Gehälter in Luxemburg

01. August 2018 22:13; Akt: 11.12.2018 14:32 Print

Was Sie über die Index-​​Tranche wissen müssen

LUXEMBURG – Beschäftigte und Rentner dürfen ab 1. August mit mehr Geld auf dem Konto rechnen. Doch nicht alle freuen sich über die Indextranche.

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Weil der Index fiel, sind Arztbesuche mit 1. August wieder eine Spur teurer geworden. (Bild: pexels)

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Eine Gehaltserhöhung ganz ohne Verhandeln: Ab 1. August bekommen Beschäftigte und Rentner in Luxemburg automatisch 2,5 Prozent mehr Geld aufs Konto. Fragen und Antworten zur jetzt fällig gewordenen Index-Tranche.

Wann bemerke ich die Indextranche auf meinem Gehaltszettel?

In der Privatwirtschaft werden die meisten Löhne erst am Ende des Monats überwiesen – das heißt der 2,5-Prozent-Sprung macht sich bei vielen erst um den 31. August bemerkbar. Staatsbedienstete bekommen den «Index-Bonus» Ende August mit dem September-Gehalt. Auch Rentner müssen sich noch einige Wochen gedulden, bevor sie die 2,5-Prozent-Erhöhung schwarz auf weiß zu sehen bekommen.

Warum fällt der Index gerade jetzt?

Die Auslösung des Index hat vor allem mit den gestiegenen Ölpreisen zu tun. Im Juli trieben Lieferausfälle den Preis für Rohöl der Sorte Brent zeitweise auf knapp 80 Dollar. Mittlerweile hat sich der Preis bei 75 US-Dollar pro Barrel eingependelt. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag er noch bei rund 50 US-Dollar.

Warum wurde die Index-Erhöhung erst einen Tag im Voraus bekanntgegeben?

«Eine frühzeitigere Bekanntgabe ist aus technischen Gründen nicht machbar», heißt es bei Statec auf Nachfrage. «Die Erhebung der Preise für Güter und Dienstleistungen und die darauffolgende Berechnungen sind erst am Ende des Monats abgeschlossen, so dass eine erste Einschätzung der Inflation erst am Ende des jeweiligen Monats erfolgen kann.» Bereits im Mai hatte das staatliche Institut eine Index-Tranche für die Sommer-Monate angekündigt.

Wie teuer wird die Arztrechnung jetzt?

Wie die Gesundheitskasse CNS mitteilt, kostet eine normale Konsultation eines Allgemeinmediziners seit 1. August 44,70 Euro. Beim Augenarzt werden «dank» Index 44,30 Euro, beim Gynäkologen 33,30 Euro fällig. Zahnärzte verlangen seit Mittwoch für eine einfache Kontrolle 32,50 Euro, in dringenden Fällen 46,90 Euro. Die seit 1. August gültigen Arzttarife finden Sie hier (Allgemeinmediziner und Fachärzte) und hier (Zahnärzte).

Was wird noch alles teurer?

Laut einer Statec-Studie wurden nach der letzten Index-Erhöhung im Januar 2017 vor allem Arztbesuche teurer. Auch bei der Instandhaltung und Reparatur von Wohnungen, Dienstleistungen für private Haushalte, paramedizinischen Leistungen (Pflege, Logopädie, Krankengymnastik) sowie in Autowerkstätten wurden Preissprünge festgestellt.

Wie werden sich Inflation und Index in Luxemburg weiterentwickeln?

«Die detaillierten Inflationszahlen für den Juli 2018 werden erst am 8. August publiziert», teilt Statec auf Nachfrage mit. «Dann werden auch neue Prognosen über die weitere Entwicklung der Inflation in Luxemburg bekanntgegeben.»

Ist die Indextranche ein Wahlgeschenk der Regierung?

Die LSAP vermittelt auf den sozialen Netzwerken den Eindruck, als ob die Indexerhöhung eine Errungenschaft der Regierung oder der Partei wäre. Der Fraktionschef der Sozialisten im Parlament, Alex Bodry, zwitscherte sogar den Hashtag #Wuertgehaalen, als Wirtschaftsminister Étienne Schneider die Index-Ankündigung frühmorgens auf Twitter verbreitete.

Hat da jemand etwa am Index «herumgefummelt», um den Bürgern vor den Parlamentswahlen ein Geschenk zu überreichen? «Das Ausbezahlen des Index ist keine Entscheidung der Regierung», stellt die LSAP in einem Facebook-Posting klar. «Die Entwicklung der Teuerung wird von Statec standardisiert gemessen. Die Preisveränderung hat nichts mit Wahlen und demnach nichts mit der Regierung zu tun.»

Was sagen die Unternehmer?

Das Wort Index-Automatismus treibt vielen Unternehmern in Luxemburg die Zornesröte ins Gesicht. Das Lohnplus stellt gerade für kleine und mittelständische Betriebe eine Belastung dar. «Vor allem der Handel und das Handwerk bekommen dies voll zu spüren», sagt der Präsident der Unternehmervereinigung UEL, Jean-Paul Olinger. Mit jährlich 533 Millionen Euro Mehrkosten für Privatbetriebe rechnet die Handelskammer.

Wie die UEL fordert Handelskammer-Chef Carlo Thelen seit Jahren – vergeblich – eine Reform: «Der Index in dieser Form ist nicht mehr zeitgemäß.» Der aktuelle Automatismus müsste, ähnlich wie in Belgien, abgefedert und branchenspezifisch angepasst werden, sagt der Ökonom. Die Politik wolle das heikle Thema aber derzeit nicht anfassen.

Auch die Frage der Verteilungsgerechtigkeit stellt sich. «Die kleinen Einkommen freuen sich über eine kleine Indextranche und die großen über eine große», wirft Christian Reuter, beigeordneter Generalsekretär der Féderation des Artisans (FDA), auf Twitter ein. Wer zum Beispiel 2000 Euro verdient, erhält dank Indexierung künftig 50 Euro mehr, bei 5000 Euro sind es schon 125 Euro, bei 10.000 Euro sogar 250 Euro. Beide Einkommensgruppen zahlen jedoch den selben Betrag für eine Packung Milch oder einen Laib Brot. Allerdings müssen Gutverdiener auch einen größeren Brocken ihres Gehalts an die Kranken- und Rentenkasse abführen.

Was meinen Arbeitnehmer-Vertreter?

Die Chambre des salariés (CSL) begrüßt die automatische Index-Anpassung. Die CSL weist Arbeitnehmer und Rentner aber darauf hin, «dass es sich nicht um einen Anstieg ihres Realeinkommens handelt, sondern lediglich um einen Ausgleich für die Preisentwicklung seit der letzten Indextranche vor 19 Monaten». Der Index bewahre den sozialen Frieden in Luxemburg und sei kein Nachteil für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes, unterstreicht die Kammer.

(Jörg Tschürtz/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Taxman am 02.08.2018 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Patronat soll endlech mol ophaalen mat dem dommen Gesouers. Mir wessen alleguer waat en Handwierker oder eng Serviceleeschtung kascht. Wir gesin och all Daag an den News wei eng Firma rem weivill oofgehait huet. An bei denen wou mir et net gesin gesin mir den Patron op der Cote an an sengem GT3 respektiv Performante & Co um Ring, zu Spa an natirlech am Range, decken Audi, Benz an BMW beim Client + divers aaner schein Toys. Dei dei Faillite gin maan daat net weinst dem Index, dei wieren leider freier oder speider eh hops gaang. Mei muss een net soen... Waat wir der ouni aer Personal? Voila.

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  • ech am 02.08.2018 08:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    warum erst jetzt ???Ganz einfach ,weil die Wahlen bevorstehn!!!!!!!????????

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  • Maxim am 02.08.2018 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hun keen Twitter an keeng Facebook. Also wann mol eppes schlemeres geschitt dann sin ech drun well ech dann net bescheed wees. Mae well net unfänken domaden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • sozial a fair am 03.08.2018 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    D'Indextranche soll fir jiddereen de gleichen Betrag sin an net %tual op d'Paye gerechent gin, well jo alles fir jiddereen gleich vill méih deier gëtt!...

  • ech am 02.08.2018 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sunny,du hues recht !!!!! sou as et schon laang,an get och net blesser!

  • mp1987 am 02.08.2018 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sift mol frou daat et bei eis iwerhaat den index geet. Mengen keen annert Land an der EU huet esou eppes!

  • Saupreis am 02.08.2018 16:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Maxim: Keine Angst. Wenn vor deinem Haus eine Atombombe explodiert, erfährst du es noch vor Twitter oder FB. hahahah

  • Saupreis am 02.08.2018 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich finde den INDEX ungerecht. es müsste so sein, das diejenigen, die weniger Einkommen haben, einen höheren INDEX erhalten, als Leute mit einem höherem Einkommen. Und ab einer gewissen Gehaltsobergrenze gibtbes gar keinen INDEX. So wird die Kluft zwischen arm und reich kleiner gehalten

    • Fernand KLEIN am 02.08.2018 23:08 Report Diesen Beitrag melden

      ????????????????????

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