Cannabis in Luxemburg

17. Mai 2019 13:32; Akt: 17.05.2019 16:23 Print

«Wir wollen kein Drogen-​​Hotspot werden»

LUXEMBURG – Die Regierung will den Anbau, Verkauf und Konsum von Cannabis legalisieren. Dafür sind zwei Minister nach Kanada gereist. Am Freitag stellten sie ihre Ideen vor.

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Gesundheitsminister Étienne Schneider und Justizminister Félix Braz berichten von ihren Erfahrungen aus Kanada. (Bild: L'essentiel)

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Gesundheitsminister Étienne Schneider (LSAP) und Justizminister Félix Braz (Déi Gréng) standen vor drei Tagen in einem Gewächshaus. Um sie herum lange Tische mit Hunderten Pflanzentöpfen drauf. Grüne Blätter den grellen Lampen an der Decke emporstreckend. Jede kleinste Ecke ausgeleuchtet. Im Paradies soll keine Pflanze verkümmern. Doch das Gewächshaus im kanadischen Smith Falls ist kein Gewöhnliches. Die Canopy Growth Corporation hat hier ihren Sitz und baut Cannabis im großen Stil an.

Im Oktober 2018 hatte Kanada als zweites Land der Welt den Anbau, Verkauf und Konsum von Cannabis legalisiert. 2014 hatte Uruguay als weltweit erster Staat den Anbau und Verkauf von Cannabis unter staatlicher Kontrolle erlaubt. Luxemburg will nun nachziehen und wäre damit das erste Land in Europa, das diesen Weg geht.

Nun sind konkrete Ideen gefragt, wie die Legalisierung, die noch in dieser Legislatur umgesetzt werden soll, ablaufen könnte. Eine Arbeitsgruppe aus dem Gesundheitsministerium in Luxemburg ist in den kommenden Monaten damit beschäftigt, Fragen zu analysieren und erste Schritte der Vorbereitung zu machen.

Inspiration aus Kanada

Dazu gehöre auch «ein ganz enger Kontakt» zu Kollegen in den Niederlanden und in Kanada: Deshalb sind die beiden luxemburgischen Minister vom 13. bis 15. Mai nach Kanada gereist. Es sei darum gegangen, sich «ein Stück weit Inspiration» aus einem Land zu holen, das schon einen Schritt weiter ist, hieß es am Freitag bei einem Erfahrungsaustausch mit Journalisten.

Kanada erlaubt über 19-Jährigen den Cannabiskonsum. 30 Gramm dürfe man dort bei sich tragen. Bezogen auf Luxemburg könne sich Schneider vorstellen, den Konsum und Verkauf von Cannabis für ab 18-Jährige zu legalisieren. Maximal 30 Gramm sollen sie bei sich tragen dürfen, wie in Kanada.

Für Minderjährige zwischen zwölf und 17 Jahren bleibt Cannabis verboten, sie werden aber nicht strafverfolgt, wenn sie fünf Gramm Cannabis bei sich tragen. Aber wer Minderjährigen Cannabis verkauft, wird hart bestraft, so Justizminister Félix Braz.

Sterilität ist wichtig

Einen weiteren deutlichen Unterschied zu Kanada sieht Schneider für das Großherzogtum: «Nur in Luxemburg Ansässige dürfen Cannabis kaufen. Bei unseren Nachbarn ist Cannabis nicht legalisiert, wir wollen nicht zum Touristen-Hotspot für Drogen werden.» Justizminister Braz findet deutliche Worte: «Wer als Ansässiger Cannabis-Tourismus und hinter der Grenze eine Art zweiten Schwarzmarkt betreibt, macht sich strafbar.»

Künftig soll in Luxemburg jeder Erwachsene für den persönlichen Gebrauch Cannabis anbauen, kaufen, besitzen und konsumieren dürfen. Alles unter strengen Auflagen, die noch festgelegt werden müssen. «Kanada hat – wie wir auch – einen Ansatz des Gesundheitsschutzes. Kiffen soll nicht gefördert und es soll auch keine Einkommensquelle für den Staat werden», sagte Schneider. «Der Erlös fließt in Aufklärung, Prävention und Suchtbehandlung.»

Weniger THC als auf dem Schwarzmarkt

Das Großherzogtum erhofft sich durch die Legalisierung ein Austrocknen des illegalen Marktes mitsamt dazugehöriger Beschaffungskriminalität plus weniger gesundheitliche Gefahren für die Konsumenten – durch eine sichergestellte bessere Qualität des Stoffs. Dafür sei eine geringere Menge THC als auf dem Schwarzmarkt üblich vorgesehen. «Seit Oktober 2018 bis April diesen Jahres sind in Kanada 43 Prozent des Cannabis über den legalen Weg verkauft worden», sagt Braz. «Das ist ein gutes Resultat in der kurzen Zeit und lässt für Luxemburg hoffen.»

Zeitdruck herrsche nicht. «Wir geben uns die nötige Zeit, um das korrekt durchzuführen.», so Schneider. Viele Akteure und Ministerien müssten ins Boot geholt werden. Eine staatliche Cannabis-Agentur solle die Legalisierung begleiten.

(Franziska Jäger/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jimbo am 17.05.2019 22:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ma kloer klemmt den Drogekonsum, well dann jodereen daerf. Wann et hei legaliseiert ass, waert ech dat evtl. nachemol „legal“ probeieren... Dei leschte Keier bei mengem eischten stoung just dHaus schief an ech hun de Frigo eidelgefriess. Sos hun ech net wierklech e positiven Effekt bemierkt...

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  • Knouterketti am 17.05.2019 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Haaptsaach d’Haeren matt hirer Delegatioun haaten een scheinen Trip

  • John Doe am 17.05.2019 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Fannen ech alles gudd, se sollen et maachen, sech awer wierklech gudd Zait lossen fier et richteg ze maan. Verstin net wisou dass Cannabis vun Verschiddenen verdeiwelt get, mee se keen Wuert iwer Alkohol verleieren. Entweder dir sidd geint Drogen (an do geheiert Alkohol an Zigaretten och dozou) oder dir sidd do net negatif drop angestallt. Well sech geint Cannabis auszeschwätzen an selwer heinsdo een Glas Alkohol ze drenken as jo awer wierklech heuchleresch.

Die neusten Leser-Kommentare

  • loshein am 05.06.2019 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wat e Kabes. Also bei mengem illegalen Dealer ass d‘Gras méi staark, méi bëlleg an ech gi gratis doheem beliwwert a Limite ginn et och keng an ausweise muss een sech och net. Firwar soll dann een sech an d‘Schlaang stelle fir legalt Gras? Ech mengen déi peuren e bëssi.

  • Léon am 19.05.2019 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Merci mr Schneider toujours des alcooliques sur nos routes et bientôt des drogués sur nos routes ,simplement bravo je me pose la question sur l’intelligence de ce Gouvernement.

    • 2kelleram am 22.05.2019 15:07 Report Diesen Beitrag melden

      Zanter weini ass Drenken hannerem Steier legal? An hei waert wuel kaum d Fueren ener dem Afloss legaliseiert ginn... Ausserdem gett och haut schon enert dem Afloss vun alle meiglechen Droge verbuedenerweis gefuer (net vu jidderengem natierlech, mais schwaarz Schoof ginn et emmer). Dorobber huet d Verbued vun der Substanz selwer awer KEEN Afloss. Beweis? https:// Doomat waer daat (op daeitsch heescht et Strohmann-)Argument dann och widderluecht. Ass jo net, wie wann daat schon 100x komm waer...

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  • leechi57 am 19.05.2019 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An waat stellen sech eis dichteg Minsteren vun der Gambia dann vir, se wellen dass een nemmen vun 18 Joer un Canabis zekaafen kritt, vir Kanner zeschützen et soll jo och esou matt den Zigaretten an Alkohol sinn, mee se sollen Aen mol opmaachen an mol an Geschäfter kucken gouen, dei vun 18 Joer ginn Zigaretten kaafen an knaps dobausen verdeelen se se un Kanner. Ech wees nit ass eis Regierung wirklech esou naiv, dass se net ageseit dass se esou Saachen wei Alkohol, Zigaretten, an Vitesse op de Stroosen nie waerten an de Greff kreien, egal waat se maachen. Do kann een nemmen soen Gambia 2.

    • 2kelleram am 22.05.2019 15:19 Report Diesen Beitrag melden

      1. Haut kritt also kee Mannerjaehrege Gras ze kaafen? D Statistiken aus de Laenner dei legaliseiert hu soen dass de Konsum bei Jugendleche roof geet. Am direkte Verglach kiffen an Holland manner Jonker, wei beispillsweis an Daeitschland. (Google helleft...) 2. Wee seet dass de Modell vum Zigretten- an Alkohol-Verkaaf (ze kaafen am Cactus, op der Tankstell etc.) gudd ass, oder dass e suguer op Cannabis iwwerdro soll ginn? Am Artikel steht de Canada-Trip sollt Inspiratioun fier de konkrete Modell sinn, schleisst daat net Aer Vermutung e bessen aus? Oder kritt een et do am Cactus? Wuel kaum...

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  • Kättchen, Kättchen ... am 19.05.2019 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    ... dese WE ass den Drogenhotspot an 'the Box' , wou een sech kann droguéiëren bis zum Ëmfaalen ...

  • Momo am 18.05.2019 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Gudd dat Letzeburg soss keng aner Surgen huet.

    • 2kelleram am 22.05.2019 15:43 Report Diesen Beitrag melden

      De Jugendschutz (dee bis dato hei nach net existeiert*), de Gesondheetsschutz vun de Konsumenten (*), d Drecheleee vum Schwaarzmaart (deen hei monter floreiert, a ganz gaere vllaicht suguer vierun allem u Jonker verkeeft), d eventuellt Anhuele vun enorme Steiern (dei bis dato an d Taesche vum Schwaarzmaart fleissen, waat jo och guer keng Konsequenzen op z.B. den Terrorismus huet ), . . . All daat sinn also keng erstriewenswert Zieler, well och aaner Problemer do sinn? Waat ass daat fier een Argument? Domadder kinnt een all Debatt boykotteieren. Bravo.

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