Pornografie

05 février 2015 14:39; Act: 05.02.2015 15:49 Print

«Luxemburger sind nicht perverser als andere»

LUXEMBURG - Was bedeuten die Ergebnisse der großen Porno-Studie von «L'essentiel» und den Statistikern von Pornhub? Wir haben mit einem Experten gesprochen.

Voir le diaporama en grand »

op Däitsch
Une faute?

Porno ist populär – auch im Großherzogtum. Worauf die Luxemburger bei den heißen Filmen im Internet abfahren, haben wir bereits am Dienstag berichtet. Eines der überraschenden Resultate: Vor allem «große» Dinge sind hierzulande gefragt. Mehr dazu lesen sie in unserem Bericht, der gemeinsam mit Statistikern von Pornhub, der größten Pornowebseite der Welt, entstand.

Aber was bedeuten die Ergebnisse der großen Datensammlung im Großherzogtum? Tickt der Luxemburger normal? Und wie wirkt sich der einfache Konsum im Netz auf die Gesellschaft aus? Wir haben mit Simon Görgen gesprochen, Mitarbeiter im Team Sexualpädagogik beim Verein Planning Familial in Luxemburg-Stadt (siehe Infobox). Er sagt: Der Konsum von Pornografie im Internet ist mittlerweile zur Normalität geworden. «Es ist ja nicht umsonst ein so großes Geschäft.» Und so lange es oberstes Gesetz ist, dass der Sex vor der Kamera und der Konsum der Filme selbstbestimmt geschieht, sei nichts dagegen einzuwenden. «Man muss sich nicht dafür schämen», sagt Görgen. «Pornografie kann und darf zur Sexualität dazugehören.»

Die Luxemburger sind «ganz normal»

Auch, was das Konsumverhalten im Großherzogtum angeht, gibt der Experte Entwarnung: Der Luxemburger sei in seinen Vorlieben nicht «perverser» als jeder andere Erdenbewohner. Jugendlichen rät der Diplom-Pädagoge aber zur Vorsicht. Denn besonders bei ihnen macht sich der einfache Zugang zu harter Pornografie bemerkbar. «Wenn die erste sexuelle Erfahrung ein Hardcore-Porno ist, bekommen viele junge Menschen ein falsches Bild vom ersten Mal», erklärt der 30-Jährige.

Görgen und seine Kollegen besuchen deshalb regelmäßig Luxemburger Schulen und klären den Nachwuchs auf. Die Spezialisten bieten sogar Sexualkunde-Kurse für Viertklässler an. Dabei wird vor allem über die körperlichen Veränderungen geredet, die in der Pubertät passieren. Bei älteren Schülern geht es dann um die Themen Sexualität, Prävention – und auch Pornografie. «Neunjährige haben noch eher selten Erfahrungen mit Pornografie gemacht», sagt Görgen. «Wenn Schüler aus den höheren Stufen ihnen auf dem Handy ein Hardcore-Porno zeigen, wissen sie nicht, was links und rechts ist.» Es sei aber schon vorgekommen, dass auch Neunjährige ihn im Unterricht gefragt haben, was Pornografie ist. «Dann erkläre ich, was das ist – und was der Unterschied zu einer Partnerschaft in der Realität ist», sagt er.

Wichtiges Aufklärungsthema

Das sei ein wichtiges Thema, das bei den Jugendlichen von heute angesprochen werden muss, sagt der Experte. Denn einige der 13- bis 16-Jährigen, die schon Erfahrungen mit Pornografie haben, denken, dass es «zu Hause im Bett» genauso sein sollte, wie im Film. «Da gilt es zu sagen: Das sind Pornodarsteller – Schauspieler, für die Sex vor laufender Kamera ein Jobs ist», sagt Görgen. Die persönliche Sexualität sei etwas ganz anders. «Dort tastet man sich als Jugendlicher langsam hin.»

Görgen stellt fest, dass der harte Sex in den Porno-Streifen bei vielen Jugendliche Verwirrung stiftet. «Besonders in Gruppen wird sehr offen über Sexualität gesprochen, Dinge werden bewertet und benannt.» So könne es passieren, dass das, was in den Sexfilmen passiert, für den «richtigen» Sex gehalten wird. «Es ist nicht unsere Aufgabe zu sagen, was richtig oder falsch ist – aber wir müssen erklären, worin sich Pornografie von der eigenen Sexualität unterscheidet.» Nicht alle Frauen würden beispielsweise darauf stehen, dass ihnen Männer ins Gesicht ejakulieren. Wenn ein junger Mann mit diesem Frauenbild durch die Welt gehen würde, «findet er vielleicht nicht viele Frauen, die ihn toll finden». Denn: «Nur weil es den Frauen im Porno gefällt, heißt das nicht, dass es den Frauen in der Realität auch gefällt.»

Was die allgemeine sexuelle Entwicklung der Jugendlichen betrifft, kann Görgen besorgte Eltern beruhigen: Zwar seien die Kids von heute mit Bildern und Filmen konfrontiert, wie es ihre Eltern noch nicht waren. «Aber sie sind genauso unbedarft, wie wir es waren. Ich sehe keinen Unterschied zu meiner Generation», sagt der 30-jährige Pädagoge. «Wenn man etwas an der Oberfläche kratzt, sind Jugendliche doch auf der Suche nach Liebe, Treue und Freundschaft.»

Den Artikel über das Nutzungsverhalten der Luxemburger Porno-Schauer finden Sie hier. Zum Statistik-Blog von Pornhub geht es hier.

(sen/L'essentiel)

Vous venez de publier un commentaire sur notre site et nous vous en remercions. Les messages sont vérifiés avant publication. Afin de s’assurer de la publication de votre message, vous devez cependant respecter certains points.

«Mon commentaire n’a pas été publié, pourquoi?»

Notre équipe doit traiter plusieurs milliers de commentaires chaque jour. Il peut y avoir un certain délai entre le moment où vous l’envoyez et le moment où notre équipe le valide. Si votre message n’a pas été publié après plus de 72h d’attente, il peut avoir été jugé inapproprié. L’essentiel se réserve le droit de ne pas publier un message sans préavis ni justification. A l’inverse, vous pouvez nous contacter pour supprimer un message que vous avez envoyé.

«Comment s’assurer de la validation de mon message?»

Votre message doit respecter la législation en vigueur et ne pas contenir d’incitation à la haine ou de discrimination, d’insultes, de messages racistes ou haineux, homophobes ou stigmatisants. Vous devez aussi respecter le droit d’auteur et le copyright. Les commentaires doivent être rédigés en français, luxembourgeois, allemand ou anglais, et d’une façon compréhensible par tous. Les messages avec des abus de ponctuation, majuscules ou langages SMS sont interdits. Les messages hors-sujet avec l’article seront également supprimés.

Je ne suis pas d’accord avec votre modération, que dois-je faire?

Dans votre commentaire, toute référence à une décision de modération ou question à l’équipe sera supprimée. De plus, les commentateurs doivent respecter les autres internautes tout comme les journalistes de la rédaction. Tout message agressif ou attaque personnelle envers un membre de la communauté sera donc supprimé. Si malgré tout, vous estimez que votre commentaire a été injustement supprimé, vous pouvez nous contacter sur Facebook ou par mail sur feedback@lessentiel.lu Enfin, si vous estimez qu’un message publié est contraire à cette charte, utilisez le bouton d’alerte associé au message litigieux.

«Ai-je le droit de faire de la promotion pour mes activités ou mes croyances?»

Les liens commerciaux et messages publicitaires seront supprimés des commentaires. L’équipe de modération ne tolérera aucun message de prosélytisme, que ce soit pour un parti politique, une religion ou une croyance. Enfin, ne communiquez pas d’informations personnelles dans vos pseudos ou messages (numéro de téléphone, nom de famille, email etc).

Les commentaires les plus populaires

  • Lizzie le 05.02.2015 15:02 Report dénoncer ce commentaire

    Hierzu gibt es eine interessant Doku über die Frühsexualisierung von Kinder und Jugendlichen : Vom Strampler zu den Strapsen von 3SAT :

  • Christina Geiger le 06.02.2015 09:26 Report dénoncer ce commentaire

    Sehr interessanter und hilfreiche Erläuterungen! Danke für den tollen Bericht und die beruhigenden Worte von Herrn Görgen!

  • Lizzie le 05.02.2015 14:59 Report dénoncer ce commentaire

    Hierzu gibt es eine Doku von 3sat.

Les derniers commentaires

  • Christina Geiger le 06.02.2015 09:26 Report dénoncer ce commentaire

    Sehr interessanter und hilfreiche Erläuterungen! Danke für den tollen Bericht und die beruhigenden Worte von Herrn Görgen!

  • Lizzie le 05.02.2015 15:02 Report dénoncer ce commentaire

    Hierzu gibt es eine interessant Doku über die Frühsexualisierung von Kinder und Jugendlichen : Vom Strampler zu den Strapsen von 3SAT :

  • Lizzie le 05.02.2015 14:59 Report dénoncer ce commentaire

    Hierzu gibt es eine Doku von 3sat.