vun iech wëllen och eng Familljen. Wéi geet dat iwwereneen?

  • Pablo am 09.03.2021 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Die eigentliche Aufgabe der Frau entsprach dem ideologischen Bild der „guten Hausfrau“. Sie sollte viele Kinder bekommen, für ihren Mann leben und seine Wünsche erfüllen.

    • Cougar-club am 09.03.2021 11:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Pablo: Die Hausfrau ist eine vielfälltige Managerin. Schon in der Steinzeit organisierte sie die Familienplanung - da der stärkere Partner damals für die Nahrung sorgte und auf die Jagd ging - nahm er die Gefahr in Anspruch. Heute will sie beides - kriegt es irgendwie nicht so hin - also müssen die Kinder dran glauben, weil der Vater schon längst ausgeckelt wurde. Heute gibt es quasi in jedem Dorf eine Kinderstätte. Väter d¨rfen ihre Sp¨sslinge dann sehen wenn Mama auf die Jagd geht.

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  • sputnik am 09.03.2021 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eines der besten Beispiele für die Gleichberechtigung der Frau ist das komplette Versagen der Frau Von der leyen . Und derer gibst sogar bei uns zulande in der Politik wie privat . Nicht alles was glänzt ist Gold und Schönheit vergeht und die Dummheit bleibt bestehen. Im übrigen zählt das auch für so manches männliche Geschlecht in diesen Zeiten der Pandemie.

  • Meinung am 08.03.2021 19:44 Report Diesen Beitrag melden

    Quoten sind zwar gut, jedoch fraglich. Warum hat noch keine Frau es geschafft eine Frauenpartei zu gründen, ach ja Quote, dann müssten wir ja umgekehrt verfahren, Männerquote. Was gleicher Lohn für gleiche Arbeit angeht, sollte schon das gleiche Gehalt gezahlt werden, nur eine Unbekannte bleibt, als Arbeitgeber zahle ich trotzdem, dem Arbeitnehmer mehr, der effizienter, besser und mehr Leistung bringt, ob Frau oder Mann. An der Spitze zum führen, sollte nicht die Quote eine Rolle spielen, jedoch der am fähigsten ist und hier sollte Vetternwirtschaft eher unterbunden werden.

  • JP La Garde am 08.03.2021 19:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ech sin och vier d'Glaichberechtegung vun den Fraen, dass se endlech méi präsent sin am Strossenbäu, Gerüstenbäu, Müllabfuehr ect ann dass bei enger Schedung net di arme Frah d'Kanner 2 Wochen huet ann den Mann nemmen all 2ten week-end :)