Escher Bebauungsplan

30. Juni 2020 12:03; Akt: 01.07.2020 08:01 Print

Wie viel Platz braucht ein Student?

ESCH/ALZETTE – Aufgrund des zunehmenden Ärgers über ein Verbot von Wohngemeinschaften wurde die geplante Abstimmung über den neuen Entwicklungsplan verschoben.

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Der Widerstand gegen den neuen allgemeinen Bebauungsplan (PAG) der Stadt Esch/Alzette ist groß. (Bild: L'essentiel)

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Der Widerstand gegen den neuen allgemeinen Bebauungsplan (PAG) der Stadt Esch/Alzette ist groß. Nicht zuletzt, weil er das Zusammenleben neu regeln soll. Konkret werde mit dem Vorhaben versucht, die «Zunahme von nicht konformen und möblierten Zimmern» zu verhindern. Auch Wohnformen, wie die klassische Wohngemeinschaft sind damit ausgeschlossen – in einer Universitätsstadt.

Doch angesichts des Widerstands aus der Bevölkerung gaben die gewählten Vertreter auf einer Pressekonferenz am Dienstag bekannt, dass die für Freitag geplante Abstimmung schließlich verschoben wurde. Verschoben, nicht abgesagt. Zuvor soll demnach ein öffentliches Treffen organisiert werden, um die Bevölkerung zu informieren.

Am Rande der Pressekonferenz demonstrierten mehrere Personen vor dem Rathaus, damit die Stadtverwaltung ihre Position überdenke. Die Bürgerinnen und Bürger hinter der Gruppe «Save co-housing in Esch» sammelten am Rande der Proteste Unterschriften für ihre Petition. Der Protest sei aber nicht ausschlaggebend gewesen für die Verschiebung der Abstimmung, sagte CSV-Bürgermeister Georges Mischo am Rande der Pressekonferenz. Grund sei vielmehr die Vorlage eines Gesetzesentwurfes durch Wohnungsbauminister Henri Kox (Déi Gréng) gewesen. Das neue Gesetz soll auch die Wohngemeinschaften erfassen.

Ein Student auf 100 Quadratmetern

«Hätten wir am Freitag den PAG verabschiedet, dann hätten wir ihn wahrscheinlich kurz darauf wieder ändern müssen», schildert Bürgermeister Mischo die Hintergründe der Entscheidung. Im Übrigen wolle die Gemeinde den PAG auch durch den Austausch mit den verschiedenen Interessengruppen und der Universität wasserdicht machen. Die Gemeinde wolle mit dem neuen Bebauungsplanes nicht Wohngemeinschaften verhindern. Vielmehr wolle man eine «angemessene und sichere Lebensqualität schaffen». Nach Ansicht des Bürgermeisters sei es in der Gemeinde in der Vergangenheit zur Überbelegung von Einfamilienhäusern gekommen. Im Falle eines Brandes könne dies ernste Folgen haben.

Studenten eine Unterkunft zu bieten werde weiterhin möglich sein, aber die Voraussetzungen müssen stimmen. So solle künftig eine Obergrenze für die Aufnahme von Studenten in den eigenen vier Wänden gelten. Auf hundert Quadratmetern darf demnach nur ein Student untergebracht werden. Das würde bedeuten, dass künftig eine dreiköpfige Studenten-WG in Esch auf 300 Quadratmeter residieren müsste. Der Eigentümer des Hauses wird nach dem Entwurf dazu verpflichtet, mit den Studenten im selben Haushalt zu leben. Damit wolle die Gemeinde, den «den Austausch zwischen den Generationen» fördern, erläutert CSV-Mann Mischo. Die Baupolizei ist für die Prüfung zuständig, ob eine Haus oder eine Wohnung zur Vermietung geeignet ist.

Das Zusammenleben von Menschen außerhalb von Beziehungen wird nicht zwangsläufig verboten. Es gibt mögliche Konstellationen, in denen ein solches Zusammenleben weiter gestattet bleibt. Demnach könnten in einer Wohnung maximal sechs Personen, dann aber drei Paare, zusammenleben. Und nur unter der Voraussetzung, dass sie einen gemeinsamen Mietvertrag abgeschlossen haben und die Wohnung über mindestens zwei Fluchtwege verfügt. Eine Treppe und ein Fenster, das im Brandfall zu Evakuierung aus der Wohnung genutzt werden kann. Die neue Vorschrift erlaube es der Gemeinde außerdem, die Zahl der Einwohner zu begrenzen. Dadurch soll verhindert werden, dass die öffentlichen Einrichtungen überlastet werden.

(mm/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • irgendeen am 30.06.2020 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moment, et as ok wann Leit an 40m2 Studios wunnen mais Studenten sollen 100m2 kreien?? Hallo?

  • Methtusalem am 30.06.2020 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so. Wir sollten das Immo-Problem angehen anstelle es zu verschlimmern.

    einklappen einklappen
  • Love am 30.06.2020 15:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum sollen die Leute nicht in einer WG zusammen leben? Seid Jahren wird kein Wohnraum erschaffen, damit der Mietpreis schön künstlich in die Höhe bleibt. Und neuer Wohnraum geht überwiegend nur an unsere NEUBÜRGER. Das Problem unserer Politiker ist einfach, dass sie keinen Kontakt zur Bevölkerung haben und darum auch deren Probleme und Sorgen nicht kennen. Sie fahren im Dienstwagen in ihre Häuser oder Dienstwohnungen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ichbinich am 01.07.2020 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ok, ich geh wieder zur Schule, und tausche mit Vergnügen mein 65m2 Appartement gegen eine Bude mit 100m2!

  • Stu Dent am 01.07.2020 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Dann müssen die Mieten für Studenten auch gedeckelt werden auf max. 300 € für die 100m2.

  • JMJ am 01.07.2020 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    All Dag steht irgend e Politiker oo an hued erem eng topesch Idi am Kap. Wei wär et dann eppes geint gei heich Preiser zu Letzebuerg ze nachen an emol bezuelbaren Wunnrsum gir dei Jonk ze schaafen. Et soll ern sech emol d‘Fro stellen firwat sou Wungemeinschaften enstin. Dat ass wenn dei Jonk an och annerer sech et eleng einfach nët leeschten kënnen. Ass dat sou schweier ze verstoen!

  • Meinung am 30.06.2020 23:13 Report Diesen Beitrag melden

    Hierzu kann man nur den Kopfschuetteln. Leute sollen so zusammen leben wie sie wollen. Dies sind die naechsten anzeichen der augenblicklich smarten Diktatur. So lange jemand offiziel angemeldet ist sollyen Wgs kein Problem sein. Unsere Politiker sollten mal ueber die Grenzen schauen, Wgs gibt es ueberall. Dies sind nicht die Wege um billigeren Wohnraum zu schaffen, die muessen anders geloest werden, die grossen Immobilienhaie muessen weg und die Immobilienverkaefer, die drehen alle mit am Rad, so dass es teuerer wird.

  • irgendeen am 30.06.2020 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moment, et as ok wann Leit an 40m2 Studios wunnen mais Studenten sollen 100m2 kreien?? Hallo?