alarmierende Zahlen

09. Dezember 2019 18:06; Akt: 09.12.2019 18:23 Print

Heimkosten sprengen die Renten von Frauen

LUXEMBURG – Was kostet ein Heimplatz im Großherzogtum? Diese Frage zu beantworten, wird dem Bürger hierzulande nicht leicht gemacht. Abhilfe verspricht ein Gesetzesentwurf.

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Die Heimkosten können schnell die Altersrente übersteigen.

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Die Preise für einen Platz in einem Seniorenheim schwanken stark. Die Luxemburger Arbeitnehmerkammer (CSL) prangerte am Montag «übermäßig hohe Kosten für Personen mit geringer Rente» an und forderte Maßnahmen dagegen. Im Durchschnitt koste ein Platz in einem integrierten Seniorenzentrum 2452 Euro, 2706 Euro in einem Pflegeheim für Menschen, die auf medizinische Betreuung angewiesen sind und mit immerhin 1718 Euro schlägt ein Platz im betreuten Wohnen zu Buche. Betreutes Wohnen richtet sich an Senioren, die im Alltag noch nicht auf Hilfe angewiesen sind.

Wenn man diese Zahlen berücksichtigt, dann hätten 76 Prozent der Frauen und 22 Prozent der Männer ein Problem, sagt Nathalie Goerges von der CSL. Denn «ihre Altersrente liegt unter dem, was die Einrichtungen durchschnittlich kosten», warnt die Expertin. Die CSL empfiehlt «eine gesetzlich geregelte Preisgestaltung von Pflegeeinrichtungen, bei der die Kosten sich am Einkommen der betreffenden Person ausrichten».

Nationalen Solidaritätsfonds kann helfen

Wer die Heimkosten nicht tragen kann, kann einen Antrag an den Nationalen Solidaritätsfonds richten. Der Fond übernimmt dann die Kosten für die Unterbringung des Heimbewohners, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Bei der Gewährung der Hilfe wird auch das Einkommen des Ehepartners berücksichtigt. Dem Antragsteller verbleibt ein Freibetrag von 464 Euro, der als Taschengeld zur freien Verfügung steht.

Derzeit sind «8,8 Prozent der Bewohner in CIPA und 13,37 Prozent in Pflegeheimen auf Hilfe bei den Unterbringungskosten angewiesen», teilte das Familienministerium L'essentiel mit. Die Pflegekosten seien durch die Pflegeversicherung abgedeckt, heißt es aus dem Ministerium. Die CSL empfiehlt, die Voraussetzungen für die Hilfen zu überarbeiten, die Regelung stammt aus dem Jahr 2004, damit mehr Menschen von der Hilfe profitieren können.

Gesetz soll mehr Transparenz bringen

In den Kosten für die Unterkunft sind auch nicht immer dieselben Dienstleistungen enthalten. So können Friseurbesuche, Unterhaltungsangebote und Reinigung zum Beispiel extra Kosten verursachen. Diese Intransparenz hatten die Luxemburger Verbraucherschützer der ULC bereits im vergangenen Sommer bemängelt. Die Regierung sei dabei, einen Gesetzentwurf zu erarbeiten, der für mehr Transparenz sorgen soll. Danach sollen die Einrichtungen verpflichtet werden, einen Grundpreis auszuweisen.

Dieser Ausweis soll dann auch angeben, welche Dienstleistungen in dem Grundpreis enthalten sind und welche extra Kosten entstehen, wenn die Dienste nicht enthalten sind. Auf Anfrage von L'essentiel teilte das Familienministerium mit, dass man hoffe, «den Text Anfang 2020 dem Regierungsrat vorlegen zu können.»

(jg/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Julie am 10.12.2019 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Altersheime in Luxemburg folgen genau der Logik der freien Marktwirtschaft, Angebot und Nachfrage, die Heime genehmigen sich die ganze Rente, zu den 2700 € kommen noch soviel Nebenkosten drauf dass nix mehr bleibt, komisch ! Reicht die Rente nicht wird das Haus verkauft, ausgequetscht und oft noch schlecht behandelt. Wie beim Wohnen müssen bald alle Luxemburger ins Ausland ins Heim. Statt unendlich neue Betonwüsten zu errichten sollte der Staat in die Sozialsysteme investieren und die Preise halbieren.

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  • Niemand am 09.12.2019 20:56 Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem ist seid Jahren bekannt, dass Rentnern massiv ausgebeutet werden und dabei wie Dreck behandelt werden, besonders im Privatsektor ist das Problem noch grösser . . . Einfach nur ekelhaft . . .

  • Cinderella am 10.12.2019 10:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Firwat dann d’Haus verkafen? En Haus kann een och verlounen, oder. Et kann een et och verkafen an dann huet een keng Arbescht. Natirlech hunn d’Kanner Arbescht mat der locatioun. Neen, net all Fleegeheim ass schlecht. Ons Bomi war gutt versuergt, sie huet och nemmen eng Mindestrent gehat an huet d’Wunneng mussen verlounen. Déi Al hunn eben nach en Appel fir den Duuscht, an virun 60 Joer huet een och net esou einfach Suen geléint kritt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kritiker am 11.12.2019 20:04 Report Diesen Beitrag melden

    Wartet mal ab, wie sich die Kosten der "Neubürger" auf das Sozialwesen entwickeln. Ich versichere, dass das Sozialsystem schon jetzt aus den Rudern gelaufen ist u. diejenigen, die jahrzehntlang in die Rentenkasse einzahlten oder sich mit Lebensversicherung fürs "Alte" vorsorgten, ausgebeutet, belogen u. betrogen werden; denn die Erträge werden ja besteuert u. das nicht zu knapp; denn die Diäten müssen ja abgesichert sein. Nicht zu fassen, dass Mensch überhaupt noch wählen geht u. dann auch noch die "Blutsaugenden Altparteien wählt.

  • Betroffene am 11.12.2019 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Taschengeld deckt ja nicht nur den persönlichen Pflegebedarf sondern auch alle medizinische Versorgungen. Apotheke Arztrechnungen usw. da kann es sehr schnell mal nicht mehr reichen. Eine Fahrt mit der Ambulanz zur Notaufnahme nach etwa einem Sturz kostet über 100 € erstattet wird knapp ein Drittel. Dazu kommen die Notaufnahme Zuschüsse. Hier sollte auch mal ein bisschen mehr von der CNS übernommen werden. Es kann ja nicht sein dass eine Oma sich überlegen muss ob sie sich im Krankenhaus untersuchen lässt oder die notwendige Fusspflege absagen muss. Sie waren mal unsere Vorbilder wir sollten sie mit mehr Respekt altern lassen und sie begleiten. In den meisten Altersheime verlieren sie sämtliche Intimität und Privatsphäre. Sie werden nicht als Bewohner respektiert sondern als (lästiger) Patient behandelt.

  • John Doe am 11.12.2019 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ich muss sagen, dass die Sache mit den Altersheimen eine Schande für das aktuelle Gesellschaftsmodell ist. Bevölkerungszuwachs, keine Familienhäuser mehr - weil immer mehr Betontürme oder Betonwürfel mit kleinen Wohnungen. Das Resultat ist Zerstörung des Prinzips Familie und das ist politisch gewollt - weil dann mehr staatliche Kontrolle über Bürger ("Steuerzahler") ausgeübt werden kann. Politik: How dare you!

  • De Mechel am 10.12.2019 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Dobäi kënt, dass de "Loyer" a verschiddenen Altersheimer Index gebonnen ass. Dogéint soll ons Regierung och mol eppes ënnerhuelen! Plus Steiererliichterungen fir bestuete Koppelen, déi allen 2 am Altersheim (musse) sinn an duebelen "Loyer" bezuelen mussen. Oder op mannst, dass 1 vun den 2 "Loyerën" vun de Steierern ofgesaat ka ginn. Mengen Eltern wäerd dat zwar nët méi hëllefen, ower et ass néideg fir déi betraffen Leit déi Haut an an Zukunft mussen an en Altersheim.

  • Cinderella am 10.12.2019 10:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Firwat dann d’Haus verkafen? En Haus kann een och verlounen, oder. Et kann een et och verkafen an dann huet een keng Arbescht. Natirlech hunn d’Kanner Arbescht mat der locatioun. Neen, net all Fleegeheim ass schlecht. Ons Bomi war gutt versuergt, sie huet och nemmen eng Mindestrent gehat an huet d’Wunneng mussen verlounen. Déi Al hunn eben nach en Appel fir den Duuscht, an virun 60 Joer huet een och net esou einfach Suen geléint kritt.