Luxemburg

05. Mai 2020 16:45; Akt: 06.05.2020 16:04 Print

Wann wird Corona für Kinder zur Extremsituation?

LUXEMBURG – Besonders kleine Kinder verstehen nicht, was aktuell um sie herum geschieht. Eine Psychologin des Roten Kreuzes gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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In Luxemburg werden die Grundschulen und Kindergärten zum 25. Mai wieder vorsichtig geöffnet. (Bild: DPA)

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Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich auch in Luxemburg das Leben der Menschen schlagartig geändert. Das öffentliche Leben ist aufgrund der Eindämmungsmaßnahmen fast komplett zum Erliegen gekommen. Während der Großteil der Erwachsenen in der Lage ist, mit der beklemmenden Situation umzugehen und die Veränderungen einzuordnen, können Kinder das nicht. «Sie sind abhängig von ihren Bezugspersonen. Wie Kinder mit der neuen Situation umgehen, hängt neben ihrem Temperament und Vorerfahrungen auch stark davon ab, wie ihre Eltern damit umgehen», sagt Christiane Weintzen, Kinderpsychologin beim Luxemburger Roten Kreuz.

Für Kinder hat sich vieles komplett verändert: Aufgrund der Schließung der Krippen, Kindergärten und Grundschulen verbringen sie nun sehr viel Zeit zu Hause. Außerdem dürfen sie ihre Freunde seltener sehen , der direkte Kontakt zu den Großeltern findet nicht mehr statt und das Spielen in größeren Gruppen ist untersagt. «Eine derart große Veränderung kann Verunsicherungen und Angst bei Kindern auslösen. Einige reagieren auch vielleicht mit Wut, stellen ständig Fragen, fordern sehr viel, essen nicht mehr oder wollen nicht mehr alleine schlafen. Sie verstehen eventuell auch nicht auf Anhieb, warum das alles nun so ist», erklärt Weintzen gegenüber L'esssentiel. Am 25. Mai werden die Grundschulen und Betreuungsstrukturen für Kleinkinder wieder vorsichtig geöffnet.

So nimmt man Kindern die Ängste

Ganz wichtig sei, dass die Eltern ihren Kindern ein Gefühl der Sicherheit vermitteln und ihre Fragen rund um das Virus beantworten. «Verstehen kann Ängste reduzieren und Lösungswege aufzeigen. Das ermöglicht es handlungsfähig zu bleiben. Wichtig ist, dass die Informationen kindgerecht und altersgerecht erfolgen. Eltern sollten auch abwägen, welche Informationen für das Kind notwendig sind um weder zu leichtsinnig, noch zu ängstlich mit dem Virus umzugehen», sagt Weintzen.

Kindern sollte auch oft die Möglichkeit geboten werden, die innere Spannung abzubauen. Das könne auf vielerlei Wegen geschehen. Spaziergänge in der Natur seien beispielsweise dienlich. «In der Wohnung kann man musizieren oder beispielsweise tanzen. Auf Youtube gibt es auch tolle Anleitungen zu Kinderyoga oder Fantasiereisen mit denen Kinder ihre innere Balance wiederfinden können», sagt Weintzen. In einer Ausnahmesituation wie dieser sei auch eine geordnete Tagesstruktur von besonderer Bedeutung.

Eigenes Fehlverhalten ansprechen

Zu einer Extremsituation könne die Eindämmung für Kleinkinder werden, wenn es in ihren Familien häufig zu Streit kommt. «Wenn ständig geschrien wird und Konflikte eskalieren, ist das für Kinder höchst beängstigend», sagt Weintzen. Auch wenn die Eltern ihre eigenen Gefühle nicht mehr unter Kontrolle haben, Alkohol zur Beruhigung einsetzen, sich oft zurückziehen, oder den Kindern nicht mehr antworten, könne dies der Fall sein.

Die Psychologin rät Eltern, die mit solchen Situationen kämpfen, das eigene Fehlverhalten als solches anzusprechen und sich zu entschuldigen. Außerdem sollten die einzelnen Familienmitglieder darüber sprechen, wo ihre Grenzen liegen. «Das Wissen über diese Signale kann helfen, weitere Eskalationen zu verhindern», sagt Weintzen, «dann ist es einfacher, darauf zu achten und den anderen in Ruhe zu lassen.» Bis mit den Lockerungen nach und nach auch die Krippen, Kindergärten und Grundschulen wieder öffnen.

(L'essentiel)

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