Urlaubsregelung

18. Februar 2020 06:55; Akt: 18.02.2020 18:24 Print

Hilfsaktion für Kollegin in Not scheitert am Gesetz

LUXEMBURG – In der Bohler-Klinik wäre eine Solidaritätsaktion beinahe gescheitert. Der Grund: Die Beteiligten hielten sich nicht an das Arbeitsgesetz.

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«Mitglieder des Pflegepersonals unterstützen sich natürlich gegenseitig», sagt Nicolette Tirabasso.

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Eine Solidaritätsaktion an der Bohler-Klinik ist durch das Luxemburger Gesetz im Keim erstickt worden. Im Krankenhaus machte sich eine ganze Abteilung für eine Kollegin stark, um ihr und ihrem erkrankten Kind zu helfen. «Das Kind erkrankte nach der Geburt. Die Mutter konnte deshalb nicht arbeiten», erzählt Nicolette Tirabasso, eine Arbeitskollegin der Mutter. Das Kind leidet jedoch weder an Krebs noch verbringt es mehr als 15 Tage im Monat im Krankenhaus. Und hier beginnt das Problem: Nur in diesen beiden Fällen hätte die Mutter einen gesetzlichen Anspruch auf einen einjährigen Sonderurlaub.

Es musste eine Lösung gefunden werden. Gemeinsam beschlossen die Mitarbeiter, der Mutter ihre Urlaubstagen zu überlassen. Das Personal führte die französische Gesetzgebung bei den Vorgesetzten an. Die Leitung des Hôpitaux Robert Schuman beschloss, die Initiative der Angestellten zu unterstützen. «In nur zwei Tagen kamen insgesamt 69 Urlaubstage zusammen. Es funktionierte also», sagt Tirabasso.

«Was können Eltern tun, wenn ihrem volljährigen Kind etwas zustößt?»

Laut Luxemburger Arbeitsgesetz ist es einem Arbeitnehmer allerdings nicht erlaubt, auf seinen gesetzlichen Urlaubsanspruch zu verzichten (Lesen Sie dazu auch diesen Artikel). Tirabasso und ihr Team waren entsetzt. «Wir hätten insgesamt sechs Monaten zusammenbekommen», sagt sie. Die Idee, der Kollegin zu helfen, ist aber noch nicht am Ende. Mittlerweile fand das Personal der Bohler-Klinik eine Zwischenlösung: Die Arbeitsstunden der jungen Mutter wurden so weit wie möglich auf die ihrer Abteilungskollegen verteilt.

Tirabasso hofft auf eine Änderung der Rechtslage. Ihrer Meinung nach ist niemand vor der Erkrankung eines Kindes oder eines Lebensgefährten geschützt. «Was können Eltern tun, wenn ihrem volljährigen Kind etwas zustößt?» gehöre zu den zahlreichen aufgeworfenen Fragen, die eine politische Antwort erfordern.

Vor diesem Hintergrund will Tirabasso in der kommenden Woche eine Petition einreichen – in der Hoffnung, die 4500 erforderlichen Unterschriften zu erreichen, um eine öffentliche Debatte in der Chamber anzustoßen.

(th/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dusninja am 18.02.2020 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist halt so. Denn eigentlich ist der Urlaub Erholung, um die eigene Arbeitskraft wieder herzustellen. Auch hart im Garten zu arbeiten zB ist problematisch. Rein rechtlich gesehen.

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  • Proofreader am 18.02.2020 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    - der Mutter ihre Urlaubstage_ zu überlassen - Wir hätten insgesamt sechs Monate_ zusammenbekommen

  • jimbo am 18.02.2020 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ween Interesseiert dGesetz.... de Patron soll dat sou unhuelen, e muss jo kengem ëppes soen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • jimbo am 18.02.2020 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ween Interesseiert dGesetz.... de Patron soll dat sou unhuelen, e muss jo kengem ëppes soen...

  • Proofreader am 18.02.2020 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    - der Mutter ihre Urlaubstage_ zu überlassen - Wir hätten insgesamt sechs Monate_ zusammenbekommen

  • Dusninja am 18.02.2020 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist halt so. Denn eigentlich ist der Urlaub Erholung, um die eigene Arbeitskraft wieder herzustellen. Auch hart im Garten zu arbeiten zB ist problematisch. Rein rechtlich gesehen.

    • Osbert am 19.02.2020 11:40 Report Diesen Beitrag melden

      Ja und Nein. Ja, der Urlaub dient der Erholung zur Wiederherstellung der eigenen Arbeitskraft. Nein, das "Hart-im-Garten-Arbeiten" stellt nur ein praktisches, kein rechtliches Problem dar. Der Arbeitgeber kann Dir nicht vorschreiben, was Du in Deiner Freizeit machst. Je nachdem, welcher Art Deine berufliche Tätigkeit ist, kann Gartenarbeit der Rekreation sogar förderlich sein. Ein rechtliches Problem wird es erst dann, wenn Du nicht in Deinem eigenen Garten arbeitest, sondern in dem eines anderen und dafür bezahlt wirst.

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