Bahnhofsviertel

25. September 2019 20:20; Akt: 26.09.2019 07:46 Print

«Ich habe Angst, hier vergewaltigt zu werden»

LUXEMBURG-STADT – Das Bahnhofsviertel ist längst zum Brennpunkt geworden. Anwohner und Politiker treffen sich zum Dialog in der wohl berüchtigsten Straße des Landes.

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Im Hausflur injizieren sich Süchtige Drogen, im Treppenhaus liegen Spritzen, an den Wänden ist Blut. Das steht für manchen Einwohner hinter dem Satz, Drogen und Obdachlosigkeit seien in Luxemburgs Bahnhofsviertel allgegenwärtig. So beschreibt es eine Anwohnerin, die anonym bleiben will.

Das Bahnhofsviertel ist als «Hotspot» bekannt, sagt François Bausch, Minister für Innere Sicherheit. Er, Sam Tanson, Ministerin für Justiz, und Luxemburgs Bürgermeisterin Lydie Polfer haben daher Anwohner im Viertel zum Informationsabend eingeladen. In jedem Briefkasten des «Hotspots» lag der Flyer für den gestrigen Mittwochabend.

Riesiger Andrang

Der Einladung in die Hall Omnisports in der Rue de Strasbourg folgen viele. Es ist die Straße, von der es im Viertel heißt, man solle sie lieber meiden. Aber der Redebedarf ist so groß, dass weder genügend Stühle, noch ausreichend Kopfhörer für die Simultanübersetzung vorhanden sind.

«Ich bin vor allem hier, um zuzuhören», sagt Bausch vor der Veranstaltung. «Wir wollen denjenigen, die hier wohnen, Gelegenheit geben, ihre Probleme zu schildern.» Heißt das, die Politik hat das Problem noch nicht identifizieren können? «Doch», betont der Minister. Konkrete neue Maßnahmen aber will er an dem Abend nicht vorstellen.

«Ich bin mir absolut bewusst, welche Konsequenzen der Drogenhandel auf offener Straße hat», betont auch Sam Tanson, «aber es gibt keine Wunderlösung dafür. Darum wollen wir heute Abend diskutieren», sagt die Ministerin.

Urin läuft in den Keller einer Anwohnerin

Doch die Anwohner wollen nicht diskutieren, sie fordern Lösungen: «Es brennt an allen Ecken», sagt ein Geschäftsmann. Am Mikrophon im Saal können Betroffene Dampf ablassen. Davor hat sich eine Schlange gebildet. Eine Frau steht auf, stellt sich in die Warteschlange und als sie endlich an der Reihe ist, sagt sie: «Ich habe Angst, dass mir hier etwas passiert. Ich habe Angst, hier vergewaltigt zu werden.»

Eine andere schreit ins Mikrophon, sie könne ihr Haus an manchen Tagen nicht verlassen, weil es geradezu belagert werde. Urin laufe in ihren Keller. «Das ist seit 20 Jahren so. Und es wird jeden Tag schlimmer!»

François Bausch stellt dagegen klar, repressive Maßnahmen – wie mehr Kameras und mehr Polizei – würden wenig bringen, solange den Drogenringen, namentlich der nigerianischen Mafia, nicht das Handwerk gelegt werde. «Und das geht nicht von heute auf morgen», sagt Georges Oswald von der Staatsanwaltschaft.

(Marlene Brey/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anwohner am 25.09.2019 22:06 Report Diesen Beitrag melden

    Der letzte Abschnitt zeigt dass Herr Bausch das Problem nicht verstanden hat. Es geht den Bewohnern nicht darum die Drogenmafia zu bekämpfen. Es geht darum die Dealer aus dem Viertel zu bekommen. Wenn der Drogenhandel auf Parkplätzen außerhalb der Stadt stattfinden würde, wäre das zwar immer noch nicht perfekt, aber sicherlich besser als ein Handel auf offener Straße im Viertel vor den Augen der Bewohner (v.a. der Kinder und Jugendlichen). Und das geht entweder durch eine höhere Polizeipräsenz oder durch weniger Durchgangsverkehr (z.B. Anliegerstraßen die auch entsprechend kontrolliert werden)

  • Saupreis am 25.09.2019 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt keine Lösung für das Drogenproblem? Überlegt mal, wann das PROBLEM anfing. Und jetzt handeln. Problem gelöst

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  • JC am 26.09.2019 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    da sollen di Damen an Hären " Beamten a Politiker " di dat esou erôfspillen wéi wann dat ned tragesch wier , hieren Allerwärtesten eng Woch lang zu Fouss " ouni Bodyguard " nuets duerch de ganze Garer quartier treppelen ! do géif bestemmt schon an der éischter Nuecht eppes geschéien !!!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott am 27.09.2019 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    «Ich bin vor allem hier, um zuzuhören». Ein trefflicher Satz um den Bürgern klarzumachen dass die Regierung gar nicht gewillt ist etwas zu tun. Keiner will dass die Klientel weiterzieht und dann vor dem eigenen Haus steht. Die Anwohner sollen endlich eine Bürgerwehr gründen und sich selbst wehren.

  • bb am 27.09.2019 07:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mer hun einfach net genug Police hei am Land. vir dat wat hei leeft geet et vun Police net duer.

    • Verkéiert Welt am 27.09.2019 09:28 Report Diesen Beitrag melden

      An wann d'Police éen festsetzt sinn dei Greng mat hiren Riichteren do fir den Täter laafen ze lossen an d'Affer war Schold dat et ob der Plaatz war.

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  • jimbo am 26.09.2019 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wat mengt der wat iwwert der Gare op der Q8 ass?? Do leeft deselwechten Rupp ronderem...

  • Superjemp am 26.09.2019 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt ! Sie haben es auf den Punkt gebracht. Ganz genau so ist es.

  • Timon am 26.09.2019 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ma neen, dir hudd dat guer net verstaan, Polizei ass net do fir eis ze beschützen, mee fir Protekoller ze schreiwen, do kennt weinstens Geld eran.