Waringo-Bericht

12. Juli 2021 10:36; Akt: 12.07.2021 14:41 Print

Hat die Regierung Corona-​​Plan in der Pflege versäumt?

LUXEMBURG – Die Corona-Cluster in Alten- und Pflegeheimen hatten für Diskussionen gesorgt. Am Montag hat Jeannot Waringo seine Untersuchungsergebnisse in der Chamber vorgestellt.

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Jeannot Waringo ging es bei seiner Untersuchung weniger um eine Schuldzuweisung, als viel mehr um eine Bestandsaufnahme.

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324 Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sind bis zum März 2021 an den Folgen einer Corona-Infektion verstorben. Zwischenzeitlich war Familienministerin Corinne Cahen (DP) ins Zentrum der Kritik geraten, weil ein klares Regelwerk für den Sektor zu fehlen schien. Um die hohe Zahl genauer zu beleuchten, hatte die Regierung Jeannot Waringo mit einer Untersuchung beauftragt, deren Ergebnisse am heutigen Montag in der Chamber vorgestellt worden sind.

Jeannot Waringo stellte zu Beginn seiner Ausführungen klar, dass es bei dem Bericht darum gegangen sei «objektive Arbeit zu machen». 52 Alters- und Pflegeheime im Land wurden für die Bestandsaufnahme angeschrieben. Neben den erhaltenen Antworten begutachtete das Team auch elf Häuser vor Ort.

Waringo kritisierte das Versäumnis der Regierung, im ruhigeren Corona-Sommer 2020 keine klaren Richtlinien für den Pflegesektor ausgearbeitet zu haben. So sei die Lage undurchsichtig gewesen und die Infektionen hätten sich im Herbst 2020, sowie im März 2021 entsprechend stark ausbreiten können. Alle Heime waren davon betroffen, wobei die Einheiten für betreutes Wohnen nicht im Bericht berücksichtigt wurden. In der Großregion wurde vor allem in Belgien schneller reagiert. Erst im März 2021 reagierte das luxemburgische Familienministerium mit einer ersten Leitlinie. Eine fehlende Kennzeichnung sowie nicht klar formulierte Inhalte hätten allerdings mehr zur Verunsicherung statt zu einer Verbesserung beigetragen, so Waringo. Als «ein komisches Phänomen» beschrieb er die Tatsache, dass es beim Pflegepersonal Menschen gäbe, die sowohl Corona-Tests als auch die Impfung verweigerten. «Das sind Situationen, die wir nicht verstanden haben».

113 Cluster in 52 Heimen

Joel Mossong, der Epidemiologe in Waringos Team, übernahm anschließend das Wort und definierte zunächst den Cluster-Begriff für den Bericht: Innerhalb von zwei Wochen mussten in einem Heim mindestens zwei Fälle verzeichnet werden. Somit habe es insgesamt 113 Cluster in den untersuchten Heimen gegeben, also durchschnittlich 1,6 pro Haus. Im Schnitt gab es pro Cluster 27,7 Fälle, wobei zu zwei Dritteln Bewohner und zu einem Drittel Personal betroffen waren. Durchschnittlich dauerten die Cluster rund einen Monat, im Jahr 2021 seien die untersuchten Ausbrüche kleiner gewesen. Die Ursprünge für die Ausbrüche seien schwierig auszumachen, in 54 Prozent der Fälle war ein Bewohner der Ursprung, 45 Prozent wurden durch ein Mitglied des Personals ausgelöst. Während der zweiten Fälle resultierten daraus 1,8 Sterbefälle pro 100 Betten unter den Heimbewohnern, womit sich Luxemburg im Mittelfeld im Vergleich zu seinen Nachbarländern positioniert. Mit Beginn der Impfkampagne verbesserte sich die Situation, wobei die Immunität der Heimbewohner schneller stieg als beim Personal.

Verstöße im Hinblick auf die Vorgaben des Ministeriums habe man im Laufe der Untersuchung nicht feststellen können, so Waringo auf eine Frage der CSV-Abgeordneten Martine Hansen. Auch habe es keine Unregelmäßigkeiten der Vorgaben im Bezug auf die zu dem Zeitpunkt aktuellen Covid-Gesetze gegeben. Manchmal sei es für die Heime nicht eindeutig gewesen, wer der Ansprechpartner bei spezifischen Fragen war. Teilweise seien Empfehlungen vom Ministerium erst sehr spät gekommen, besonders bei den steigenden Infektionszahlen im Oktober des vergangenen Jahres, so Waringo auf eine Frage der DP-Abgeordneten Carole Hartmann. Nach den Versäumnissen empfahl Waringo, nun einen Plan mit entsprechenden Richtlinien für die Pflege- und Altersheime anzugehen.

Am morgigen Dienstag soll der Bericht in der Chamber debattiert werden.

(dm/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hat bal geduecht... am 12.07.2021 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Sou an lo déi Fro déi sech all Mënsch stellt souwéi den Elefant deem am Raum steet: Wéivill vun denen 324 Doudeger waren voll geimpft an kann de pic de mortalité an den Altersheimer net op d'Impfkampagne zreckgefouert ginn déi zu deem Zaitpunkt ugefangen huet? Hallo, Mr. Waringo? Oh, dir hudd die Fro guer net gestallt...jo da kann ech iesch och net hëllefen.

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  • Dany am 12.07.2021 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wieren all symptomatesch Covid Patienten mat de richtege Medikamenten an der korrekter Dose behandelt gin damn wieren keng Doudeger ze bekloen wéi mer vum DR Ochs wëssen. T Richtlinn vun der Santé war komplett contradictory zu der Behandlung vun Kranken. Keen Dokter duerft e Kranken traitéieren. Doduerch déi schwéier an déidlech Verleeft. Dofir brauch ech keen kaafen Varingo Rapport mee just kloren Mënscheverstand

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  • Valchen am 12.07.2021 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fier Éen deen un der Schwelle steht an sou éngem Institut ze Landen, as Daat Do ziemlich Bedénglech!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Valchen am 13.07.2021 01:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Johnson & Johnson kénnt elo , mat énger neier Warning Etiquette eraus! Souwuel um Beipackzettel als op den Ampullen get dorops hingewissen, datt den “Vakzin” kéint,……. Zou Guillain-Barré feieren!! Engem raren Auto-Immun Versagen! US news sin lo voll dovun! WEEN léisst Sech dann och nach FREIWELLEG mat sou éppes, “inpfen”!? Ech net! Noforschen, anplaatz vun Cancelen, Red.

  • edsi6 am 12.07.2021 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Watt ass datt wir en rapport einfach neicht bestemt huet den datt gut bezuellt gritt, alles ok me déi vill Leit déi Tod sin schéngt normal se sinn. Leit müssten déi unsichen

  • Tingeli am 12.07.2021 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    an Zack ass d'Madamm Cahen erëm do a plappert wéi firdrun a mecht wéi wa si alles richteg gemaach hätt. Beschtefalls kënnt ee soe si hätt näischt falsch gemaach well si jo guer näischt gemaach huet. Ech waarden drop dass si démissionnéiert.

  • Valchen am 12.07.2021 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fier Éen deen un der Schwelle steht an sou éngem Institut ze Landen, as Daat Do ziemlich Bedénglech!

  • Linda am 12.07.2021 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Ech hun main papp am März valuer. En war op Palliativ. No da Impfung ass heen schlecht gin. En hätt nach puer Méint,vlait och méi kenen profitéieren vun sengem Liewen. Bannen enger Woch huet sain Zoustand sech vaschlechtert. Virwaat kréien aal Menschen wou op Palliativ leien nach eng Impfung gemaach?? Kann een déi net an Dignitéit goen lossen? 1 Joer hun mir en praktesch net konnten besichen! En ass opgelieft wéi en rem Besuch krut! Ech wees mol net matt waat vir engem Impfstoff en geimpft gouf! :(