In Luxemburg

13. Juli 2017 08:00; Akt: 13.07.2017 10:34 Print

Verein bereitet Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt vor

LUXEMBURG - Die «Engineers Without Borders» spannen Asylbewerber für ihre Hilfseinsätze ein. Als Gegenleistung erhalten die Migranten Respekt – und wichtiges Know-how.

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Die Integration von Flüchtlingen in den Luxemburger Arbeitsmarkt ist keine leichte Aufgabe. Der Verein Engineers Without Borders (EWB) Luxembourg hat eine Idee, wie es funktionieren könnte. «Viele Asylbewerber sind frustriert, weil sie nicht regulär arbeiten dürfen», sagt David Norta, Maschinenbauingenieur und Präsident der NGO. «Wir versuchen, dem Alltag dieser Menschen wieder Sinn zu geben. Sie sollen Erfahrungen sammeln und sich technische Skills aneignen, die ihnen später bei der Jobsuche behilflich sein können.»

Seit vergangenen Herbst haben Norta und seine Kollegen im Umfeld der Uni Luxemburg eine Gruppe aus etwa 30 «neuen Europäern» um sich geschart. Darunter sind Flüchtlinge aus Syrien, Irak, Iran und Libyen, aber auch Migranten aus China und Ägypten. Nicht alle der freiwilligen Helfer haben einen technischen Beruf erlernt: Auch ein Koch und ein Gärtner packen mit an. Gemeinsam mit den «Ingenieuren ohne Grenzen» bereiten die Migranten technische Hilfsprojekte im Ausland vor, zum Beispiel die Errichtung von Solarheizungen, Notunterkünften oder Sanitäranlagen. Ziel der Initiative ist es, das Leben von Menschen in Not zu verbessern (Details zur Arbeit von EWB in der Infobox).

Unterstützung von 70.000 Euro

Finanzielle Unterstützung erhält der Verein vom Hilfswerk «Oeuvre nationale de secours Grande-Duchesse Charlotte»: EWB Luxembourg kann im Rahmen der Initiative «mateneen» innerhalb von zwei Jahren auf insgesamt 70.000 Euro Fördergeld zurückgreifen, um ihre Projekte Schritt für Schritt in die Tat umzusetzen. Auch das Zentrum CIGL Esch greift dem Verein tatkräftig unter die Arme: Einigen Flüchtlingen konnte durch diese Kooperation eine Arbeitsstelle vermittelt werden.

Techniker und Flüchtlinge tüfteln momentan auch an der Gestaltung einer mobilen Holzhütte, die auf Basis nachhaltiger Kriterien errichtet werden soll. Der 10.000-Euro-Bau ist eine Art «Notquartier der Zukunft»: Strom und Warmwasser kommen aus Solarzellen am Dach, die Wände bestehen aus wiederverwerteten Plastikflaschen und das Gartengemüse wächst in einem mit Erde gefüllten Reissack. Bei der Planung des etwa zwölf Quadratmeter «großen» Öko-Chalets wird viel herumexperimentiert. Und wer weiß, vielleicht wird das Luxemburger Konzept ja irgendwann in Krisenregionen exportiert, um Menschen in Not ein rettendes Dach über den Kopf zu verschaffen.

So soll das Öko-Chalet aussehen.

«Das beste, was mir hier passiert ist»

Architekt Hashem ist aus Lybien nach Luxemburg geflüchtet. Der 36-Jährige ist an der Gestaltung des Hauses und anderer Projekte von EWB maßgeblich beteiligt. «Ich darf in Luxemburg weder regulär studieren noch arbeiten, weil ich seit zweieinhalb Jahren auf die Genehmigung meines Asylantrags warte», erzählt Hashem im Gespräch mit L'essentiel. «Ich finde die Arbeit sehr spannend, es ist das beste, was mir hier je passiert ist. Ich bringe meine Ideen und meine Erfahrung ein und erfahre gleichzeitig etwas über die europäischen technischen Standards.»

Schon im Herbst soll das kleine Öko-Chalet auf dem Campingplatz Esch-Gaalgebierg eröffnet und später für Touristen zugänglich gemacht werden. Für Luxemburgs mögliche Fachkräfte von morgen ist damit auch ein Grundstein für eine berufliche Zukunft in ihrer neuen Heimat gelegt.

(Jörg Tschürtz/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sputnik am 14.07.2017 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine gut zu vertretene Initiative. Müsste nur ausgebreitet werden um so manche nicht bereitwillige hierzulande lebende langzeitfaulenzer in den Arbeitsmarkt zu bringen. Wär ne finanzielle Entlastung für Staat und ehrlichen Steuerzahler .

  • Frank am 13.07.2017 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo! Schöne Initiative!

Die neusten Leser-Kommentare

  • sputnik am 14.07.2017 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine gut zu vertretene Initiative. Müsste nur ausgebreitet werden um so manche nicht bereitwillige hierzulande lebende langzeitfaulenzer in den Arbeitsmarkt zu bringen. Wär ne finanzielle Entlastung für Staat und ehrlichen Steuerzahler .

  • Frank am 13.07.2017 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo! Schöne Initiative!