Kirche in Luxemburg

19. Oktober 2021 09:00; Akt: 19.10.2021 08:53 Print

Psychiater sollen pädophile Bewerber abschrecken

LUXEMBURG – Die katholische Kirche in Luxemburg unterhält eine Anlaufstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs. Nach den französischen Enthüllungen zieht Generalvikar Muller Bilanz.

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Luxemburgs Generalvikar Patrick Muller erläutert die Maßnahmen der luxemburgischen Kirche gegen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen. (Bild: Editpress/L'essentiel)

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Der Bericht zum Missbrauch in der katholischen Kirche Frankreichs löst auch bei Luxemburgs Generalvikar Patrick Muller Entsetzen aus. Die französische Kirche hatte am 5. Oktober eine Untersuchung veröffentlicht, wonach seit den 1950er-Jahren in ganz Frankreich 216.000 Minderjährige durch Priester, Diakone und Ordensleute sexuell missbraucht worden sind. Unmittelbar nach der Veröffentlichung hatte Papst Franziskus seine «Scham» und seinen «Schmerz» über die Veröffentlichung ausgedrückt. Muller teile dieses Gefühl, sagte der Generalvikar der Erzdiözese Luxemburg im Gespräch mit L'essentiel: «Persönlich war ich erschrocken und zutiefst betrübt über diese Opfer geistiger und sexueller Gewalt.»

«Wir waren überrascht, dass Frankreich so lange braucht, um diese Arbeit zu erledigen», sagte Muller. «Im Großherzogtum wurde ein solcher Bericht in den 2010er-Jahren erstellt, nachdem in Deutschland ähnliche Skandale aufgetreten waren. Auch Frankreich wurde natürlich nicht verschont. Es ist nie zu spät zu reagieren, und manchmal müssen wir uns die nötige Zeit geben. Beten wir für diese Opfer und hören wir ihnen vor allem zu.»

Psychologen sollen Pädophile abschrecken

Die katholische Kirche im Großherzogtum habe bereits im Jahr 2017 Maßnahmen gegen solche Taten ergriffen, wie Muller betont. Man setzte dabei auf Schulungen für Mitarbeiter, die mit Minderjährigen und schutzbedürftigen Personen in Kontakt sind. 2017 haben demnach 96 Personen an diesen Kursen teilgenommen. 2019 waren es 74 und im Jahr 2021 haben sich rund 20 Menschen dafür angemeldet. Auch für das Verwaltungspersonal biete man Schulungen an, um alle gut auf den Dienst vorzubereiten.

«Es ist sehr wichtig, über diese Themen zu sprechen und transparent zu sein», ergänzt Muller. Zudem habe man für Menschen mit pädophilen Neigungen eine weitere Hürde auf dem Weg in den Kirchendienst eingebaut: So müssen laut Muller alle Kandidaten für das Diakonen-, Priester- und Laienpriesteramt zum Screening bei einem Psychologen und einem Psychiater. Bei der Kirche hofft man so, Personen mit entsprechenden Neigungen bereits von der Bewerbung abschrecken zu können.

Fälle aus den 60er- und 70er-Jahren

Im Jahr 2020 haben sich in Luxemburg zwei Opfer sexueller Gewalt bei der Auffangstelle der katholischen Kirche für Opfer von sexuellen Missbrauch gemeldet. Das geht aus dem im Februar 2021 veröffentlichten Jahresbericht der Erzdiözese hervor. Beide Personen geben an, in den 1960er-Jahren als Minderjährige sexuell missbraucht worden zu sein. Eine andere Person berichtet von körperlicher und emotionaler Misshandlung, die ihr durch eine Nonne widerfahren sein soll. Die Beschwerden wurden durch den Generalvikar an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Die Anschuldigungen gehen laut Generalvikar Muller im Wesentlichen auf die 1960er- und 1970er-Jahre zurück. Viele der Opfer hätten sich damals nicht gemeldet, weil man bei der Erzdiözese zu dieser Zeit nicht über die geeigneten Strukturen verfügt habe, die es den Opfern ermöglicht hätte, ihre Anschuldigungen vertraulich vorzubringen. Heute biete man den Betroffenen Gespräche an, höre zu. Daraus könne dann ein Bericht erstellt werden und am Ende dieses Prozesses könne es für Opfer auch eine Entschädigung geben. Dazu prüfe eine unabhängige Kommission jeden Fall. Im Jahr 2020 habe die Erzdiözese auf Grundlage von Kommissionsentscheidungen drei Personen entschädigt.

(FL/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sam123 am 19.10.2021 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wurde in den sechziger Jahrenvon einem Kaplan mit einem Meterlineal aus Holz auf die Stirn geschlagen als ich ca. 8 Jahre alt war. Ich hatte eine Beule am Kopf, so gross wie ein Hühnerei. Dieser Kaplan ist heute in Rente und ich sehe ihn ab und zu auf der Strasse. Eigentlich wäre es richtig, es ihm heute zurück zu zahlen. Aber was für einen Sinn ergäbe das?Die Kirche muss sich grundlegend ändern, und das wissen die meisten von uns! Das Zölibat muss aufgehoben werden damit diese Menschen auch ein geregeltes Sexualleben haben und ihre Aggressionen somit beseitigt werden.

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  • Manni am 19.10.2021 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Sekt am Vatikanstaat soll verbuede gin an obgeléist gin.

  • De_klenge_Fuerzkapp am 19.10.2021 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Psychiatern sollen auch unseriöse Politiker und Banken abschrecken. Sind alle Verbrechern . . .

Die neusten Leser-Kommentare

  • De Grand-Sack am 20.10.2021 06:56 Report Diesen Beitrag melden

    Die gesamte Kirche samt Vatikan und alle ihre Mitläufer gehören auf den Müllhaufen der Geschichte. Lange genug haben die Pfaffen Unheil und Kriege im Laufe ihrer nach Verwesung riechenden Geschichte gebracht. Es kann nicht sein dass man aus purer Gier welche die Gründe des Zölibates sind weiter pädopile Kuttenträger ihr Unwesen treiben lässt. Die haben bei Kindern und Jugendlichen nichts zu suchen. Wer die Gesetze der Natur unterdrückt züchtet Unwesen! Wer den Weg zu Gott zu finden glaubt, der brauch diese Sorte nicht! Mein Gott ist Mutter Natur!!

  • De_klenge_Fuerzkapp am 19.10.2021 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Psychiatern sollen auch unseriöse Politiker und Banken abschrecken. Sind alle Verbrechern . . .

  • Manni am 19.10.2021 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Sekt am Vatikanstaat soll verbuede gin an obgeléist gin.

  • Sam123 am 19.10.2021 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wurde in den sechziger Jahrenvon einem Kaplan mit einem Meterlineal aus Holz auf die Stirn geschlagen als ich ca. 8 Jahre alt war. Ich hatte eine Beule am Kopf, so gross wie ein Hühnerei. Dieser Kaplan ist heute in Rente und ich sehe ihn ab und zu auf der Strasse. Eigentlich wäre es richtig, es ihm heute zurück zu zahlen. Aber was für einen Sinn ergäbe das?Die Kirche muss sich grundlegend ändern, und das wissen die meisten von uns! Das Zölibat muss aufgehoben werden damit diese Menschen auch ein geregeltes Sexualleben haben und ihre Aggressionen somit beseitigt werden.

    • décke lärry am 19.10.2021 15:22 Report Diesen Beitrag melden

      déi zäit hu se mat eis kanner gemat wat se wollten, a wanns de dann och nach de pech has dass d'elteren sech net getraut hun fir sech schützend virun hier kanner ze stellen an deenen tyrannen eng grenz ze setzen, da wars de als kand verluer. zwee joerlang war ech enger hex vu léierin ausgesaat déi mäi brudder a mech vun der éischter schoulstonn un bis zur leschter, geschloën a gepéngescht huet. da koum de reliounsunterricht, deemno wéi den "här" drop war sin et och do streech gin. als kand ware fir mech déi glécklechst momenter déi wou ech esou krank war, dass ech net konnt an d'schoul goën

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  • irgendeen am 19.10.2021 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Se sin nemmen „bestürzt“ well se erwescht gin sin! Wann se wierklech eppes dogeint weilten ennerhuelen, geingen se den Kannerfeckerclub opleisen an och ophaalen, Leit mat hiren Ligen iwert hier imaginär Kolleegen am Himmel ze belästegen. Nee, deenen ass et schaiss egal.

    • De Grand-Sack am 20.10.2021 07:01 Report Diesen Beitrag melden

      Voll und ganz deiner Meinung, du sprichst mir von der Zunge. Absolut richtig, schau dir doch an überall wo die Mächtigen der Welt sich treffen sind sie vertreten und mit ihren fetten satten Schnauzen gegenwertig. Zum kotzen!!!

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