Plagiatsaffäre

28. Oktober 2021 07:15; Akt: 28.10.2021 08:08 Print

Opposition fordert Bettel nicht zum Rücktritt auf

LUXEMBURG – Die Vorwürfe gegen Premier Xavier Bettel haben (noch) keine Rücktrittsforderungen nach sich gezogen. CSV, Linke, Piraten und ADR wollen zunächst abwarten.

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Bislang hüllt sich die Opposition zu den Plagiatsvorwürfen gegen Premier Bettel in Schweigen. (Bild: Editpress)

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Xavier Bettel wird derzeit vom Jahr 1999 eingeholt. Damals verfasste der heutige Premierminister an der Universität von Nancy seine Abschlussarbeit mit dem Titel «Vers une réforme possible des modes de scrutin aux élections du Parlement européen?» (Zu einer möglichen Reform des Wahlsystems bei den Wahlen zum Europäischen Parlament). Wie das Portal reporter.lu am Mittwoch berichtete, sei Bettels DEA-Arbeit («Diplôme d’Études Approfondies») ein «Sammelsurium aus abgeschriebenen Passagen». Auf 54 der insgesamt 56 Seiten seien fremde Texte ohne Fußnote übernommen worden. Lediglich Passagen in der Einleitung und im Fazit seien Bettels Feder entsprungen.

Die Opposition sparte zwar nicht mit Kritik, forderte aber auch nicht Bettels Rücktritt: «Die Anschuldigungen sind sehr schwerwiegend. Wir warten nun darauf, dass die Université Lorraine Stellung bezieht», so Martine Hansen, Co-Vorsitzende der CSV-Fraktion. Weiter äußern möchte sie sich zu diesem Thema nicht. Nathalie Oberweis (Déi Lénk) sprach ebenfalls von «schwerwiegenden Vorwürfen, die die professionelle Methode des Premierministers in Frage stellen». Allerdings habe auch sie «nicht die Absicht, sich mit einer 20 Jahre zurückliegenden Affäre zu befassen». Aufseiten der Koalition hat Josée Lorsché «nichts zu dem Thema zu sagen. Ich habe die Reaktion von Herrn Bettel zur Kenntnis genommen, es steht mir nicht zu, darüber zu urteilen». Für Fernand Kartheiser (ADR) «gilt zunächst die Unschuldsvermutung. Sven Clement von den Piraten forderte ebenfalls nicht den Rücktritt: «Durch solche Affären wird die Glaubwürdigkeit weiter untergraben.»

« Man hätte es anders machen sollen »

Der Premier hat laut reporter.lu ganze Seiten an Fremdmaterial wiedergegeben ohne die Quelle anzugeben. Auch auch ein Bericht, den der griechische Europaabgeordnete Georgios Anastassopoulos im Jahr zuvor verfasst hatte, tauchte in Bettels Abschlussarbeit auf. «Xavier Bettel hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, das Plagiat zu verbergen», so reporter.lu. «Vor mehr als 20 Jahren habe ich meine Arbeit geschrieben. Sie wurde von der Universität Nancy bewertet und anerkannt», so der Premierminister. Bettel hat das Werk nach eigenen Angaben «nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben».

«Aus heutiger Sicht erkenne ich, dass man es hätte anders machen sollen, ja vielleicht anders machen müssen», räumte Bettel in einer Erklärung am Mittwoch ein. Er zieht sogar die Konsequenzen in Betracht: «Ich vertraue voll und ganz der Universität Nancy zu beurteilen, ob die betreffende Arbeit den Kriterien der damaligen Zeit entspricht. Sollte dies nicht der Fall sein, akzeptiere ich natürlich eine entsprechende Entscheidung.» Die Université Lorraine erwarb 2012, also lange nach Bettels Zeit, eine Software zur Erkennung von kopierten Passagen. Auch sie lehnt es ab, sich zu den Enthüllungen zu äußern. Allerdings werde sie den Inhalt der Arbeit untersuchen und im Anschluss mögliche Sanktionen beschließen.

(Joseph Gaulier/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Matts am 28.10.2021 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schwache Leistung der Opposition. anstatt klare Aufarbeitung und Konsequenzen zu fordern, geht sie auf Kuschelkurs. Im Artikel wird beschrieben, wie das Plagiat festgestellt wurde und ist belegt. Die Universität wird entscheiden, ob der akademische Titel anzuerkennen ist. Wenn auf 54 von 56 Seiten ggf. von Betrug die Rede zu sein scheint, kann das nur durch eine politische Anweisung von oben aufgehalten werden. Es zeigt sich wieder mal, dass die heutigen Parteien weder Anstand haben, noch im Sinne des Wählers agieren. Weder gibt es einen Rücktritt, noch eine Aufarbeitung. Betrug? Na und!

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  • hihi am 28.10.2021 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wei schlemm.. onst Land ass jo grad esou korrupt wei Mexiko, hei dierf een alles!!!

  • edsi6 am 28.10.2021 10:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wann datt stëmmt dann misst den zeréck trieten, dat ass jo eng schlëmm sach, annér Länner ass en fort

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cov21 am 17.11.2021 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Gaston Dei hun Allevuer keen rengt Gewessen, dofier ennerheel di drouss Oppositiounspartei neischt. Alles Korrupt a Verlugen

  • @ArmHannes am 05.11.2021 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    waat ss dat fir eng Oppositioun lauter Waschlappen

  • acdc am 05.11.2021 15:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tipech Letz....de Wullf huet miesse sack a pack huelen

  • J²M³B⁸ am 28.10.2021 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich mierkt keen dass ech him d'pabeiere verkaaf hunn , oje oje roueg XB

  • Realist 1 am 28.10.2021 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egaal wéi, do mist de Premier seng Verandvortung huelen an zerecktrieden, well all "normale Bierger" bei sou engem "Falschverhaalen" direkt entloos géing gin, och wann et verjährt ass.