Pendelnde Pflegekräfte

26. Oktober 2020 07:04; Akt: 26.10.2020 07:50 Print

Frankreich und Belgien müssen «aufwachen»

LUXEMBURG – Frankreich und Belgien beklagen den Mangel an Pflegekräften, die oft ins Großherzogtum abwandern. Das liegt aber nicht nur an der besseren Bezahlung.

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Pflegepersonal und Krankenschwestern verdienen in Luxemburg zwischen 3200 und 4580 Euro brutto pro Monat (ohne Nacht- und Sonntags-Zulagen).

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«Natürlich sind wir mit der Bezahlung zufrieden, die sich im Vergleich zu Belgien fast verdoppelt hat. Aber die Mehrheit der Pflegekräfte sucht in Luxemburg nach einer komfortablen Arbeitsumgebung», erklärt die belgische Krankenschwester Cindy, die im vergangenen Jahr mit insgesamt 42 Kollegen das Krankenhaus von Arlon in Richtung Luxemburg verlassen hat. «Zu sagen, dass Luxemburg uns weggekauft hat, ist eine Ausrede, um die eigentlichen Probleme zu vertuschen. Die Situation in Belgien hat sich in den letzten drei Jahren deutlich verschlechtert.»

Die «Flucht» der Pflegekräfte nach Luxemburg stößt in der belgischen und französischen Politik auf Kritik. So prangerte Marie-Odile Saillard, die Direktorin des CHR Metz-Thionville, die Abwanderungsbewegung der Fachkräfte in Richtung Großherzogtum Mitte Oktober an. Frankreich sorge für die Ausbildung und Luxemburg ernte die Früchte. Ein Zustand der Lücken im Gesundheitswesen der französischen Großregion reiße. In das gleiche Horn bläst auch die belgische Abgeordnete Catherine Fonck, die in der vergangenen Woche darauf hinwies, dass Luxemburg Pflegepersonal mit attraktiven Bedingungen locken würde.

Keine Söldner

Cindy will sich den Stempel der Söldnerin nicht aufdrücken lassen. Sie hat nach ihrer Ausbildung zunächst weiter in dem Krankenhaus in ihrer Heimatregion Arlon gearbeitet. Für sie sei der Vorwurf, Luxemburg kaufe Pflegepersonal in der Großregion eine Ausrede um die eigentlichen Probleme zu verschleiern. Ihrer Ansicht nach, habe sich die Situation in Belgien in den letzten drei Jahren deutlich verschlechtert für die Pflegenden.

Die Krankenschwester, die jetzt auf der Intensivstation des CHL arbeitet, glaubt, dass es in Belgien «nicht mehr genügend Teams für die Arbeitslast gibt». In Luxemburg schätzt sie die klaren Aufgaben und Weiterbildungschancen. Außerdem würde der belgische Krankenhausbetreiber Vivalia selbst in Frankreich rekrutieren, wo die Situation ebenfalls nicht besser ist.

Gehalt und Anerkennung

«Ich bin wegen des Gehalts und der Anerkennung des Berufsstandes gegangen. Hier haben wir auch mehr Verantwortung», berichtet Virginie, eine Pflegeassistentin in einer luxemburgischen Einrichtung für ältere Menschen, die 2013 eine Klinik in Thionville in Richtung Großherzogtum verlassen hat. «Frankreich muss aufwachen, wenn man sieht, wie Krankenschwestern arbeiten und nichts für sie getan wird.»

Auf Luxemburger Seite sieht man das Problem eher als gemeinsames Problem der gesamten Großregion. In der gesamten Region fehle es an medizinischem Personal, erläutert Premierminister Xavier Bettel (DP). Es sei daher an der Zeit ein grenzüberschreitendes Ausbildungsprogramm ins Leben zu rufen, um Personal auszubilden, dass dann auch in der Region bleibe. Nach Angaben von Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) habe das Großherzogtum bisher 70 Personen aus der Großregion für die Arbeit in unseren Krankenhäusern gewinnen können. «Weitere Einstellungen sind in Vorbereitung», sagte die Ministerin.

(nm/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • zorro am 26.10.2020 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jo hunn jo ken Problem dass sie hei schaffen kommen,mee dann kéinten se ob mannst eis Sprooch léieren. Dat wer dat mannst. Well wann ech an en vun den Noperen gin schwätzen och auslännesch Matbierger déi Sprooch vun dem Land .........

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  • Mike am 26.10.2020 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    D'Bedingung fier hai ze schaffen misst minimum sin dass een e Kuer fier Lëtzebuergesch ze léieren besicht. Daat wär daat mannst fier e gudde Wëllen ze waisen ann sech dankbar esou ze waisen hai eng Aarbecht kritt ze hun. Dei meecht dei ech kennen wessen ann interesseiren sech iwerhaapt net fier aist Land. Autobunn, Aarbecht, Heem. Sie liewen matt daer Pai dei se hai kreien ganz gud a bëlleg ann hiere Länner. Also léif Frontaliers, sid dankbar a gid aech weinstens e bëssen drun ais Sprooch ze respekteiren ann e bessen ze léieren. Daat ass jo awer net vill verlaangt.

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  • Marielle am 26.10.2020 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn die Arbeitsbedingungen in ihrem Heimatland stimmen würden, würde keine sich den täglichen langen Arbeitsweg antun. In einem freien Europa hat der EU-Bürger eben das Recht da zu arbeiten wo es für Ihn am besten ist. Das müssen auch Gesundheitskonzerne respektieren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Doutkrank am 26.10.2020 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    An erem daat dommt Gelaabers "sie solle Lëtzbuergesch léieren". Ech ginn am Spidol léiwer vun enger nët-letzebuergesch schwätzender Fachkraaft versuergt, éwei wa lkeen do wier. A soulang mir eis Schüler aus dem Gesondheetswiesen op der Playstation ausbilden, bleiwen ech dann nach ëmmer léiwer bei enger franséisch-schwätzender Persoun déi an engem richtege Spidol hier Ausbildung kruut.

    • Marco am 26.10.2020 20:51 Report Diesen Beitrag melden

      Haha an dat Fachchinesech versteht een sowisou op kenger Sproch ;)

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  • Wiesou am 26.10.2020 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Komesch, am ganzen Bericht steet näischt iwwer iergendwellech Problemer mat der Sproch mee an den Kommentaren geet nëmmen iwwer d´Sproch debattéiert?

  • Octopus@Sarkast opgepasst am 26.10.2020 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wann et net wichteg as firwat as franseisch dann eng offiziel Sproch hei am Land? Missten mir dann net eischter Hollännesch schwätzen?

  • Sarkast-opgepasst! am 26.10.2020 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weg, stellt Ierch dach net esou! Mir wëssen ganz genee Alleguer, wéi schwéier et ass heiansdo déi richteg Wierder ze fannen. Et gëtt awer nun emol nët genuch lëtzebuergesch Dokteren an och nët genuch Pflegepersonal. Do kann een séch jo hëllefen an méi Kanner maachen an déi dann op d'Uni schécken aplaaz op d'Bank. Ech kann daat ultimatiivt "En français...! ouni " s'il vous plaît " och nët ausstoën. Mais deen Dokter wärt wuel kaum ärt Kand stierwen loossen nëmmen well dir keen franséisch kënnt.

  • Knadderpit am 26.10.2020 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Na würden die Franzosen ihr Pflegepersonal so bezahlen wie z.B. PSG ihre Fußballstars, würden wir hier nicht diskutieren.