«Sixthfloor»

08. Dezember 2020 07:46; Akt: 08.12.2020 08:05 Print

Luxemburgisches Künstler-​​Kollektiv geht mit der Krise

KOERICH – Abgesagte Ausstellungen und geschlossene Galerien: Künstler hat die aktuelle Krise schwer getroffen. Jetzt organisiert sich ein Kollektiv neu.

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«Wir hören nie auf zu arbeiten, auch wenn die Zeit stillsteht», sagt der Bildhauer Tom Flick in seinem Atelier mit großen Spiegeln und seinen Alabaster-Skulpturen, wo er sich seine Kunst bewahrt – trotz Corona-Pandemie. Flick bemüht sich, das Positive in der Krise zu sehen: «Ich habe mehr geschaffen als sonst, und vielleicht sogar mit mehr Qualität.»

Tom Flick arbeitet seit 20 Jahren in einem alten Sägewerk am Stadtrand von Koerich. Zusammen mit sechs anderen Künstlern bilden sie das unabhängige Kollektiv «Sixthfloor». Sie alle hat die Krise frontal erwischt. Als Holzbildhauer sollte Wouter Van der Vlugt in den vergangenen Monaten in Venedig und Paris ausstellen. Alles abgesagt. Doch ohne eine Ausstellung, ohne eine Galerie gibt es auch kein Einkommen. Nur: Miete und Nebenkosten fallen weiter an. Vom 15. bis 29. November veranstalteten sie ihre jährliche Ausstellung. Doch obwohl alle Maßnahmen umgesetzt und sogar beheizte Laubengänge im Freien eingerichtet wurden, verzeichneten sie kaum 20 Prozent der üblichen Besucherzahl.

«Die Auswirkungen werden wir in zwei oder drei Jahren spüren»

Allerdings habe auch keiner der Künstler des Sixthfloor finanzielle Unterstützung beantragt. Eine Entscheidung für die Unabhängigkeit. In diesem Jahr haben alle von ihnen überlebt – mit Kommissionen von Hotels und lokalen Behörden, die aufrechterhalten wurden. Tom Flick konnte einen drei Tonnen schweren Buddha aus Granit ausliefern. «Zwischen Januar und November habe ich 16 neue Skulpturen geschaffen», erklärt er. Auch Dank des alten Sägewerks, das jetzt Ausstellungsraum, Werkstatt und Rohstofflager zugleich ist.

«Die wirklichen Auswirkungen werden wir in zwei oder drei Jahren spüren», meint Flick. Alles würde von der Wiedereröffnung der Räumlichkeiten, dem Vertrauen der Galeristen und dem öffentlichen Interesse abhängen. «Es kostet eine Menge Energie und Reorganisation», sagt Katarzyna Kot-Bach, ein weiteres Mitglied des Kollektivs, und fügt hinzu: «Wir beschweren uns nicht. Die Zeit erlaubt es uns, unsere Kunst wieder auf das richten, was wir wirklich wollen». Dennoch hätten auch sie, so Flick, «alle Fixkosten, Autos und Kredite. Wir versuchen nur, uns über Wasser zu halten.»

Doch dafür müssen sie auch neue Wege einschlagen: «Die Krise zwingt uns, die gewohnten Pfade zu verlassen. Ich denke, die gesamte Kulturlandschaft wird sich verändern», sagt Wouter Van der Vlugt. Als unabhängige Künstler seien sie an die Höhen und Tiefen der letzten 20 Jahre gewöhnt, aber «ich habe vor allem Angst vor den Folgen all dessen auf globaler Ebene, auf unsere Gesellschaft», sagt Van der Vlugt.

(nc/L'essentiel)

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