OpenLux-Affäre

09. Februar 2021 08:18; Akt: 09.02.2021 08:25 Print

Regeln stimmen «voll und ganz» mit EU überein

LUXEMBURG – Der Finanzplatz sieht sich mit der OpenLux-Affäre neuen Vorwürfen ausgesetzt. Die Politik verteidigt die Regeln im Großherzogtum.

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Der Finanzplatz Luxemburg steht international im Rampenlicht. (Bild: Vincent Lescaut)

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Nach der LuxLeaks-Affäre im Jahr 2014 steht Luxemburg mit OpenLux erneut wegen seiner Steuerpraktiken im Rampenlicht. Eine von 17 internationalen Medien durchgeführte Recherche, bei der 3,3 Millionen Dokumente analysiert wurden, prangert die Praktiken des als «Steuerparadies» geltenden Großherzogtums an. Die Hälfte der 140.165 registrierten Firmen soll demnach keine Verbindung zum Land haben und offenbar der Steuerhinterziehung dienen. Ein Beweis dafür sei, dass nur eines von zehn im Land registrierten Unternehmen einem Luxemburger gehört. Außerdem sei das öffentliche Register, mit dem die Behörden im Großherzogtum die wahren Eigentümer von Briefkastenfirmen eigentlich offenlegen wollten, nicht ausreichend transparent. Auch hätten die Recherchen ergeben, dass dubiose Gelder, die vermutlich aus kriminellen Aktivitäten stammen, im Großherzogtum versteckt wurden.

Die Regierung hatte die Vorwürfe am Montag zurückgewiesen, vor allem was die mangelnde Transparenz angehe. «Es gibt immer noch Vorurteile gegenüber dem Land, von Menschen, die Schwierigkeiten haben, die europäische Dimension des Finanzplatzes zu verstehen», reagierte Nicolas Mackel, CEO von Luxembourg for finance. «Das luxemburgische Steuersystem ist kaum besser als in den Nachbarländern. Wenn es so wäre, würden alle nach Irland weglaufen, wo die Unternehmensbesteuerung nur halb so hoch ist». Er glaubt, dass Luxemburg attraktiv ist wegen «seiner Stabilität».

« Die von Journalisten veröffentlichten Informationen sind ein Beweis für unsere Transparenz »

Oppositions-Politiker Laurent Mosar (CSV) ist der Meinung, dass «zweifelhafte Zahlen unvermeidlich sind und in jedem Land» vorkommen. Er «versteht die Kritik an der mangelnden Kontrolle des Registers nicht, die in der europäischen Richtlinie nicht vorgesehen ist. Außerdem ist unser Register transparenter als zum Beispiel das von Frankreich». Selbst David Wagner von Déi Lénk, der sich oft kritisch gegenüber dem Finanzplatz äußert, erkennt «die Anwendung der jüngsten Vorschriften zur Transparenz» an, auch wenn er eine «Änderung der Praktiken» des Finanzplatzes fordere.

Im Ausschuss bekräftigten die Minister Pierre Gramegna (DP, Finanzen) und Sam Tanson (Déi Gréng, Justiz), dass die luxemburgischen Regeln «voll und ganz» mit denen der EU übereinstimmen, bevor sie daran erinnerten, dass das Großherzogtum auf keiner «grauen oder schwarzen Liste» bezüglich der Steuerpraktiken stehe. «Die von Journalisten veröffentlichten Informationen sind ein Beweis für unsere Transparenz», verteidigten Gramegna und Tamson das Finanzsystem.

Das Thema wird am Dienstag in Anwesenheit von Regierungsmitgliedern im Plenum debattiert.

(jg/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Guter Anfang am 09.02.2021 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das viele Geld und die Menschen kommen nach Luxembourg, weil das Wetter so gut. Eine aggressive (wie sie uns schon die EU Kommission unterstellt hat) Steuerpolitik spielt keine Rolle. Solange das Wetter so bleibt, bleibe ich auch :-)

  • Claude am 09.02.2021 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Also no den Luxleaks huet sech fir en deen zu Letzebuerg wunnt naischt geännert, Steuerquellen hun waider gesprudelt. Also fir mech heescht daat datt sech fundamental naischt geännert huet.

  • W. Blower am 09.02.2021 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    Den ominösen "Freihafen" mit seinen dubiosen steuerfreien Geschäften am Findel haben die Journalisten nicht einmal erwähnt!

Die neusten Leser-Kommentare

  • transparent verarschte Steuerzahler am 15.02.2021 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Briefkastenfirmen, die minimal Steuern zahlen u maximal Steuersubventionen einstecken ...

  • edsi6 am 13.02.2021 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leit déi bei der EU schaffen greien immens vierteller wou se keng TVA bezuellen um Lohn kéng stéieren bezuellen an d'EU mécht diktat un Leit Ass datt nett och Steierbedruch wéi eis Politiker Chamber 50 % steierfrei an déi kleng mam Mindestlohn mussen stéieren bezuellen

  • Stroesel am 09.02.2021 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Et ass jo interessant, dass eis Politiker an Leit aus der Finanzbranche dat eigentlecht Problem guer net uschwätzen. Si önnerstreichen, dass jo alles den EU-Regelen entsprecht. An dat ass jo den eigentlechen Problem, dass dei Praktiken eben och nach legal sin !!!!

  • Claude am 09.02.2021 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Also no den Luxleaks huet sech fir en deen zu Letzebuerg wunnt naischt geännert, Steuerquellen hun waider gesprudelt. Also fir mech heescht daat datt sech fundamental naischt geännert huet.

  • Guter Anfang am 09.02.2021 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das viele Geld und die Menschen kommen nach Luxembourg, weil das Wetter so gut. Eine aggressive (wie sie uns schon die EU Kommission unterstellt hat) Steuerpolitik spielt keine Rolle. Solange das Wetter so bleibt, bleibe ich auch :-)