Henri Kox

04. September 2020 06:59; Akt: 04.09.2020 07:01 Print

«Wir brauchen mehr Polizeibeamte vor Ort»

LUXEMBURG – Im Gespräch mit «L'essentiel» erwähnt der Minister für Wohnungsbau und innere Sicherheit die Herausforderungen, mit denen die Polizei derzeit konfrontiert ist.

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Henri Kox trat im Oktober 2019 in die Regierung ein. (Bild: Editpress/Julien Garroy )

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L’essentiel: Wie lief für Sie der Einstieg in Ihre neue Rolle als Minister für innere Sicherheit – ein Ressort, das Sie zusätzlich zu dem als Wohnungsbauminister übernommen haben?

Henri Kox: Es geschah ganz natürlich. In meiner Funktion als beigeordneter Minister für innere Sicherheit konnte ich mich bereits mit den Polizeiakten auseinandersetzen. Ich konnte somit die Zeit nutzen, um mich mit den Strukturen und der Arbeitsweise der Verwaltung, sowie der Generalinspektion der Polizei vertraut zu machen. Die Arbeit hat sich nicht groß geändert, aber die Verantwortung. Zuvor wurden die Entscheidungen gemeinsam mit François Bausch getroffen. Nun treffe ich sie allein, auch wenn ich mich dabei auf eine Verwaltung verlassen kann. Ich wurde gut aufgenommen.

Ihnen wurde binnen kürzester Zeit viel Verantwortung übertragen. Sie sind erst im Oktober 2019 als Wohnungsbauminister in die Regierung eingetreten?

Ich habe mich noch nie vor Verantwortung gescheut. Aber in die Regierungsverantwortung trat ich durch Zufälle und traurige Vorkommnisse bei Déi Gréng. Aber ich hatte bereits an der Koalitionsvereinbarung teilgenommen. Darüber hinaus war ich zuvor im Parlament Präsident der Kommission für Wohnungsbau.

Wie beabsichtigen Sie, die Situation im Viertel des Luxemburger Hauptbahnhofs zu verbessern?

Die Situation ist nicht neu. Wir müssen mit verschiedenen Akteuren – nicht nur mit der Polizei – zusammenarbeiten, um das Problem unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit, aber auch der Gesundheit, der Einwanderung und der Justiz anzugehen. Wir haben die Zahl der Polizeibeamten bereits um 20 Kräfte erhöht – mit positiven Auswirkungen. Aber wir brauchen noch mehr. Außerdem brauchen wir eine zielgerichtete Politik vor Ort, um den Problemen vorzugreifen.

Ist es schwierig, Polizisten zu rekrutieren?

Wir haben einen Rekrutierungsplan angekündigt. Dieser wurde gemeinsam mit den Gewerkschaften erarbeitet (Anm. d. Red.: 607 Polizeibeamten und 240 Zivilisten für aktuell insgesamt 2400 Beamten). Es ist anzumerken, dass die Zahl der Polizeibeamten proportional schneller gewachsen ist, als die Bevölkerung. Aber die Einsätze nehmen auch zu. Wir brauchen einfach mehr Polizeibeamte vor Ort.

Wie kann der Polizeiberuf attraktiver gemacht werden?

Wir müssen junge Menschen motivieren, indem wir ihnen aufzeigen, dass es bei der Polizei ganz unterschiedliche Berufe gibt, vom Techniker bis zum Spezialisten. Natürlich gibt es Risiken, aber nicht in allen Bereichen. Wir überprüfen derzeit die beruflichen Aufstiegschancen, um sie gegebenenfalls besser zu entlohnen. Die gegenwärtige Krise, in der die Beschäftigung in der Privatwirtschaft unsicher ist, kann für den öffentlichen Dienst und auch die Polizei eine Chance sein.

Inwiefern hat die Coronakrise die Aufgaben der Polizeibeamten verändert?

Die Polizei sollte nur dann eingreifen, wenn ein Verstoß vorliegt. Dies war insbesondere am Ende des Lockdowns mit den Partys der Fall. Dies war für die Beamten zusätzlicher Stress, aber sie haben die Situation gut geregelt. Auch der in Esch angegriffene Polizist hat sehr gut reagiert. Wir verlieren sehr selten die Kontrolle über die Situation. Die Beamten müssen vor allem auf den deeskalierenden Dialog mit den Menschen setzen. So können sie die Lage in den meisten Fällen verbessern.

Sind Sie der Meinung, dass der Einsatz von Überwachungskameras Standard werden sollte?

Diese Frage muss auf jeden Fall gesetzlich geregelt werden. Überwachungskameras sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Sie sind aber bei nachträglichen Untersuchungen nützlich. Oft verschieben sich die Brennpunkte durch die Videoüberwachung. Ich hoffe, dass bis Ende des Jahres – nach Stellungnahme der Generalinspektion und einer Debatte im Parlament – das Gesetz verabschiedet sein wird.

(jg/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Little Roger am 07.09.2020 09:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grüne sthen anscheinend auf Polizeistaat!!

  • jooo am 04.09.2020 07:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    op wat waard dir dan nach?

  • sputnik am 04.09.2020 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diese Aussage entspricht der Wahrheit. Bei einer Bevölkerung von fast 40000 Einwohner wie die Esch, die nur mit 65 Polizeibeamten auf vier Posten verteilt sind einfach beschämend. Wie soll das funktionieren, mit +/- 15 Beamten pro Schicht, davon eventuell 2 im Urlaub und eine Krankmeldung heißt 12 Beamte im Dienst und davon 2-3 im Innendienst. Das bei einer Großstadt wie Esch und laufenden Delikten der Kriminalität. Einfach unverantwortlich gegenüber den Bürgern . Wer ist verantwortlich dass diese Zustände der Verminderung von Polizei hierzulande so entstanden ist? Lieber Herr kox, ihr Vorgänger und Parteifreund betreffend Schutz des Bürgers hat sich als eine große Null einen Namen und Monument errichtet. So ist es, und wenn schon einen Ausbau in Reformen bei der Polizei entstehen sollten, dann Luxemburger mit entsprechender Formation und keine Pfadfinder vom herrenbierg, wo Mutti gleich ne Beschwerde einlegt weil ihr Söhnchen oder Tochter kein Ausgang bekommen hat oder die Formation zu anstrengend ist. Also jetzt oder nie mein Freund von der schönen Mosel.

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  • Little Roger am 07.09.2020 09:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grüne sthen anscheinend auf Polizeistaat!!

  • sputnik am 04.09.2020 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diese Aussage entspricht der Wahrheit. Bei einer Bevölkerung von fast 40000 Einwohner wie die Esch, die nur mit 65 Polizeibeamten auf vier Posten verteilt sind einfach beschämend. Wie soll das funktionieren, mit +/- 15 Beamten pro Schicht, davon eventuell 2 im Urlaub und eine Krankmeldung heißt 12 Beamte im Dienst und davon 2-3 im Innendienst. Das bei einer Großstadt wie Esch und laufenden Delikten der Kriminalität. Einfach unverantwortlich gegenüber den Bürgern . Wer ist verantwortlich dass diese Zustände der Verminderung von Polizei hierzulande so entstanden ist? Lieber Herr kox, ihr Vorgänger und Parteifreund betreffend Schutz des Bürgers hat sich als eine große Null einen Namen und Monument errichtet. So ist es, und wenn schon einen Ausbau in Reformen bei der Polizei entstehen sollten, dann Luxemburger mit entsprechender Formation und keine Pfadfinder vom herrenbierg, wo Mutti gleich ne Beschwerde einlegt weil ihr Söhnchen oder Tochter kein Ausgang bekommen hat oder die Formation zu anstrengend ist. Also jetzt oder nie mein Freund von der schönen Mosel.

  • jooo am 04.09.2020 07:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    op wat waard dir dan nach?