Studie

22. Januar 2019 13:44; Akt: 22.01.2019 15:12 Print

Multis zahlen in Luxemburg nur 2,2 Prozent Steuern

LUXEMBURG – Im Großherzogtum liegt der gesetzliche Steuersatz für Unternehmen bei 29 Prozent. Tatsächlich zahlen viele multinationale Großkonzerne aber nur einen Bruchteil davon.

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Im Großherzogtum liegt der gesetzliche Steuersatz für Unternehmen bei 29 Prozent. Nominell zahlen sie aber deutlich weniger. (Bild: Editpress)

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In fast keinem Land der Europäischen Union zahlen große Unternehmen den gesetzlich vorgeschriebenen Steuersatz. Das haben die Europäischen Grünen durch eine Untersuchung heraus, deren Ergebnisse der Süddeutschen Zeitung vorliegen. Am weitesten klaffen demnach die staatlich festgeschriebenen Steuersätze und die tatsächlichen Abgaben, die multinationale Konzerne an den Fiskus abführen, in Luxemburg auseinander.

Hierzulande liegt der entsprechende Satz eigentlich bei 29 Prozent. Wie die Grünen herausfanden, zahlen viele multinationale Konzerne im Großherzogtum effektiv aber nur 2,2 Prozent. Auch in den Niederlanden, Österreich und Ungarn sind die Unterschiede groß (siehe Infografik). In Deutschland liegen die Zahlen nicht so weit auseinander. Dort zahlen Großkonzerne immerhin 20 Prozent Steuern, festgeschreiben sind bei unseren Nachbarn 30 Prozent. Lediglich in Bulgarien, so das Ergebnis der Untersuchung der Grünen, stimmen die Zahlen überein. Ebenfalls gering ist die Abweichung in Italien – dort werden den Angaben zufolge real 30 Prozent gezahlt bei einem nominellen Satz von 31 Prozent.

«Luxemburg an vorderster Front beim Steuerdumping»

Die Partei Déi Lénk hat am Dienstag bereits in einem Communiqué Stellung zu dem Thema bezogen: «Auf diese Weise wird die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer, von Gerechtigkeit kann keine Rede sein. Dieser reale Steuersatz ist der niedrigste aller 63 untersuchten Länder. Damit steht das Großherzogtum an vorderster Front beim Steuerdumping in Europa».

Auf diese Weise, so die Partei, gingen den Staaten jedes Jahr Milliarden an Steuergeldern verloren, die in den Taschen der Aktionäre der Großkonzerne verschwänden. Déi Lénk fordert die luxemburgischen Parteien auf, «in dieser Frage klar Stellung zu beziehen». Es sei unannehmbar, dass die arbeitende Bevölkerung ihre Steuern zahlt, während multinationale Firmen sich mithilfe der Politik aus ihrer Verantwortung stehlen können.

(sw/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Menni am 23.01.2019 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Was braucht es denn damit ich auch von meinen 35% auf 2% runter komme ?

  • Jos am 22.01.2019 16:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieses Thema ist komplexer, als man es uns weismacht: jeder Staat versucht doch in der EU, das Beste für Sich herauszuholen.Z. B. Frankreich mogelt sich um sein Haushaltsdefizit und möchte weiterhin starke Agrarsubventionen für seine Bauern, Deutschland mogelt zu Gunsten seiner Autoindustrie...etc. Wenn sich jetzt die Besteuerung am Umsatz der Unternehmen orientiert, haben natürlich Grösse Länder mit vielen Einwohnern Vorteile....ob es dann "gerechter" wird....Hmm.. wie gesagt, sehr komplex das Thema...

  • Franz am 22.01.2019 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Multis zahlen überall weniger Steuern, denn jedes Land möchte sich vom woanders getätigten Groß-Umsatz was abschneiden, und das geht nur über Preisdumping. Die Steuervereinbarungen zwischen den Ländern erlauben dies auch (DTTs), jedoch haben einige Länder (z.B. F.) zu wenig Einkommen und versuchen jetzt, diese Vereinbarungen global abzuschaffen. Auch wenn in anderen Ländern die direkte Besteuerung höher erscheint als in L., die Konzerne haben dort andere Vergünstigungen, deshalb sind auch nicht alle hier. Die Problematik ist nicht so linear, wie oft dargestellt wird.

Die neusten Leser-Kommentare

  • ausgeschluëchten Industriedummy am 26.01.2019 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    an en plus zum Steierruling, gin déih fett Verseuchungsfirmen mat Steiersuen subventionéiert (z.B. fir Infrastrukturen ze bauen a kréien Lännereien zu Minimalpréisser, woubei d'Besëtzer einfach vun der Regierung enteegënt gin an e Strich durch hier Pläng gemach kréien, woufir sie keng Baugenehmigung kréien an hier Suën vun de Bankster entwert kréien an ëmmer méih €s fir en Daag iwer dem Kapp mussen berappen fir d'Immohaiën, déih alles opkaafen an iwerdeiert verkaafen, sou dat eng Eenzelpersoun sech keng Wunneng méih fir sein Loun kann leeschten) an d'Verseuchung geht op d'Käschten vum ...

  • Menni am 23.01.2019 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Was braucht es denn damit ich auch von meinen 35% auf 2% runter komme ?

  • Vincent am 22.01.2019 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Dat ass jo manner wei een Durchschnettsverdenger mat Kanner ! Eng Ongerechtegkeet sonder gleichen.

  • PASCAL am 22.01.2019 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Leute abzocken mit Steuern ist besser als die Großkonzerne so wird der Öffentlichen Transport gratis von den Kleinen bezahlt super gearbeitet und der Wegvergünstigung entnommen für den Öffentlichen Transport zu bezahlen und andere gratis Sachen. Und die einzige die davon profitieren sind die Leute die ab ungefähr 8:00 anfangen zuarbeiten denn einer der muss um morgens um 6:00 anfangen müssen mit dem Auto fahren das ist soziale Gerechtigkeit der Regierung. Das Ende vom Lied die ärmer und der Mittelstand wird noch ärmer.

  • Jos am 22.01.2019 16:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieses Thema ist komplexer, als man es uns weismacht: jeder Staat versucht doch in der EU, das Beste für Sich herauszuholen.Z. B. Frankreich mogelt sich um sein Haushaltsdefizit und möchte weiterhin starke Agrarsubventionen für seine Bauern, Deutschland mogelt zu Gunsten seiner Autoindustrie...etc. Wenn sich jetzt die Besteuerung am Umsatz der Unternehmen orientiert, haben natürlich Grösse Länder mit vielen Einwohnern Vorteile....ob es dann "gerechter" wird....Hmm.. wie gesagt, sehr komplex das Thema...