Coronavirus

28. April 2020 16:27; Akt: 28.04.2020 21:55 Print

Luxemburg kippt Besuchsverbot im Altenheim

LUXEMBURG – Familienministerin Corinne Cahen und COPAS-Präsident Marc Fischbach, äußerten sich am Dienstag zur Situation in den Alters- und Pflegeheimen des Landes.

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Die vergangenen sieben Wochen waren für die Senioren und die Angestellten in Luxemburg alles andere als einfach. Das sagte Familienministerin Corinne Cahen am Dienstag während ihrer Pressekonferenz.

Die Eindämmung sei insbesondere für die Bewohner der Heime schwierig: «Diese Menschen haben nun schon lange keinen persönlichen Kontakt zu ihren Freunden und Familien. Die Einsamkeit setzt vielen zu», sagte Cahen. Man müsse einen Mittelweg finden, um die besonders durch das Coronavirus gefährdete Gruppe vor der Krankheit zu schützen und es ihnen zu ermöglichen, wieder Besuch empfangen zu können.

Da der persönliche Kontakt für die Senioren nicht durch das Telefon oder den Laptop zu ersetzen sei, hat die Regierung beschlossen, die Altersheime wieder für Besucher zu öffnen. Allerdings müssten diese Besuche «auf Distanz stattfinden» Diese Regelung sei keine Lockerungsmaßnahme, wie Cahen mehrfach betonte. Der Grundsatz «Bleiw doheem» gelte weiterhin. Die einzelnen Heime sind nun in der Verantwortung ein Sicherheitskonzept vorzulegen, das Besuche ermöglicht. Beispielsweise könnten Plexiglasscheiben eingesetzt werden. In einigen Heimen seien Besuche bereits erlaubt, andere müssten sich erst sich erst noch darauf einstellen und entsprechendes Material besorgen. Ab welchen Zeitpunkt Besuche wieder möglich sind, müsse jede Einrichtung selber entscheiden.

Regierung legt Schutzmaßnahmen fest

Einige Schutzmaßnahmen sind allerdings obligatorisch. Zunächst werden die Anzahl der Besucher und die Dauer ihres Verweilens beschränkt, der Besuch muss den Einrichtungen zuvor angekündigt werden. Außerdem müssen die Besucher eine Schutzmaske und Handschuhe tragen. Der Raum, in dem das Treffen stattfinden, muss im Anschluss desinfiziert und 30 Minuten lang gelüftet werden.

Wer Symptome aufweist oder 14 Tage zuvor Kontakt zu einem Infizierten hatte, kommt nicht für einen Besuch infrage. Kinder sind ebenfalls ausgenommen: Nur wer 16 Jahre oder Älter ist, darf die Altersheime betreten. Spaziergänge mit den Senioren in der Nähe der Heime sind allerdings auch jüngeren Personen ab zwölf Jahren gestattet.

Sich von sterbenden Angehörigen zu verabschieden, sei bisher trotz der Krise möglich gewesen und wird nach Angaben der Familienministerin auch weiterhin erlaubt. Allerdings bedarf es dazu der Zustimmung der Altersheime oder Krankenhäusern.

29 Todesfälle in den Altersheimen

Die Bewohner einiger Einrichtungen müssen allerdings auch weiterhin auf Besuche ihrer Liebsten verzichten, da in diesen die notwendigen Hygienevorschriften nicht eingehalten werden können. Das sagte Marc Fischbach, der Präsident des Dachverbands der Alten- und Pflegeeinrichtungen (COPAS), der nach Cahen das Wort ergriff. In solchen Fällen müssten dringend Alternativen gefunden werden. Seiner Ansicht nach, sei die psychologische Betreuung der Senioren derzeit fundamental, da sich viele sehr einsam fühlen. Bisher sei im Großherzogtum seiner Meinung nach gut auf die Pandemie reagiert worden: «In Luxemburg wurden nur 1,5 Prozent der Seniorenheimbewohner positiv getestet. Das sind viel weniger, als im Ausland.»

Von den 5765 der Luxemburger Altersheim-Bewohnern sind bisher 90 positiv auf das Virus getestet worden. 41 seien inzwischen wieder genesen, 29 haben die neuartige Lungenkrankheit Covid-19 nicht überlebt. Wie sich die Bewohner im Einzelnen mit dem Virus infiziert haben, sei nicht gänzlich nachvollziehbar, da die Fälle insgesamt zu stark zugenommen hätten. Allerdings, so Cahen, habe es zu Beginn der Pandemie einige Fälle gegeben, in denen Personen, die gerade erst aus dem Krankenhaus entlassen wurden und aus dem Brennpunkt Norditalien zurückgekehrt sind, die Altersheime aufgesucht hatten. Rund zwei Drittel der Altersheime in Luxemburg seien bisher vom Coronavirus verschont geblieben.

Generell sei die Gefahr, die von dem neuartigen Virus ausgehe, noch nicht gebannt. «Wir müssen lernen mit Covid-19 zu leben. Vor allem die Senioren kommen wohl länger nicht in den Genuss von Lockerungen», sagte die Familienministerin.

(L'essentiel)

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