Konstruktionsfehler?

27. September 2012 10:32; Akt: 27.09.2012 15:16 Print

Sicherheitsrisiko bei den neuen Cargolux-​​Jumbos

LUXEMBURG – Die Cargolux hat Probleme mit ihren neuen 747-8F-Frachtmaschinen. Offenbar sind die Triebwerke von einem kritischen Sicherheitsproblem betroffen.

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Die Pechsträhne der luxemburgischen Frachtfluggesellschaft Cargolux scheint nicht abreißen zu wollen. Nach den rezenten Gerüchten über ein Outsourcing der Wartungsabteilung, schlechten Geschäftsergebnissen und Meinungsverschiedenheiten mit dem Partner Qatar Airways kämpft das Unternehmen jetzt mit technischen Problemen bei seinen neuen Frachtflugzeugen des Typs Boeing 747-8F. Dieses könnte zum Totalausfall der Triebwerke des Typs GEnx-1B/2B des Herstellers General Electrics führen.

Cargolux betreibt derzeit fünf Maschinen des Typs 747-8F, die mit dem GEnx-2B-Triebwerk ausgestattet sind. Quellen aus dem Unternehmen, die anonym bleiben wollen, bestätigten gegenüber «L’essentiel Online», dass die Wartungstechniker derzeit mit einem schwerwiegenden Sicherheitsrisiko befasst seien. «Wir haben große Probleme damit und es ist noch unklar, ob es sich um einen Konstruktionsfehler handelt», so ein Mitarbeiter. Einen Zwischenfall habe es bisher nicht gegeben.

Cargolux-Maschinen bereits überprüft

Cargolux-Sprecherin Martine Scheuren sagte gegenüber «L'essentiel Online», die fünf Maschinen der Flotte seien bereits bezüglich des Triebwerk-Problems überprüft worden. Dabei seien keine Anomalien festgestellt worden. Demnach habe es auch keine Einschränkungen im operativen Geschäft gegeben.

Die US-amerikanische Transportsicherheitsbehörde NTSB hatte am 14. September eine Empfehlung an die US-Luftfahrtbehörde FAA gerichtet, in der ein «dringendes Vorgehen in Bezug auf ein Sicherheitsproblem» bei den Boeing-Maschinen der Typen 747-8F und 787 gefordert wird.

Zwei Triebwerkausfälle in zwei Monaten

Auslöser der Sicherheitswarnung waren zwei Zwischenfälle: am 28. Juli bei einer 787-8 auf dem Werksflughafen in Charleston, South Carolina und erneut am 11. September bei einer 747-8F in Shanghai. In beiden Fällen kam es vor dem Start auf der Rollbahn zu einem Komplettausfall eines Triebwerks.

Untersuchungen zeigten, dass in beiden Fällen im Bereich der vorderen Niederdruck-Turbine des Aggregats die Turbinenwelle gebrochen war, was zu erheblichen internen Schäden und zum Ausfall des Triebwerks führte. Bei der nachträglichen Untersuchung wurden Haarrisse an dem Werkstück entdeckt.

Die US-Sicherheitsbehörde befürchtet angesichts der niedrigen Zahl an Betriebsstunden beider Maschinen sowie dem kurzen Zeitfenster, in dem es zu den Ausfällen kam, einen grundlegenden Konstruktionsfehler.

Flugtauglichkeit von zusätzlichen Inspektionen abhängig?

Die Behörde empfiehlt der FAA, die Flugtauglichkeit beider Maschinentypen von einer zwingenden Inspektion der Triebwerke abhängig zu machen. Die Betreiber der betroffenen Maschinen sollen zudem eine regelmäßige Ultraschall-Inspektion in ausreichend kurzen Intervallen durchführen, um das Auftreten von Rissen frühzeitig zu erkennen. General Electrics hat mittlerweile reagiert und den Herstellungsprozess des Werkstücks geändert. Es könne sich um ein Korrosionsproblem handeln, hieß es.

Die US-Behörde für Transportsicherheit befürchtet einen gleichzeitigen Ausfall mehrerer Triebwerke bei einer Maschine, weshalb die Inspektion der Triebwerke bei der zweimotorigen 787 bereits prioritär erfolgt ist. Auch bei der Passagiervariante der 747-8 wurden die Tests bereits abgeschlossen. Zuletzt wurden die Frachtmaschinen inspiziert.

«Cargolux genießt unser vollstes Vertrauen»

Der Direktor der Luxemburger Flugaufsicht, Claude Waltzing, sagte gegenüber «L'essentiel Online», seine Behörde sei über das Problem informiert worden. Er bestätigte, dass die Triebwerke der betroffenen Maschinen überprüft worden seien und dass die Frachtfluggesellschaft die Empfehlungen der NTSB eins zu eins umsetze, was die häufigeren Inspetkionen betrifft: «Einen Einfluss auf das operative Geschäft der Cargolux gibt es unseren Informationen nach nicht. Die Wartungszeiten sind nicht so lang, dass die Maschinen tagelang am Boden stehen müssten.»

Die Luxemburger Luftfahrtbehörde habe keinen Anlass gesehen, die Flugerlaubnis der Cargolux-Jumbos von besonderen Bedingungen abhängig zu machen: «Die Cargolux genießt unser vollstes Vertrauen, was die Wartung angeht.» Bei solchen Sicherheitsempfehlungen ist es der normale Vorgang, dass die US-Behörden und der Hersteller die europäische Flugaufsicht EASA informiere, was in diesem Fall auch geschehen sei. Die Cargolux setze solche Empfehlungen umgehend um, was auch von der Direction de l’Aviation Civile regelmäßig überprüft werde.

Im Kontext der rezenten Spekulationen über eine Auslagerung der Wartungsabteilung durch die Cargolux stellt sich nun die Frage, ob die Luxemburger Behörde in einem solchen Fall ihre Aufsichtsmission weiter erfüllen könnte. Claude Waltzing winkt ab: Man müsse hier zwischen verschiedenen Ebenen der Wartung unterscheiden. Die Arbeiten, die unter die so genannten «Part M»-Vorschriften der EASA fallen, zu denen auch die Umsetzung solcher Sicherheitschecks gehört, müssten immer am Heimatflughafen der Cargolux durchführbar sein.

(Michel Thiel/L'essentiel Online)

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