Gesundheit

12. November 2018 09:00; Akt: 12.11.2018 09:29 Print

Intersexualität ist «hierzulande ein Tabu»

LUXEMBURG – Intersexuelle Menschen können biologisch weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden. Ein Leben zwischen den Welten.

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Thierry Bosman wurde ohne eindeutiges Geschlecht geboren.

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Weder Mann, noch Frau. Seit seiner Geburt kann der Intersexuelle Thierry Bosman nicht eindeutig dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden. «Meine Genitalien haben sich nicht richtig entwickelt. Ich habe einen Penis, aber auch eine weibliche Brust», erklärt der Belgier, dessen Jugend «traumatisierend» war. Statt 46 Chromosomen verfügt er über 47, die dazu führten, dass er sich mehrere medizinischen Eingriffen unterziehen musste.

«Ich hatte Geschlechtsumwandlungsoperationen, die meinen Eltern als üblich und notwendig dargestellt wurden. Die Ärzte treffen Entscheidungen und vergessen dabei die Folgen für unser Leben», ergänzt der 40-Jährige, der unzählige schmerzhafte Spritzen und Hormonbehandlungen bekam. Eine doppelte Mastektomie im Alter von 14 Jahren hat auch dreißig Jahre später noch Folgen: «Ich kann mich immer noch nicht im Spiegel betrachten», meint Bosman. Er führt ein Leben voller körperlicher und psychischer Leiden und hat das ständige Gefühl, «gefoltert» zu werden und sein «Geheimnis» verbergen zu müssen. Er schlüpfte jahrelang in eine Rolle und vergaß, wer er selbst war.

«Nicht jeder wird als weiblich oder männlich geboren»

Heute führt Bosman eine weitere Schlacht indem er versucht, Intersexuellen einen Platz in der Gesellschaft zu verschaffen. In Luxemburg wurde er in der interministeriellen Arbeitsgruppe zum Berater für das Familienministerium und der ASBL Intersex and Transgender Luxembourg (ITGL). «Meine Eltern wurden weder gut beraten noch unterstützt. Sie wurden belogen, also ist es wichtig, den Menschen diese Diversität zu erklären. Denn nicht jeder wird als weiblich oder männlich geboren», so Bosman.

Vor einigen Tagen wurde seitens der Luxemburger Regierung eine Aufklärungskampagne zu diesem Thema gestartet. «Intersexuelle Menschen waren – genau wie Männer und Frauen – schon immer Teil unserer Gesellschaft», betont Familienministerin Corinne Cahen. Obwohl es in Luxemburg Fälle gibt, sei das Thema «hierzulande ein absolutes Tabu», so Dr. Erik Scheider. Nach Ansicht einiger Wissenschaftler würden 1,7 Prozent der Weltbevölkerung als intersexuell zur Welt kommen. «Kastrieren, sterilisieren, reparieren, was nicht richtig ist... ich möchte meine Erfahrung mitteilen, damit wir Kindern das nicht länger antun», sagt Bosman.

(Nicolas Chauty/L'essentiel)

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