Rückblick

09. Januar 2021 06:00; Akt: 08.01.2021 19:05 Print

Nicht alles im vergangenen Jahr war Corona

LUXEMBURG – Die ersten Gedanken zum Jahr 2020 gehören natürlich der Corona-Pandemie. Aber das ist längst nicht alles. Und längst nicht alles war schlecht.

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Die Corona-Pandemie hat das Jahr 2020 geprägt. Aber nicht alles. Und längst nicht alles war schlecht. (Bild: dpa/Cour Grand-Ducale)

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Corona, Corona und «bleift doheem!» So in etwa ließe sich das Jahr 2020 relativ schnell zusammenfassen. Für viele Menschen ist das Jahr 2020 schon alleine wegen der Pandemie ein verkorkstes. Doch nicht alles, was die Menschen 2020 bewegte, war durch Covid-19 bedingt – und nicht alles davon war deshalb schlecht.

Natürlich erinnern wir uns an die Bilder aus China, wo wir Millionenstädte wie Wuhan komplett abgeriegelt sahen und Ausgangssperren verhängt wurden, um die Verbreitung des Virus zu verhindern. Doch zu diesem Zeitpunkt war das Virus noch weit weg und die Menschen in Europa feierten noch – nicht nur in Ischgl. Auch Sportveranstaltungen, wie etwa die Australian Open in Melbourne, fanden uneingeschränkt statt.

Erst als die WHO im März den Corona-Ausbruch zur Pandemie erklärte, war wohl beinahe jedem klar: Es ist ernst. In Europa war Italien das erste Land, das vom Virus regelrecht übermannt wurde – wo die Horrorvorstellung des Begriffs «Triage» Wirklichkeit wurde. Der Gedanke, entscheiden zu müssen, wer die Behandlung erhält und gerettet wird und wer nicht, weil die Kapazitäten begrenzt sind, sowie die Bilder aus den Krankenhäusern Italiens, sind in den Köpfen hängen geblieben.

Tiefe Einschnitte und kleine Lichtblicke

Ebenso bekamen wir tiefe Einschnitte in unser gesellschaftliches Leben zu spüren, den Einbruch der Wirtschaft, geschlossene Theater und Museen sowie abgesagte Events oder Urlaubsreisen machten uns die Ausmaße der Pandemie deutlich. Alle größeren Ereignisse wie Europa-oder Weltmeisterschaften in nahezu allen Sportarten, ebenso wie die Olympischen Spiele in Tokio oder der Spielbetrieb in beinahe allen Sport-Ligen wurden ausgesetzt oder verschoben. Der anschließende erste Lockdown in den europäischen Ländern und vor allem die damit verbundenen Grenzschließungen und Quarantänemaßnahmen stellten ganz Europa, die Großregion und auch das Großherzogtum vor neue Herausforderungen.

Doch inmitten der Pandemie präsentierte auch der Großherzogliche Hof die ersten offiziellen Bilder von Prinz Charles, dem Sohn von Erbgroßherzog Guillaume und seiner Frau Stéphanie. Und wir erinnern uns an noch viel mehr schöne Bilder: Denn ohne den massenhaften Schiffs-, Flug- und Autoverkehr, schien es, als hätte die Umwelt wieder Zeit sich zu regenerieren, als eroberten sich die Tiere ihren Lebensraum zurück. Delfine am Bosporus, in Venedig oder vor der Küste Kaliforniens.

Aber auch die Menschen wollten trotz – oder gerade wegen – der Pandemie etwas bewegen: Jeder auf seine Art: Der Künstler Vito Labalestra etwa fing mit einem Video die Stimmung der Hauptstadt Luxemburg im Lockdown ein. Ironman-Weltmeister Jan Frodeno verlegte seinen Ironman kurzerhand ins Wohnzimmer und den eigenen Pool. Oder der Veteran Tom Moore, der mit seinem Spendenlauf am Rollator rund 37 Millionen Euro zu Gunsten des britischen Gesundheitssystems sammelte – und nicht nur zum Held vieler Briten, sondern von der Queen höchstpersönlich zum Ritter geschlagen wurde.

Extremwetter und Jahrhundertjahrgang

Das Jahr 2020 war auch ein Jahr der Extremwetter. Die luxemburgischen Winzer an der Mosel erwarteten durch die hohen Temperaturen einen weiteren Jahrhundertjahrgang, spürten aber nicht zum ersten Mal die Auswirkungen des Klimawandels. Dieser zeigte jedoch vor allem in anderen Regionen der Erde sein Gesicht: Die Rekordhitze am Nordpolarkreis, die die verheerenden Brände in Sibirien immer wieder auflodern ließ, bereitete den Forschern ebenso Kopfzerbrechen wie die zerstörerischen Buschbrände in Australien, die Millionen Tieren das Leben kostete, oder die Waldbrände in den Vereinigten Staaten. Ob Waldbrände oder Wirbelstürme, nie war es so schlimm: Hurricane «Iota», der sich im November auf Mittelamerika zubewegte, war bereits der 30. Sturm in diesem Jahr, der stark genug war, um einen Namen zu bekommen – der bisherige Rekord lag bei 28.

Weder die Pandemie, noch die Naturkatastrophen hinderten die Menschen für ihre Rechte und ihre Freiheit auf die Straße zu gehen und zu protestieren wie in Belarus, Hongkong, oder den USA: «I can't breathe» (ich kann nicht atmen) ist George Floyds letzter Satz vor seinem Tod durch Polizeigewalt in den USA, der auch noch auf Video aufgezeichnet wurde. George Floyd wird zum Symbol einer weltweiten Bewegung. Auch, wenn die Proteste und Ausschreitungen nirgends so groß waren wie in den Vereinigten Saaten, Rassismus ist kein nationales Problem der USA, sondern ein weltweites, auch in Luxemburg. Das würde zumindest die Reichweite der «Black lives matter»-Bewegung erklären.

Der Impfstoff als Hoffnungsträger

Eine Bewegung, die sicher nicht ohne Einfluss auf den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl war. Denn auch wenn ein großer Teil der US-Bürger nicht unbedingt für den Herausforderer Joe Biden war, so einte sich eine Mehrheit gegen einen Donald Trump im Weißen Haus, der sich partout weigerte, rechtsradikale Gewalt zu verurteilen. Ein weiterer Grund für die Wahlniederlage von Trump könnte auch sein Umgang mit der Corona-Pandemie sein, die in den USA bislang mehr als 336.000 Menschen das Leben gekostet hat.

Nur wenige Tage nach der US-Wahl vermeldeten die Impfstoffentwickler wie etwa Biontech/Pfizer erste Erfolge. Ein erstes kleines Licht am Ende des Tunnels. Die Betonung liegt auf «klein», obwohl die Gesundheitsbehörden in den USA, in Großbritannien und in der EU dem Impfstoff die Freigabe bereits wenige Wochen später erteilen. In Luxemburg wird seit dem 28. Dezember geimpft, 36.000 Menschen sollen bis März den Impfstoff erhalten. Auf der ganzen Welt wächst die Hoffnung, dass vielleicht bald schon ein Stück Normalität zurückkehrt. Aber auch das wird seine Zeit brauchen. Und bis ein Großteil der Menschen geimpft ist, heißt es wohl weiterhin: «Bleift doheem!»

(aub/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kreuzritter am 09.01.2021 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Der Veteran Tom Moore, der mit seinem Spendenlauf am Rollator rund 37 Millionen Euro zu Gunsten des britischen Gesundheitssystems sammelte – und nicht nur zum Held vieler Briten, sondern von der Queen höchstpersönlich zum Ritter geschlagen wurde. Waat hues de dovun,wans de zum Ritter geschloen ges? Et wär wirklech besser,Queen hätt die gleich Zomm iwerwissen,well sie huet der massich an brauch se nit. Alt erem eng Gelegenheet verpasst fir an der Öffentlichkeet ze Punkten.

  • Paranoia am 11.01.2021 06:34 Report Diesen Beitrag melden

    ach ja, das waren noch schöne Zeiten, als der Januar 2020 noch nicht Corona war ... da gab es noch die Meinungsfreiheit, die nach dem Luxsport-Wuhanbesuch durch Corona abgeschafft wurde u sich durch ein pharma-regierungszwangsgesteuertes Jahr zum Coronaimpfzwangmonat Januar 2021 entwickelt hat ... u die Meinungsfreiheit, sowie die Impffreiheit können wir uns schnellstens in kürzester Zeit abschminken, denn sonst kommen die Sanktionen wegen Verschwörungstheorien! ... die Verfolger sind uns auf den Fersen mit ihren Spritzen voller ???en im Gepäck ...

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  • Paranoia am 11.01.2021 06:34 Report Diesen Beitrag melden

    ach ja, das waren noch schöne Zeiten, als der Januar 2020 noch nicht Corona war ... da gab es noch die Meinungsfreiheit, die nach dem Luxsport-Wuhanbesuch durch Corona abgeschafft wurde u sich durch ein pharma-regierungszwangsgesteuertes Jahr zum Coronaimpfzwangmonat Januar 2021 entwickelt hat ... u die Meinungsfreiheit, sowie die Impffreiheit können wir uns schnellstens in kürzester Zeit abschminken, denn sonst kommen die Sanktionen wegen Verschwörungstheorien! ... die Verfolger sind uns auf den Fersen mit ihren Spritzen voller ???en im Gepäck ...

  • Kreuzritter am 09.01.2021 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Der Veteran Tom Moore, der mit seinem Spendenlauf am Rollator rund 37 Millionen Euro zu Gunsten des britischen Gesundheitssystems sammelte – und nicht nur zum Held vieler Briten, sondern von der Queen höchstpersönlich zum Ritter geschlagen wurde. Waat hues de dovun,wans de zum Ritter geschloen ges? Et wär wirklech besser,Queen hätt die gleich Zomm iwerwissen,well sie huet der massich an brauch se nit. Alt erem eng Gelegenheet verpasst fir an der Öffentlichkeet ze Punkten.