Amy Thompson

08. Mai 2018 07:55; Akt: 08.05.2018 08:05 Print

Eine Vorreiterin für den Luxemburger Frauenfußball

LUXEMBURG – Eigentlich wollte Amy Thompson nicht mehr im Großherzogtum spielen. Jetzt greift die ehemalige Nationalspielerin doch noch mal an – und möchte einiges bewegen.

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Enttäuschung. Wut. Verletzter Stolz. Es nagt immer noch an Amy Thompson. Die Luxemburger Fußballerin versucht erst gar nicht, es zu verstecken. «Ich werde nie wieder in Luxemburg Fußball spielen.» Das sagte die 23-Jährige schon direkt nach der Rückkehr aus den USA vor eineinhalb Jahren. Dort hatte sie mit ihrer Uni-Mannschaft in der Uni-Liga für Furore gesorgt und wurde von der Hochschule zur Spielerin des Jahres gekürt. Interessiert hat das in ihrer Heimat nicht viele. «Das ist schon bitter. Da vertritt man Luxemburg im Ausland und zeigt, dass man auch hier Fußball spielen kann. Und zum Dank gerät man in Vergessenheit», erzählt Thompson im Gespräch mit L'essentiel. Das konnte sie lange nicht akzeptieren. Und deswegen wollte sie auch nie wieder im Großherzogtum spielen.

Doch die Bitterkeit von damals ist ein wenig aus ihrer Stimme gewichen. Die Liebe zum Fußball ist doch größer als ihr Ego. Denn die ehemalige Nationalspielerin hat sich nun doch dazu durchgerungen, wieder für ihren Heimatverein Progrès Niederkorn aufzulaufen. Ein langer Prozess der Verarbeitung findet damit sein Ende. «Ich hatte vor der Saison 2017/18 Gespräche mit Trainer Steve Senisi und bin als Co-Trainerin eingestiegen», erzählt die Offensivspielerin. Ihr einzige Bedingung damals: Sie will auf keinen Fall spielen. Niemals. Unter keinen Umständen.

Es juckt wieder in den Füßen

Diese scheinbar unumstößliche Entscheidung hat Thompson nun verworfen. Bereits im Februar hat sie bei zwei Freundschaftsspielen ihres Clubs mitgemacht. Das Kribbeln kehrte zurück. «Zuerst kam der Vater unserer Kapitänin zu mir. Ich soll doch bitte wieder spielen. Dann folgten immer mehr Spielerinnen», erzählt die Rechtsfüßerin aus Niederanven, die von 2013 bis 2015 in der 2. Bundesliga für den 1. FC Saarbrücken auflief und dort zur Stammelf gehörte. Schließlich wollte sie sich der Verantwortung nicht mehr entziehen. Denn diese spürte sie immer mehr.

Amy Thompson hat am 28. April ihr Comeback in Luxemburg gegeben. Beim 3:1-Sieg über Schifflingen erzielte sie für Niederkorn ein Tor und bereitete eins vor. Doch sie will nicht nur wieder spielen. Sie will mehr als das. Sie will ein Vorbild sein. Eine Vorreiterin für den Luxemburger Frauenfußball. Denn der steckt hier immer noch in den Kinderschuhen. «Wir haben mittlerweile genug Spielerinnen. Aber die Strukturen sind immer sehr amateurhaft. Jeder Verein kocht sein eigenes Süppchen. Es fehlt ein Plan für das große Ganze», sagt Thompson. Daran hat auch der Fußballverband seinen Anteil. «Man redet immer so gerne von der tollen Jugendarbeit. Aber warum gilt das nur für Jungs? Was ist mit den Mädchen? Meiner Meinung nach macht der Verband hier viel zu wenig», kritisiert die Technikerin, die auch eine Fußballschule mitverantwortet.

Mit ihrer Rückkehr auf den Platz möchte Thompson etwas bewegen. «Vielleicht richten sich andere Spielerinnen an mir auf und sehen, was man mit Ehrgeiz und Fleiß erreichen kann», sagt sie in deutlich milderem Ton als zu Beginn des Gesprächs. Die Wut ist verraucht. Etwas Neues ist zu hören. Die Hoffnung auf Veränderung – Amy Thompson möchte ihren Teil dazu beitragen.

(Henning Jochum/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ed am 09.05.2018 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein für die Jungs gilt das Gleiche. Fussball in Luxemburger Vereinen kann man für alle Jugendliche vergessen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ed am 09.05.2018 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein für die Jungs gilt das Gleiche. Fussball in Luxemburger Vereinen kann man für alle Jugendliche vergessen.