Coronavirus in Luxemburg

15. Juli 2020 14:54; Akt: 15.07.2020 15:09 Print

Die neuen Infektionszahlen sind «alarmierend»

LUXEMBURG – Die Infektionszahlen sind seit einigen Tagen wieder in einen beunruhigenden Bereich vorgedrungen. Xavier Bettel und Paulette Lenert äußerten sich am Mittwoch zur Lage.

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Eines stellte Xavier Bettel bei der Pressekonferenz, die im Anschluss an die Sitzung des Regierungsrates stattfand, vorneweg klar: Luxemburg befindet sich in Sachen Coronavirus in einer «besonderen Situation» – nicht nur wegen seiner flächendeckenden Tests, sondern auch wegen seiner vielen Grenzgänger.

Die hohen Fallzahlen, die in den vergangenen Tagen erfasst wurden, müssten zwar in Relation zur Teststrategie des Landes gesehen werden, allerdings seien die Infektionszahlen in Luxemburg derzeit wieder hoch. Auch die Lockerungen spielten dabei eine Rolle. «Die Zahlen alarmieren aber sie schockieren nicht», sagte Bettel. Eine exponentielle Entwicklung sei derzeit zwar nicht festzustellen, allerdings sei auch der aktuelle lineare Anstieg besorgniserregend.

Was die jüngsten Entscheidungen im Ausland angeht, erklärte der Staatschef, dass die Regierung in engem Kontakt zu den Entscheidungsträgern stehe, um die Situation im Großherzogtum darzulegen. «Die Informationen aus den Nachbarländern waren in den letzten Stunden widersprüchlich. Ich erfahre leider vieles auch zuerst aus der Zeitung», sagte Bettel. Die Lage verändere sich derzeit sehr schnell, Außenminister Asselborn stehe in ständigem Kontakt. Für Luxemburger, die im benachbarten Ausland Urlaub machen wollen, bestehe die Möglichkeit für einen Test. «Einkaufsfahrten nach Trier sind damit nicht gemeint», betonte der Premier.

Weitere Maßnahmen am Sonntag?

Das Large-Scale-Testing bezeichnete der DP-Politiker als «Schlüssel, um Infektionsketten rasch zu durchbrechen.» Das Land teste nicht nur viel, sondern auch schnell. «In anderen Ländern wird erst getestet, wenn Symptome auftreten, oder wenn die Menschen bereits schwer krank sind», so Bettel.

Im Hinblick auf die kommenden Tage und Wochen, sei das neue Covid-19-Gesetz ein wichtiges Werkzeug, um die Lage kontrollieren zu können. Die Einhaltung der Abstandsregeln, das Tragen einer Maske und die sonstigen Hygienemaßnahmen seien kein «Luxus», sondern ein weiterhin notwendiger «Akt der Solidarität». Sollte sich die Lage des Landes weiterhin in die falsche Richtung entwickeln, sei am Sonntag eine weiteres Zusammenkommen des Regierungsrates geplant, um gegebenenfalls weitere Maßnahmen zu beschließen.

Grenzgänger fallen aus der Statistik

Auch Gesundheitsministerin Lenert verteidigte im Anschluss die Teststrategie des Großherzogtums. Es sei normal, dass die Infektionszahlen dadurch höher ausfallen, als in anderen Ländern, in denen weniger getestet wird. Dort gebe es nicht weniger Infektionen, sondern lediglich eine höhere Dunkelziffer. Weil in Luxemburg auch die positiv getesteten Grenzgänger in die Statistik fließen, würden die Zahlen hierzulande «künstlich aufgebläht». Deshalb werden die Grenzgänger ab sofort nicht mehr bei den täglichen Zahlen-Updates angegeben. Die Neuinfektionen würden nun aber nach den Kantonen aufgeschlüsselt.

Vom 7. Juli bis zum 12. Juli wurden in Luxemburg 402 neue Corona-Fälle gezählt. Die Neuinfizierten seien im Durchschnitt 35 Jahre alt. Zwei von drei zeigten Symptome, das Risiko im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, sei allerdings niedrig. Der Nachteil sei, dass jüngere Patienten mehr soziale Kontakte haben und das Virus eher verbreiten. Aufgrund der hohen Anzahl der Tests sei es zuletzt in den Laboren zu Engpässen gekommen, wie Lenert erklärte. Die Regierung wolle deren Betreiber nun unterstützen, um weitere Kapazitäten zu schaffen.

«Lasche» Maßnahmen in Luxemburg

Die häufigsten Infektionen habe es in den vergangenen Tagen im privaten Bereich gegeben. Lenert nannte Geburtstagsfeiern und Familienfeste als Beispiele häufige Infektionsherde – große Partys seien weniger das Problem. «Deshalb ist es wichtiger denn je, die Hygienemaßnahmen auch im Privaten einzuhalten, auch bei Treffen mit wenigen Personen», so die Gesundheitsministerin. Ansteckungen in Unternehmen seien weniger häufig erfasst worden. «Viele Betrieben halten sich perfekt an die Regeln», sagte Lenert. In sechs Fällen hätten Unternehmer aber eine Geldstrafe in Höhe von 8000 Euro erhalten, weil die Auflagen nicht eingehalten wurden. In diesem Bereich wolle die Regierung auch künftig «hart durchgreifen».

Die Maßnahmen, die Regierung zur Eindämmung des Virus ergriffen haben, seinem im internationalen Vergleich in Luxemburg «eher lasch». Dafür sei ein diszipliniertes Verhalten der Bevölkerung die Voraussetzung. Der Einführung einer Tracing-App erteile Bettel weiterhin eine Absage: «Für das analoge Tracing ist sie kein Ersatz. Sie ist auch kein Wundermittel gegen das Virus», so Bettel.

(sw/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Meinung am 15.07.2020 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Also klar ust, wir muessen leiden, da unsere Regierung ohne Dunkelziffer fahren will. Ist das der richtige Weg? Hinzu kommt dass ein Kochinstitut, ein paarmal den R Faktor angepasst hat, damit Deutschland gut steht. Wenn ich mich richtig erinnere, wollte Bayern und noch ein Bundesland, ihre Bevoelkerung auch ganz testen, ich glaube der Minister Spahn war dagegen, wohl angst dass die Zahlen vom R Faktor nicht mehr gehalten werden kann.

  • Léon am 15.07.2020 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    Arrêtez de tester les frontaliers c’est le problème de leurs pays, ci moi je me présente comme luxembourgeois ( pour faire un test )les pays frontaliers vont me dire d’aller me faire tester au Luxembourg .Bettel arrêter de lapider l’argent du contribuable luxembourgeois.

  • Julie am 16.07.2020 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt fallen die Grenzgänger aus der Statistik, das ist also möglich ? wieso hat man damit gewartet bis unser Land bereits als Risikoland gelistet wurde, das Kind liegt bereits im Brunnen, Bettel überlegt jetzt ob ein Deckel drauf kommt oder nicht, man macht jetzt einfach weiter so für neue Massnahmen sei es noch zu früh !? Dies war der Gnadenschuss für die ganze Tourismusbranche und nicht nur. Vorerst gefeiert für das gute Krisenmanagement kommt jetzt der Kater

Die neusten Leser-Kommentare

  • Wat soll dat? am 16.07.2020 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Dofir huet Esch jo och nach den 14 Juillet deck gefeiert. Den éegenen Nationalfeierdaag ennert den Desch kieren, den fr Nationalfeierdaag déck opféieren an sech dann wonneren wann Alles den Virus huet am Süden.

  • Julie am 16.07.2020 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt fallen die Grenzgänger aus der Statistik, das ist also möglich ? wieso hat man damit gewartet bis unser Land bereits als Risikoland gelistet wurde, das Kind liegt bereits im Brunnen, Bettel überlegt jetzt ob ein Deckel drauf kommt oder nicht, man macht jetzt einfach weiter so für neue Massnahmen sei es noch zu früh !? Dies war der Gnadenschuss für die ganze Tourismusbranche und nicht nur. Vorerst gefeiert für das gute Krisenmanagement kommt jetzt der Kater

  • Sylvie am 15.07.2020 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    "Luxemburg befindet sich in Sachen Coronavirus in einer «besonderen Situation» – nicht nur wegen seiner flächendeckenden Tests, sondern auch wegen seiner vielen Grenzgänger", Xavier Bettel hat recht, bei über 204.000 Grenzgänger die hier in Luxembourg arbeiten und sich hier testen lassen, fällt das schon ins Gewicht. Bei den Zahlen von gestern waren das knapp 18%. Wobei diese Menschen nicht mal in Luxemburg wohnen!!

  • Meinung am 15.07.2020 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Also klar ust, wir muessen leiden, da unsere Regierung ohne Dunkelziffer fahren will. Ist das der richtige Weg? Hinzu kommt dass ein Kochinstitut, ein paarmal den R Faktor angepasst hat, damit Deutschland gut steht. Wenn ich mich richtig erinnere, wollte Bayern und noch ein Bundesland, ihre Bevoelkerung auch ganz testen, ich glaube der Minister Spahn war dagegen, wohl angst dass die Zahlen vom R Faktor nicht mehr gehalten werden kann.

  • Roger 25 am 15.07.2020 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie wäre mit der Wahrheit?