Corona-Pandemie

03. Dezember 2020 07:57; Akt: 03.12.2020 08:08 Print

Luxemburgs Religionen ziehen an einem Strang

LUXEMBURG – Auch die Gotteshäuser müssen wegen der Pandemie neue Wege gehen. «L'essentiel» hat mit katholischen, jüdischen und muslimischen Religionsvertretern gesprochen.

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Die katholischen Kirchen sind meist so groß, dass sie trotz Abstandsregeln genügend Platz für ihre Gläubigen haben.

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Während in Luxemburgs Nachbarländern – so etwa in Frankreich – die Gotteshäuser wegen der Pandemie schließen mussten und heftige Debatten entbrannt sind, sind ähnliche Diskussionen hierzulande bisher ausgeblieben. Das könnte das Ergebnis des ständigen Dialogs der Kirchen seit Beginn der Pandemie sein. Neben dem regelmäßigen Austausch mit der Regierung, haben sich die Kirchenvertreter erst kürzlich mit Großherzog Henri getroffen.

«Egal welche Entscheidung getroffen wird, wir werden sie akzeptieren», erklärt Eric Risch, Generalsekretär der Shoura, gegenüber L'essentiel. Dennoch sehen die Kirchenvertreter eine eventuelle Schließung mit Argwohn. Die katholische Kirche etwa hält sie für «unnötig».

Hygienemaßnahmen sollen Ausbreitung verhindern

«Mit den strengen Hygienemaßnahmen, die wir dem Gesundheitsministerium vorgelegt hatten, glauben wir, verhindern zu können, dass das Virus sich weiter ausbreitet», führt Generalvikar Patrick Muller aus. Für das Consistoire Israélite du Luxembourg wäre eine solche Entscheidung sogar nachteilig. «Es wäre auf geistiger, emotionaler, moralischer und sozialer Ebene schädlich», glaubt Alain Nacache, Oberrabbiner des Großherzogtums Luxemburg.

Das Oberhaupt der jüdischen Gemeinschaft hält es für besonders wichtig, dass gerade in dieser schwierigen Zeit die Kirchen für ihre Mitglieder da sein und Halt geben können. Besonders wichtig sei das für die Älteren, die unter der Isolation leiden.

Mehr Messen an Weihnachten

Die Regierung hat bisher nicht beschlossen, Gotteshäuser zu schließen. Es ist lediglich vorgeschrieben Masken zu tragen und einen Mindestabstand von zwei Metern einzuhalten. Eine Maßnahme, an die sich Katholiken mit ihren Kirchen und Juden leicht anpassen könnten. «Die Synagoge ist groß genug, um etwa dreißig Gläubige während der Schabbat-Gottesdienste zweimal pro Woche unterzubringen», erklärt Alain Nacache.

Die Diözesanverwaltung hat in den Kirchen außerdem eine Voranmeldung für Teilnehmer an der Messe eingeführt. Von der Kommunion am Ende der Messe wird nachdrücklich abgeraten und der Kommunionsunterricht wird bis zum Ende des Jahres gestrichen. Weihnachten dieses Jahr wird in den Gemeinden wohl anders ablaufen als gewohnt. «Einige Gemeinden bieten mehrere Weihnachtsmessen an, damit die Gläubigen sich auf unterschiedliche Zeiten verteilen. Andere Pfarreien werden auf Livestreaming zurückgreifen», erklärt Generalvikar Muller.

«Gottesdienste sind wichtiger geworden»

Für Muslime sind die Einschränkungen wegen einiger Bräuche des Islams eine Herausforderung. Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, werden die Gläubigen gebeten, die Gebetswaschung zu Hause zu machen und ihre eigenen Gebetsteppiche mitzubringen. Am meisten Schwierigkeiten bereiten die Gebetsräume, die manchmal sehr eng sind. «Deshalb gibt es in vielen Moscheen nun mehr Predigten. Manche machen freitags drei oder vier», sagt Eric Risch.

In einem Punkt sind sich alle drei Männer einig: Dass die Widrigkeiten die Gläubigen nicht davon abhielten die Gottesdienste zu besuchen. «Im Gegenteil. Für viele Gläubige sind die Gottesdienste wichtiger geworden», schließt Patrick Muller.

(th/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • RAMEN am 03.12.2020 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Und was ist mit dem Pastafarianismus ( Kirche des fliegenden Spaghettimonsters ) ? Auch die sollte man befragen !!!

  • Luluu am 03.12.2020 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich hält sich jeder für wichtig.

Die neusten Leser-Kommentare

  • RAMEN am 03.12.2020 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Und was ist mit dem Pastafarianismus ( Kirche des fliegenden Spaghettimonsters ) ? Auch die sollte man befragen !!!

  • Luluu am 03.12.2020 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich hält sich jeder für wichtig.