Uhu, Falke und Co.

17. Februar 2020 17:20; Akt: 17.02.2020 17:27 Print

Diese Wildtiere kehren zurück nach Luxemburg

LUXEMBURG – Sie galten bereits als ausgestorben. Jetzt feiern einige Arten im Großherzogtum ihr Comeback. Ein Lichtblick in einer sonst düsteren Entwicklung.

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Seit dem Beginn der Industrialisierung hat der Mensch die Zerstörung der Natur immer weiter vorangetrieben. Autobahnen, Gewerbegebiete, Siedlungen und die moderne Landwirtschaft sorgen auch in Luxemburg dafür, dass der Lebensraum von Tieren und Pflanzen immer kleiner wird. Lässt der Mensch es zu, ist die Natur jedoch in der Lage, Teilbereiche zurückzuerobern. Das zeigt das Luxemburger Naturschutzsyndikat Sicona, das nun einige Tierarten vorstellt, die im Großherzogtum bereits als ausgestorben galten.

«Diese Tierarten sind hierzulande nicht nur wegen des fehlenden Lebensraums, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen verschwunden. Dass sie sich nun wieder niederlassen, zeigt, dass Schutzmaßnahmen erfolgreich sein können», erklärt Fernand Schoos von Sicona.

Der Graureiher

Weil Angler den Graureiher als Konkurrenten ansahen, wurde er systematisch vom Menschen verfolgt. Vor rund 40 Jahren wurde die Jagd auf die Vögel schließlich verboten. Nach und nach ist die Population im Großherzogtum wieder gewachsen. Heute leben wieder zwischen 60 und 70 Graureiherpaare in Luxemburg.

Der Wanderfalke

Der Wanderfalke ist das schnellste Tier der Erde. Im Sturzflug erreichen die Vögel Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 320 Stundenkilometern. Und genau diese Fähigkeit wurde der Vogelart zum Verhängnis. Sie ist schnell genug, um Tauben zur Strecke zu bringen. Brieftaubenzüchtern war das ein Dorn im Auge, sie jagten die Falken. Außerdem ließ der Einsatz des Insektizids DDT in den 60er-Jahren den Bestand weiter schrumpfen, sodass sie komplett von der Bildfläche verschwanden. Doch auch die Wanderfalken sind zurück: Mittlerweile leben wieder 20 bis 30 Exemplare in Luxemburg.

Der Uhu

Der Uhu, aber auch der Steinkauz, fielen vorrangig dem Aberglauben der Menschen zum Opfer. Eulenarten galten als Unglücksboten. Man sagte, ihr Ruf kündige den Tod an. In den 30er-Jahren galten Uhus als ausgestorben. Nun zählt die Population wieder 40 Tiere.

Der Biber

Mehr als 200 Jahre lang galt der Biber in Luxemburg als ausgestorben. Er wurde wegen seines Pelzes ausgerottet. Seit etwa zehn Jahren ist wieder ein kleiner Bestand in Luxemburg heimisch. Im vergangenen Jahr waren 39 Plätze bekannt, an denen der Biber vorkommt.

Der Schwarzstorch

Der Schwarzstorch brütet im Gegensatz zum Weißstorch in Büschen. Er kommt in Feuchtgebieten vor, reagiert aber sehr sensibel auf Störungen in seinem Lebensraum, bricht teilweise schon bei kleinen Störungen durch den Menschen die Brut ab. Mittlerweile breitet sich die Art wieder stark von Osteuropa in Richtung Westen aus. Rund ein Dutzend Paare lassen sich in den Sommermonaten in Luxemburg nieder.

Der Kolkrabe

Der Kolkrabe ist nach dem Zweiten Weltkrieg ausgestorben. Ihm wurde nachgesagt, frisch geborene Lämmer und Kälber zu töten. Erst 2011 wurde wieder ein Nest gefunden. Seither hat sich hierzulande eine kleine Population aufgebaut, die wieder wächst.

Der Wolf

Das Raubtier lebte einst in ganz Europa – bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auch in Luxemburg. Jäger sahen ihn nicht nur als Konkurrenten an, er galt auch als für den Manschen gefährlich. In großen Teilen Frankreichs und Deutschlands hat er sich in den letzten Jahren wieder angesiedelt. Auch in Luxemburg wurden in den vergangenen Monaten Einzeltiere gesichtet. Ein Rudel, das sich im Großherzogtum vermehrt, gibt es allerdings noch nicht.

Ist also alles gut? Nein. Diese Tierarten zählen nach Ansicht von Fernand Schoos zu den «wenigen Gewinnern» der sich ändernden Umwelt. In Luxemburg sei der Artenreichtum sehr hoch gewesen. «Obwohl unser Land so klein ist, hat es viele Tierarten einen geeigneten Lebensraum geboten, weil es viele unterschiedliche Landschaften gibt», sagt Schoos. Allerdings stünden diese unter zunehmender Bedrängnis. Schoos' Ausblick ist düster: «Der Druck auf die Tier- und Pflanzenwelt ist sehr hoch. Die Urbanisierung wird auf der gesamten Fläche des Landes vorangetrieben, Kompensationsmaßnahmen werden viel zu langsam ergriffen. Die Abwärtsspirale ist wohl nicht zu stoppen. Fast alle Arten und Habitate sind davon betroffen.» Besonders gilt das für Arten, die in ganz Europa zurückgehen: Insekten sowie Arten, die in offenen Landschaften und Feuchtgebieten vorkommen.

Dabei wäre etwa eine Rückkehr des Wolfes von unschätzbarem Wert. «In Luxemburg gibt es derzeit rund drei bis vier Mal so viele Rehe, wie die Wälder vertragen. Eine Verjüngung der Wälder, auch im Sinne der CO2-Bilanz, ist kaum möglich, da die Tiere die jungen Bäume sofort kahlfressen. » Der Wolf wäre hier eine natürliche Lösung des Problems.

(Sebastian Weisbrodt/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Niemand am 17.02.2020 21:33 Report Diesen Beitrag melden

    . . . und werden demnächst von Jägern verjagt.

  • Iris Gläser am 17.02.2020 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das sind doch mal gute Nachrichten! Liebe Mitleser, bitte lasst uns alle was für unsere Tiere tun: Nistkästen aufhängen, bienenfreundliche Blumen pflanzen und im Winter die Vögel füttern. Wenigstens ein bisschen können wir alle tun.

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  • Julie am 17.02.2020 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Jäger wird diese gute Nachricht besonders erfreuen, Prost

Die neusten Leser-Kommentare

  • Guy Michels am 18.02.2020 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn der arme Wolf dem luxembourger Immobilien-Wolf begegnet, ist er schnell wieder ausgestorben.

  • Pit Meier am 18.02.2020 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Als Ausgleich häckseln wir demnächst Rotmilane und andere Greifvögel mit Windrädern wie z.B. in Dalheim.

  • Niemand am 17.02.2020 21:33 Report Diesen Beitrag melden

    . . . und werden demnächst von Jägern verjagt.

  • Iris Gläser am 17.02.2020 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das sind doch mal gute Nachrichten! Liebe Mitleser, bitte lasst uns alle was für unsere Tiere tun: Nistkästen aufhängen, bienenfreundliche Blumen pflanzen und im Winter die Vögel füttern. Wenigstens ein bisschen können wir alle tun.

    • svendorca am 18.02.2020 10:42 Report Diesen Beitrag melden

      Iris,..das bisschen,.darüber freut sich seit 6 Monate eine Füchsin mit ihren kleinen (4) die jeden Tag bei der Bomi vorbeischauen ob auch was im Topf ist,..ob nun altes Brot, Gemüse oder Fleisch/Knochen, man tut das essen was im Topf ist..bei uns finden Vögel, Katzen, oder jede art von Tieren was zum essen, es wird nichts weggeschmissen...

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  • Julie am 17.02.2020 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Jäger wird diese gute Nachricht besonders erfreuen, Prost