Pro & Contra

14. September 2018 07:00; Akt: 14.09.2018 07:04 Print

Lösen Gratis-​​Busse unsere Verkehrsprobleme?

LUXEMBURG — In der Diskussion ist es schon länger, DP und LSAP sind dafür: kostenloser Bus- und Bahn im Großherzogtum. Welche Vor- und Nachteile hat es, wo funktioniert es bereits?

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Talinn in Estland ist wohl das prominenteste Beispiel für kostenlosen öffentlichen Nahverkehr. Aber es gibt noch andere Städte. (Bild: DPA/Stringer)

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In Luxemburg fahren zur Zeit alle Jugendlichen unter 20 Jahren kostenlos mit Bus, Bahn und Tram. Zuletzt hatte sich die DP bei ihrem nationalen Parteikongress für die kostenlose Nutzung aller Bürger im luxemburgischen Nahverkehr ausgesprochen. Auch die LSAP begeistert sich neuerdings für den «Nulltarif». Déi Gréng mit Minister François Bausch stehen dem «Gratis-Glück» hingegen skeptisch gegenüber: Erst müssten die Infrastruktur und Kapazitäten entsprechend ausgebaut werden.

Neu ist die Idee nicht, wird sie doch in vielen Städten schon erfolgreich in die Tat umgesetzt. Das prominenteste Beispiel in Europa ist vermutlich die Großstadt Tallinn in Estland, wo die 420.000 Einwohner der Stadt seit 2013 gratis mit Bus und Bahn fahren können. Mittlerweile wurde das Angebot dort sogar auf Regionalzüge ausgedehnt. Im französischen Dünkirchen probiert man das Modell seit Anfang September aus und stößt auf viele begeisterte neue Fahrgäste. Auch in anderen französischen Städten feiert das Modell Erfolge. In der 17.500-Einwohner-Stadt Vitré haben sich die Fahrgastzahlen versiebenfacht, in Aubagne (45.000 Einwohner) fast verdreifacht.

Die Mehrkosten halten sich in Grenzen

Verkehrsexperte Francesco Viti von der Universität Luxemburg ist sich sicher, dass kostenloser Nahverkehr dabei helfen kann, die Fahrgastzahlen anzukurbeln, aber es ist keine «universelle Lösung gegen Stau». Im belgischen Hasselt wurde der kostenlose Nahverkehr beispielsweise nach 17 erfolgreichen Jahren wieder auf Kinder und Senioren eingegrenzt, weil die Fahrgastzahlen regelrecht explodiert waren, aber der Individualverkehr trotzdem nicht zurück gegangen ist. Den klassischen Pendler interessiert die Zeit und weniger die Kosten.

Die Finanzierung ist insbesondere im Kontext kleinerer Großstädte nicht so dramatisch wie gedacht, da der Personennahverkehr fast nie kostendeckend arbeitet und immer quersubventioniert wird, wie zeit.de berichtet. Die Mehrkosten für das Großherzogtum würden daher auch nur rund 30 Millionen Euro betragen.

Dennoch sieht Viti jegliche Versuche positiv, die den öffentlichen Nahverkehr ankurbeln, empfiehlt aber gleichzeitig eine umfassendere Strategie: «Der Nahverkehr sollte Teil eines Ensembles nachhaltiger Verkehrsmittel sein, die alle zusammenwirken, um das Erlebnis wirklich konkurrenzfähig gegenüber dem Pkw zu machen. Um dies zu erreichen, muss es nicht zwangsläufig kostenlos sein, da die Menschen für einen guten Service auch gerne zahlen. Mehr Effizienz und Zuverlässigkeit ist wichtiger als der Preis.»

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • paulchen am 14.09.2018 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die meisten in Luxemburg fahren doch schon gratis. Die Autos müssten aus der Stadt verbannt werden. Dann würden in den Bussen auch mehr Leute sitzen.

  • Fahr Gast am 14.09.2018 07:20 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Kontrolleure mehr, keine aberwitzig teure und fehleranfällige Hard- und Software für Kartenverkauf, weniger leere Busse, ... Wenn man schon Millionen investiert, dann sollte man auch wollen dass es benutzt wird. Demnach ist Gratis-Transport absolut sinnvoll, insbesondere da es mir so vorkommt wie wenn ich sowieso der einzige bin der zahlt...

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  • Maxim am 14.09.2018 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An mengen Aen heleft gratis Transport naischt. Well wann een lo den Auto geint Öffentlechen Transport rechent an den Auto am deiersten. Sou kann een jo dann och msm Bus Zuch fueren mae vill Leit wellen dat net weinst flexibiliteit, ankaafen oder rausgoen. An wei soll dat mat der 1. Klass dann funktioneiren. En bellegen Tarif jo dann hellt sech jidereen wou lo 2. Klass fier dei 1. Klass an dann sin ze weineg Platzen do. An Kontrollen sollen schon sin och weinst der Secherheet schon nemmen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • van Helsing am 14.09.2018 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    eieiei wann ech gesin wei se all blären muss gratis sen ... Hei an eisem ländchen kascht en 2 Stonnen Ticket 2Euro , ganzen daag kritt ehn vier 4 ? Monats abos kritt ehn och vir 50 Euro mir kann kehn sohen dass dat mei deier ass wei mam Auto ! an eisen Bus an Zuch Infrastruktur ass super ausgebaut kuckt iech soss iwwerall em neirens besser an belleger !

  • Marc am 14.09.2018 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Was hilft es wenn es Kostenlos ist wenn nur 1 Bus wor Stunde fährt und nicht mal ins Nachbardorf? In einer Großstadt oder grösserer Stadt ist das vieleicht von Vorteil, aber auf dem Land ändert das nichts am Nutzungsverhalten. Und mit dem M-Pass, wo der Arbeitgeber miteinsteigt kann dieser für ein Jahr (je nach Größe des Betriebs) um die 180euro sein.

  • de Bus-Heini am 14.09.2018 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht weniger um den Preis als vielmehr um das Angebot. Ich habe mir jetzt mal erlaubt herauszufinden wie lange man mit dem öffentlichen Verkehr von Weiswampch bis Esch-Belval brauchen würde: 3 Stunden, für 100 Kilometer. Würde jemand 6 Stunden Fahrt (hin und zurück) auf sich nehmen auch wenn es gratis wäre?

  • jch am 14.09.2018 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Steuerzahler bezahlen für alle.

  • Maxim am 14.09.2018 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An mengen Aen heleft gratis Transport naischt. Well wann een lo den Auto geint Öffentlechen Transport rechent an den Auto am deiersten. Sou kann een jo dann och msm Bus Zuch fueren mae vill Leit wellen dat net weinst flexibiliteit, ankaafen oder rausgoen. An wei soll dat mat der 1. Klass dann funktioneiren. En bellegen Tarif jo dann hellt sech jidereen wou lo 2. Klass fier dei 1. Klass an dann sin ze weineg Platzen do. An Kontrollen sollen schon sin och weinst der Secherheet schon nemmen.