Britischer Botschafter

31. Januar 2020 08:00; Akt: 31.01.2020 08:03 Print

«Es ist an der Zeit, die Spaltung zu überwinden»

LUXEMBURG/LONDON – Was passiert nach dem Brexit? Der britische Botschafter in Luxemburg beantwortet die wichtigsten Fragen im «L'essentiel»-Interview.

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John Marshall, britischer Botschafter in Luxemburg.

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Herr Marshall, was würden Sie sagen, sind sie Hauptgründe, die zum Brexit geführt haben?

John Marshall, britischer Botschafter in Luxemburg: Ich würde hier vor allem drei nennen. Zum einen die Einwanderung: Einige Menschen waren unzufrieden, wie sich ihre Gemeinden durch die Migration von EU-Bürgern verändert haben. 2015 und 2016 kam noch die sogenannte Flüchtlingskrise hinzu. Punkt zwei ist, dass sich einige Menschen durch die Globalisierung an den Rand gedrängt fühlten. Punkt drei ist die Unzufriedenheit mit den europäischen Institutionen. Viele Bürger wollten Souveränität zurückgewinnen.

Sie sind seit 2016 britischer Botschafter in Luxemburg. Das Referendum fand im Juni 2016 statt. Wie haben Sie die Brexit-Periode erlebt?

Ich habe alle Turbulenzen miterlebt. Seit den Parlamentswahlen 2019 gibt es aber wieder mehr Stabilität. In den letzten Tagen wurde viel Arbeit geleistet, um einen möglichen No-Deal abzufedern. Zum Glück ist es dazu nicht gekommen. Jetzt beginnt eine neue Phase der Verhandlungen über das zukünftige Verhältnis zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich.

Wie haben die Menschen in Großbritannien den Brexit aufgenommen?

Es geht ein Riss durch die Gesellschaft, das Parlament und die Familien. Jetzt ist es an der Zeit, diese Spaltungen zu überwinden und wieder zusammenzukommen. Ich denke, jetzt wo die endgültige Entscheidung getroffen ist, kann dieser Prozess beginnen.

Wie wird der Austausch zwischen dem Vereinigten Königreich und Luxemburg in Zukunft aussehen?

In der Botschaft werden wir auch in Zukunft mit den luxemburgischen Behörden über Fragen von gemeinsamem Interesse diskutieren – sei es über Außenpolitik, Klimawandel oder Finanzdienstleistungen – so wie wir es in der Vergangenheit getan haben. Aber künftig werden wir es eben nicht mehr als EU-Mitgliedstaat tun, sondern als Drittland. Wir könnten eine ähnliche Rolle haben wie die Botschaften der Vereinigten Staaten, Japans oder der Schweiz. Was den Handel zwischen den Privatsektoren – einschließlich des Finanzsektors – betrifft, müssen wir die Verhandlungen abwarten. Aber sowohl das Vereinigte Königreich als auch die EU wollen eine enge Handelsbeziehung beibehalten.

Glauben Sie, dass es bei der künftigen Vereinbarung einen Verlierer und einen Gewinner geben wird?

Wir hoffen auf ein Freihandelsabkommen, von dem beide Seiten profitieren. Nur, weil wir kein Mitglied der EU mehr sind, heißt das nicht, dass wir keine starke Partnerschaft aufbauen können. Ich bin optimistisch.

Welche finanziellen Auswirkungen wird der Brexit für die EU und das Vereinigte Königreich haben?

Die Verhandlungen über das zukünftige Verhältnis zwischen EU und Vereinigtem Königreich beginnen ja erst. Dazu kann man jetzt noch nichts sagen.

Brüssel und London haben sich auf eine Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2020 geeinigt. In dieser Zeit bleiben bestehende Regeln gültig. Trotzdem herrscht Unsicherheit...

Vor allem 2017 herrschte Unsicherheit über die künftigen Rechte. Dieses Kapitel wurde aber bereits im Dezember 2017 abgeschlossen. Schon in den ersten Monaten des Jahres 2018 gab es einen Gesetzestext, um die Rechte der Briten zu definieren. Wir sind auf einem guten Weg.

(Marine Meunier/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • chau.and.good.luck.gitana.romana am 31.01.2020 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    voila ... had been expecting it for a couple days ... juuuaaaaaaaaaasssssssssss !!!

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