Handygebühren

29. Januar 2015 15:10; Akt: 29.01.2015 16:04 Print

EU-​​Staaten blockieren Ende der Roaming-​​Falle

LUXEMBURG/BRÜSSEL - Handynutzer aus Luxemburg ärgern sich seit Jahren über Roaming-Gebühren. Ende 2015 sollten sie wegfallen - doch nun stockt das Projekt.

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Wer im Urlaub sein Handy benutzt, erlebt bei der Abrechnung oft eine böse Überraschung. Das wird sich wohl so schnell nicht ändern. (Bild: DPA)

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Für viele europäische Handynutzer ist es seit Jahren ein Ärgernis: Reist man mit dem Smartphone ins Ausland, fallen automatisch höhere Gebühren für Telefongespräche und die mobile Internetnutzung an. Besonders häufig tappen Einwohner von Luxemburg und der Großregion in die Handy-Gebührenfalle, weil sie schnell mal eine Grenze zu einem Nachbarland überqueren. Ende 2015 sollte es mit diesem Zustand eigentlich vorbei sein – doch einige EU-Mitgliedstaaten blockieren die Abschaffung der Roaming-Gebühren.

Die frühere EU-Kommissarin für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Viviane Reding (CSV), die sich seit 2007 gegen Roaming-Gebühren einsetzt, kritisiert die aktuellen Diskussionen im zuständigen EU-Ministerrat scharf. Gegenüber L'essentiel spricht die nunmehrige Europaparlamentarierin von einem «großen Fehler», sollte die Entscheidung weiter hinausgeschoben werden. «Es ist schlichtweg skandalös, dass sich die Industrie gegenüber der Politik durchgesetzt hat.» Es drohe nun eine jahrelange Blockade zwischen Europaparlament und dem Europäischen Rat. Ergebnis: «Der Roaming-Zuschlag wird wohl weiterhin bestehen bleiben.»

Auch der für Telekommunikation zuständige Premierminister Xavier Bettel (DP) hatte sich vergangenen November für ein Ende der Preiskeule ausgesprochen: «Wir sind ein sehr kleines Land. Unsere Bürger betreiben fast jeden Tag Roaming», argumentierte Bettel vor seinen EU-Kollegen.

«Weder machbar noch praktisch umzusetzen»

Doch nun hängt das Vorhaben wieder in der Warteschleife. Die Blockade in Bezug auf die Abschaffung der Auslandsgebühren ist vor allem auf die massiven Einwände der Telekommunikationsbranche zurückzuführen. Diese warnt vor einem Missbrauch des sogenannten «Roam Like at Home» durch findige Privatkunden und fürchtet zudem wirtschaftliche Nachteile. Unterstützung erhalten sie dabei ausgerechnet von der europäischen Telekomregulierungsbehörde Berec: Diese ist der Ansicht, dass eine völlige Abschaffung der Gebühren aufgrund zu verschiedener Handytarife sowie Reise- und Konsummuster der EU-Bürger «derzeit weder machbar noch praktisch umzusetzen» sei.

Die lettische Ratspräsidentschaft hat nun einen Kompromissvorschlag auf den Tisch gelegt. Dieser sieht eine «Fair-Use»-Klausel vor, die dem Missbrauch einen Riegel vorschieben soll. Für Handynutzer soll also ein gewisses Gesprächs- und Datenvolumen im Ausland festgelegt werden. Zudem sollen die Netzbetreiber weiterhin eine Zusatzgebühr für Roaming entheben können. Im März soll der Kompromiss dann erneut auf Ministerebene diskutiert werden. Ein Ende des Gebührenaufschlags scheint derzeit nicht in Sicht.

(Jörg Tschürtz/L'essentiel)

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