Polizeiausbilder im Gespräch

04. August 2021 07:02; Akt: 04.08.2021 09:20 Print

«Kein Polizist will seine Waffe benutzen»

ETTELBRÜCK – Ein Polizeiausbilder kommentiert die dramatischen Ereignisse und gibt Einblicke in die komplexe Entscheidung, die die Beamten am Samstagabend treffen mussten.

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Ein Polizeiausbilder stellt klar, dass kein Polizist seine Waffe benutzen möchte. (Bild: L'essentiel)

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«Ich habe selten so viel Unsinn gelesen.» Ein Polizeiausbilder nimmt im Hinblick auf die Diskussionen über den tödlichen Dienstwaffen-Einsatz in Ettelbrück in den sozialen Netzwerken kein Blatt vor den Mund. Die Polizeiarbeit sei von Anfang an «bemerkenswert» gewesen und die Beamten hätten «sehr gut reagiert. Wenn man die in den sozialen Netzwerken geposteten Videos richtig analysiert, kann man sehen, dass die Polizisten ihre Schusswaffe erst gezogen haben, als der Autodieb sein Messer zückte. Die beiden Polizisten befanden sich in einer wirklich gefährlichen Situation. Die Schießerei war unvermeidlich. Dies ist kein Film. Ein präziser Schuss im Angesicht einer solchen Gefahr ist gar nicht so einfach. Auf ein bewegliches Ziel zu schießen, mit Stress, Angst und Adrenalin, ist nicht einfach. Die Leute sind sich dessen nicht bewusst...»

«Auf den Bildern sieht man, dass der Mann mit den Polizisten kämpfen wollte, als er mit einem Messer auf sie losging», unterstreicht der Experte. «Der Polizist musste also sein eigenes Leben und das seines Partners verteidigen. Ganz zu schweigen von den Leben der Menschen in der Umgebung. In diesem Fall hat der luxemburgische Polizist nur einmal geschossen. In den Vereinigten Staaten wären in der gleichen Situation mehr Schüsse abgegeben worden. Leider, und das muss wiederholt werden, erlag die Person ihren Verletzungen. Kein Polizist will seine Waffe benutzen», stellt der Experte klar.

« Schießen ist immer eine komplizierte Entscheidung »

«Ein Teil der Bevölkerung nimmt nicht wahr, wie gefährlich die Situation für die beiden Polizisten war. Schießen ist immer eine komplizierte Entscheidung. Die Situation ist äußerst komplex, aber Schuss war gerechtfertigt. Die Bedrohung musste neutralisiert werden.» Auf die Frage, ob die Situation mit einem Taser glimpflicher hätte ausgehen können, verneint der Experte, für den «der Elektroschocker auch eine Menge Unsinn ist. Bei manchen Menschen zeigen Taser manchmal keine Wirkung. Und bei anderen, in den Vereinigten Staaten, haben wir bereits gesehen, dass einige Menschen aufgrund von Tasern einen Herzstillstand erlitten haben. Mit Tränengas ist es dasselbe, bei manchen Menschen hat es keine Wirkung. Wenn ein Verbrecher unter Drogeneinfluss steht, ist selbst ein Schlagstock nutzlos...».

Sehr positiv bewertet der Ausbilder hingegen den Einsatz der sogenannten Bodycams, welche «ein echter Gewinn für Öffentlichkeit und Polizei» wären. «Und es ist keine sehr große Investition. Wenigstens kann man mit den Kameras sehen, was vor sich geht.» Die zahlreichen Social Media-Videos findet der Experte «unglaublich, das sollte verboten werden. Es ist alles andere als ein Spiel und ein Mensch hat gerade sein Leben verloren.»

(fl/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • JC am 04.08.2021 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    d'Kriminalitëit géd esou schnell an d'Hëischt , dat ed geschwen zum Alldag ged dass d'Police muss zur Waff gräifen .

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  • Knouter am 04.08.2021 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    D' Leit (di meckeren) iwwerleeën net dass den Polizist e puer Sekonnen hat fir d'Situatioun ze analyséieren, ze decidéieren, zielen an ze schéissen. Do hätten di meeschten Problemer fir den Fouss oder d'Schëller oder d'Been ze treffen. Wann den Choix ass: een selwer oder deen aneren, entscheet een sech instinktiv fir sech, dat heescht Überlebensinstinkt. Den Polizist huet elo genuch domat ze dinn, ze verschaffen dass den Mann gestuerwen ass, en muss sech net och nach em déi suergen déi mengen si wéissten alles besser.

  • Jean am 04.08.2021 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mann war verheiratet,Vater von zwei Kindern.Wo bleibt da die Verantwortung,gegenüber seiner Frau und seinen Kindern?Ich gehe davon aus,dass wenn man eine Familie gegründet hat,man sich anders benimmt,als das was dieser Mensch gezeigt hat.Ob da Alkohol mit im Spiel war,oder Drogen,so ein kriminelles Verhalten zeugt von purem Egoismus,kein Gedanke an die Folgen seines Tun.Der Ausgang ist tragisch,meines Erachtens für den Polizisten noch mehr,denn dieser muss damit leben.Ich wünsche Ihm jeden erdenklichen Beistand,meinen hat Er.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Little Roger am 10.08.2021 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stress Angst und Adrenalin,dann ist es nicht zu verantworten dass einer eine Schusswaffe trägt!Punkt

  • neutraliséiërt Affer am 05.08.2021 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    a während der Zeit, wou d'Leit sech hei iwer en Autodéif opregen, de vun der Police d'Liëwen radikal ausgeläscht krut an elo als dat Allerläscht duërgestallt gëtt, zerstéiëren déih wirklëch Gangster aus déiwen Geldfongen mat masseweis agesammeltem Investorenfrick déih ganz Erd kriminell ouni vun enger Police oder engem Politicker gestéiërt ze gin! ... sou vill wéih hei iwer dat verstuëwend Affer, wou elo all selwerernannten Gerechtegkeetsfanatiker driwer hierfällt wéih d'Geiëren, huët keen sech opgeregt iwer déih verluren Autosindustrie, déih elo massiv verluren greenwashed E-Oldtimer baut ...

  • Marco P. am 04.08.2021 21:28 Report Diesen Beitrag melden

    Der Autodieb hat mit seiner Waffe einen Bürger bedroht, bei seiner Flucht sicherlich Menschenleben in Gefahr gebracht und anschließend die Polizei angegriffen. Die Polizei hat sich verteidigt und dabei die Allgemeinheit von einem Gefährlichen Kriminellen befreit. Dem Polizisten kann man nur Wünschen mit der Zeit ohne Schaden über die Angelegenheit hinweg zu kommen.

  • Hardliner am 04.08.2021 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @ Et get emmer méi domm Genau, daat selwescht wéi mam George Floyd. Waat nach féhlt, as dass sie helleg gesprach gin. Wéen mam Feier spillt, riskeiert sech ze verbrennen. Logesch, oder?

  • Serge am 04.08.2021 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Mir deet de Polizist éischter Leed. Zum Deel wëll een Deel vun der Bevölkerung, grad ewéi vun der Politik deene Leit absolut nët de Rëck staïpen, jutste au contraire, sie klappen nach op së. An da muss de Mann och nach moralesch verdauen dass hien engem d'Liëwe geholl huet, och wann daat an Noutwier geschidd ass.Ech wéilt nët a sénger Plaatz sinn.