Maria Teresa

08. März 2021 07:03; Akt: 08.03.2021 07:03 Print

«Viele haben unglaublichen Mut bewiesen»

LUXEMBURG – Zum Weltfrauentag am 8. März hat Großherzogin Maria Teresa «L'essentiel» ein exklusives Interview gegeben, in dem sie auch weitere Themen zur Sprache brachte.

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Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März hat Großherzogin Maria Teresa sich im Gespräch mit L'essentiel zu ihrer Arbeit bei der Stiftung «Fondation du Grand-Duc et de la Grande-Duchesse» geäußert. Außerdem teilte sie ihre Ansichten über die Pandemie und sprach über ihre Liebe zu Großherzog Henri.

L'essentiel: Ihre Stiftung leistet wertvolle Arbeit. Wie erleben Frauen die aktuelle Krise?

Großherzogin Maria Teresa: Das hoffe ich. Frauen sind insbesondere in der heutigen Zeit sehr gefährdet. Viele leiden sowohl auf materieller als auch auf psychischer Ebene enorm.

Das Forum «Stand Speak Rise Up!» war ein großer Erfolg. Was genau konnte es bewirken?

Die Teilnehmer haben auf die Probleme von Waisenkindern hingewiesen, die nach Vergewaltigungen im Krieg geboren wurden. Das war ein Thema, das auf internationaler Ebene nicht viel Beachtung erfahren hat. Durch das Forum sind viele von ihnen zu Fackelträgern geworden und haben die Führung von Verbänden in ihren jeweiligen Ländern übernommen.

Die Gründung des Verbands SSRU war ein weiterer Erfolg. Das hat uns geholfen weitere Hilfsprojekte auf den Weg zu bringen. Dabei handelt es sich um wirtschaftliche Mikroprojekte unter anderem im Bereich Anbau und Zucht. Durch die Pandemie leiden viele Menschen Hunger. Die Projekte helfen ihnen, ein eigenes Einkommen zu generieren.

Hat die Pandemie auch in Luxemburg zu neuen Bedürfnissen geführt?

Ja, wir haben festgestellt, dass eine größere Zahl Alleinerziehender, meistens Frauen, unter der Armutsgrenze leben und dadurch psychisch anfällig werden. Das gleiche gilt auch für Studentinnen. Das Thema berührt mich im großem Maße.

Daher die Idee, Stipendien an junge Mütter zu vergeben und Bildungsprojekte für Frauen ohne Abschluss zu entwickeln. Ich vergesse dabei auch nicht die älteren Menschen, die unter der Einsamkeit leiden. Für sie haben wir Tablets gesammelt, mit denen sie mit ihren Familien und Freunden in Kontakt bleiben können. Ich hatte die Möglichkeit, mich mit einigen von ihnen zu unterhalten.

Was ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Kampf des Feminismus?

Der Kampf gegen die Gewalt. Das Forum hat extreme Formen aufgezeigt. Aber auch bei uns und im Rest Europas gibt es diese Gewalt. Gerade die häusliche Gewalt hat mit der Pandemie stark zugenommen. An zweiter Stelle kommt, dass besonders Frauen anfällig dafür sind, in prekäre Verhältnisse abzurutschen.

Was halten Sie von den neuen feministischen Bewegungen?

Ich kann mich dem Kampf für soziale Gerechtigkeit nur anschließen. Sie haben meine volle Unterstützung. Eigentlich fordern wir nur, dass Frauen die gleichen Rechte und die gleichen Möglichkeiten wie Männer bekommen.

Hatten Sie jemals das Gefühl, zurückgewiesen worden zu sein, weil sie eine Frau sind?

Natürlich. Und dabei bin mir meiner privilegierten Situation sehr bewusst. Dennoch gab es immer wieder Momente, in denen man mich in der Frauenrolle einsperren wollte. Ich sollte die Dinge nicht auf meine Art erledigen. Es ist manchmal schwierig, sich durchzusetzen und respektiert zu werden. Viele Frauen kontaktieren mich deswegen und bitten mich um Hilfe.

Wie sind sie als Großherzogin dazu gekommen?

Die Kämpfe, von denen ich spreche, habe ich aus Überzeugung geführt, weil ich es als meine Pflicht ansehe. Ich habe das große Glück, die volle Unterstützung meines Mannes zu erhalten. Das ist eine kolossale Kraft, aber ich musste auch gegen einige Vorurteile kämpfen.

Wie erleben Sie die weltweite Pandemie?

Wir haben weniger Kontakt mit der Bevölkerung und das bedauere ich sehr. Ich versuche das mit Videokonferenzen und Telefonaten mit den Verbänden und hilfsbedürftigen Menschen so gut es geht auszugleichen. Die Pandemie hat deutlich gemacht, wie wichtig das soziale Miteinander ist. Wir haben das Bedürfnis, mit anderen zusammen zu sein, uns gegenseitig zu berühren, uns zu umarmen. Ich vermisse das unheimlich. Besonders denke ich da an meine Kinder und meine Enkelkinder.

Schön ist, dass der breiten Bevölkerung klar geworden ist, wie wichtig bestimmte Berufe sind. Die Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, oder in den Supermärkten. Natürlich auch die Angestellten in den Gesundheitsberufen. Ich könnte die Reihe fortsetzen. Sie haben unglaublichen Mut und Tatkraft bewiesen. Das bewundere ich sehr.

Wurden Sie bereits gegen Corona geimpft?

Nein, ich bin noch nicht in dem Alter. Ich warte, bis ich an der Reihe bin. Aber ich werde mich auf jeden Fall impfen lassen. Alleine schon wegen meiner Enkelkinder.

Welches Gesicht wird Luxemburg nach der Pandemie haben?

Ich kann nur hoffen, dass es ein großes Bewusstsein für diejenigen geben wird, die am meisten gefährdet sind. Wir sind eine extrem privilegierte Gesellschaft. Ich wünsche mir, dass Luxemburg noch menschlicher wird und noch mehr für den Umweltschutz tut. Diese Pandemie bietet auch Chancen, die wir nutzen müssen.

Hat die Pandemie auch die großherzogliche Familie gestärkt?

Wir waren vorher schon eng miteinander verbunden. Nun vermissen wir uns auch sehr. Die Geburten der Kinder waren echte Glücksmomente. Wie ein Sonnenstrahl in einer sonst ziemlich düsteren Zeit. Zu sehen, wie das Land auf die Geburt des kleinen Charles reagiert hat, hat uns sehr berührt. Der Kleine bereitet uns sehr viel Freude.

Ist die Aufgabe des großherzoglichen Paares, die Menschen zu einen, heute noch wichtiger?

Gerade in Krisenzeiten steht diese Aufgabe im Vordergrund. Mein Mann und ich haben viele Nachrichten von Leuten bekommen, die uns dafür bedanken, dass wir da sind.

Wie haben Sie Ihren 40. Hochzeitstag erlebt?

Das war ein großartiger Tag. Die Jahre sind so schnell vorbei gegangen. Die unzähligen Glückwünsche über sämtliche Kanäle haben uns sehr berührt. Ich wünsche allen Paaren, dass sie eine ähnlich starke Liebe erleben.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft als Großherzogin?

Ich werde meine Arbeit fortsetzen, wie ich es bisher getan habe. Man stellt sich oft nicht vor, wie viel Arbeit in Stiftungen und Verbände steckt. Hinter den Aktionen steht die Finanzierung. Bewusstsein erwecken und Geld sammeln: Das ist der Kernpunkt.

Sie haben eine Wohnung in Biarritz gekauft. Warum gerade der Südwesten Frankreichs?

Der Ort hat uns beiden gut gefallen. Er liegt ganz in der Nähe der spanischen Region, in der ich aufgewachsen bin. Das brachte viele Erinnerungen zurück. Ich wurde in Kuba an der Küste geboren, verbrachte aber meine Sommerferien in Santander. Biarritz ist unsere kleine private Oase.

Welche Botschaft möchten Sie abschließend den jüngeren Menschen und Frauen mit auf den Weg geben?

Eine Botschaft des Muts und der Hoffnung. Ein afrikanisches Sprichwort besagt, dass «die Frauen den Kontinent tragen». Und das stimmt. Ich hoffe, dass die Rolle der Frau mehr Anerkennung findet. Und, dass uns die Männer dabei unterstützen. Das wäre nämlich eine Win-Win-Situation.

(Thomas Holzer/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Arm am 08.03.2021 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hat sie das doch im Feriendomizil erzählt Oder war sie in Luxemburg

  • Wuffel am 08.03.2021 08:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An dann seet se am Interview mam Paris-Match Letzebuerg wier Fraenfeindlech !!!

  • Erklärbär am 08.03.2021 07:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Könnte mir Bitte jemand erklären? Im Bericht wird der Titel "Grossherzogin" benutz. Es gibt viele Medien welche, wenn sie Maria Theresa erwähnen von der "Frau des Grossherzogs" berichten. Na was denn nun? Haben wir eibe Grossherzogin oder nur eine Frau von.....? Das ist jetzt nucht provokativ gemeint!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • lia am 09.03.2021 23:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oje ! Die Steuergelder kommen eher wo anders an hier im Land . Viele vergessen wohl mit wem Sie verheiratet ist , und wer Sie ist . Das Sie viel für arme Kinder tut erwähnt hier keiner & möchte auch niemanden zugeben .Was Sie Privat macht hat doch keinen was anzugehen ,daher erst hinter den Kulissen schauen , dann schreiben.„Bildung aus der Bildzeitung “ LEIDER

  • Fréier Gekropt am 09.03.2021 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Eine starke Frau (lol), die in der lokalen Presse mit "Marie Temesta" getitelt würde.

  • Roturière am 09.03.2021 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wundere mich nur warum sie dann eine Zeitlang in Paris lebte.... und mit wem????? Dabei ist der Titel Grossherzogin ihr nicht gestatet - sie ist eingebürgert.

  • lia am 09.03.2021 01:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider! Der Neid ist der größter Feind von erfolgreichen Frauen . Damit kommen LEIDER nicht viele klar ...

    • Wahrheit schmerzt am 09.03.2021 11:53 Report Diesen Beitrag melden

      @Lia: Neid! Weil sie unsere Steuergelder für ihre private "Parties + Aktivitäten" und Reisen verschwendet!? Sie rächt sich nur gegen Waringo's Report.

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  • Arm am 08.03.2021 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hat sie das doch im Feriendomizil erzählt Oder war sie in Luxemburg