Kampf gegen Rassismus

15. Januar 2021 07:57; Akt: 15.01.2021 08:03 Print

Nicht jeder darf an «Lëtz Rise Up»-​​Webinar teilnehmen

LUXEMBURG - Die antirassistische Vereinigung «Lëtz Rise Up» organisiert ein Webinar nur für «rassifizierte Menschen». Ein umstrittenes Konzept.

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Sandrine Gashonga, Präsidentin von Lëtz Rise Up wird das Webinar mit moderieren. (Bild: Editpress)

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Die luxemburgische feministische und antirassistische Vereinigung «Lëtz Rise Up» organisiert diesen Samstag ein «nicht gemischtes» Webinar. Ein relativ neues Konzept in Luxemburg*, das in den Nachbarländern bereits Kontroversen ausgelöst hat. Unter dem Titel «Struktureller Rassismus in Luxemburg: Worüber reden wir?» steht die virtuelle Konferenz «Weißen» daher nicht offen, sondern «allen rassifizierten Menschen, die sich vom Kampf gegen Rassismus betroffen fühlen, in unbegrenzter Zahl und mit Anmeldung», erklärt Sandrine Gashonga, Präsidentin der Initiative und Mitveranstalterin.

Die Präsidentin von «Lëtz Rise Up» ist sich bewusst, wie sensibel diese Art von Treffen in der Öffentlichkeit sind, und rechnet mit Kritik: «Die Gegner dieser Treffen schreien nach «Kommunitarismus» oder «Rassismus gegen Weiße» und vergessen dabei, dass Gewerkschafter, wenn sie sich in einem gewählten, nicht gemischten Rahmen treffen, um Aktionen zu besprechen, die sie betreffen, keine Manager oder Bosse einladen, und das scheint niemanden zu schockieren», erklärt sie und erinnert daran, dass diese Art von Treffen «in den 1960er Jahren in den USA in Kreisen von Bürgerrechtsaktivisten entstanden sind».

« Wenn es für das Zusammenleben nützlich ist, warum nicht »

Das Interesse der Aktivisten besteht darin, sich zwischen den direkt Betroffenen zu treffen, um «frei sprechen zu können, ohne Gefahr zu laufen, dadurch delegitimiert zu werden. Um spezielle Themen und Fragen im Zusammenhang mit unseren Unterdrückungen voranzutreiben, ohne das Risiko, zum Schweigen gebracht zu werden», erklärt Sandrine Gashonga. Die luxemburgische Integrationsministerin Corinne Cahen versteht diese Begründung und verweist auf «die vorteilhaften Effekte der Nichtvermischung, die durch sozialwissenschaftliche Forschung belegt sind».

Auf Nachfrage von L'essentiel ist Cahen «nicht schockiert» über die Organisation eines solchen Webinars: «Die Methode ist nicht neu. Luxemburg ist ein weltoffenes Land. Wenn es für das Zusammenleben nützlich ist und wenn Menschen, die Opfer von Rassismus sind, sich besser ausdrücken können, warum nicht.» Sie ist der Meinung, dass «die Verbände das Recht haben, ihre eigenen Kriterien zu definieren». Das Ministerium seinerseits würde ein solches Treffen jedoch «nicht organisieren», sagt sie und betont die Werte der «Vielfalt und Nicht-Diskriminierung».

Die Nichtregierungsorganisation ASTI (Association de soutien aux travailleurs immigrés), die sich im Kampf gegen Rassismus in Luxemburg engagiert, ist für sich der Ansicht, dass Rassismus «nicht mit Abschottung bekämpft werden kann» und dass es ungeeignet sei, «jemanden auszuschließen, da jeder im Kampf gegen Rassismus legitim ist». Ihr Sprecher, Sergio Ferreira, ruft daher die Aktivisten auf, «das Universelle nicht aufzugeben». Für ihn muss der Kampf gegen Diskriminierung jedermanns Sache sein, «besonders in einer so vielfältigen Gesellschaft wie Luxemburg».

*Ein erstes Treffen dieser Art wurde von «Lëtz Rise Up» anlässlich des Frauenstreiks organisiert.

(Thomas Holzer/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Meinung am 15.01.2021 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Achtung, wer nur rassifizierte zu lässt, und wie es aus sieht in diesem Falle Weisse nicht, der schürt, den Rassismus. Ürigens, was ist heisst weis, schwarz, gelb, rot oder wie in manchen Ländern sogar gesagt color, weil verschiedene Rassen sich vermischt haben. Wer gehört nun zu was?

    einklappen einklappen
  • Dusninja am 15.01.2021 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    "Corinne Cahen versteht diese Begründung und verweist auf «die vorteilhaften Effekte der Nichtvermischung, die durch sozialwissenschaftliche Forschung belegt sind»"... Steile These für eine INTEGRATIONSministerin. Ich hoffe sie meint das nicht gesamtgesellschaftlich.

  • einfach TOP am 15.01.2021 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    Nemmen esou kann d'Zesummenliewen teschend den verschidden Groupen verbessert ginn andéems éen mol kloer eng Groupe bei den Gespréicher ecartéiert. Esou schafft éen Verständniss an Matgefill.

Die neusten Leser-Kommentare

  • kaa am 15.01.2021 17:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlech bewirkt dess Veranstaltung nett genau de Géigendeel vum ungekennegtenZiel an beweist sech als exklusiv an net inklusiv Manifestatioun? an anneren Wierder ee BauSteen am anti-blanc Mouvement?

  • Vecse am 15.01.2021 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wie würde Ministerin Cahen reagieren wenn eine Gruppe die Idee hätte einen Meeting zu organisieren wo es für die Farbigen verboten wäre? Wir haben nicht gegen Rassismus und Diskrimination gekämpft um wieder eine razialgetrennte Gesellschaft zu erschaffen wie in der Zeit von der Apartheid...

  • Teile und hersche am 15.01.2021 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    An esou eng ASBL kritt Subventionen vun de Steierzuehler! Dat hhecht den Weisse Mann därf finanzéieren. As dat dann net eng form vun diskriminatioun. Wann ech dann Muar als Fussballverain nemmem weiss Spilleren well hun? Wann ech als Patron keen Farwegen well astellen, wannech als Propriétaire keen Farwegen well ??? So fuerdert Mme Gashongo Rassentrennung. Hiert Ziel as "Diviser pour reigner". Sie wellt einfach eng "Machtposition"; Da do DP , mam Cahen, dat ennerstetzen ennerschreiwt och ier échen Muechtpolitik.

  • Locktown am 15.01.2021 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Fir rietsradikal ze ginn brauch een net Rietsen nozelauschteren, mee et brauch esou Veranstaltungen.

  • jean-paul am 15.01.2021 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    leute wegen ihrer rasse ausschliessen ist rassismus per definition. linker faschismus wird echt zum problem