Datenschutz im Netz

27. Januar 2011 10:46; Akt: 30.01.2011 13:51 Print

«Warten, bis die Nutzer meutern, ist falsch»

Wie sicher kann der User im Internet surfen und kann er die Macht über seine privaten Daten im Netz behalten? Ein Gespräch mit dem Berliner Datenschutzbeauftragten Dr. Alexander Dix.

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Das Internet ist mittlerweile aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch die Privatsphäre im Netz ist längst nicht mehr selbstverständlich. (Bild: Gerd Altmann / pixelio.de )

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L’essentiel Online: Jugendliche verbringen heutzutage Stunden in sozialen Internetnetzwerken wie Facebook. Ist in Zeiten, in denen wir permanent online sind, noch ein Privatleben im Netz möglich?
Dr. Alexander Dix: Ich halte das für möglich. Eine Frage muss aber vorweg beantwortet werden: Ist eine Privatsphäre nötig? Ich denke, ja. Das Bedürfnis nach Schutz von Daten ist gegeben. Und das bestätigt auch die Diskussion um die Weitergabe der Nutzerdaten an Dritte von Facebook.

Damals protestierten tausende Facebook-Nutzer, weil das Unternehmen von Zuckerberg angeblich den Datenschutz im Netzwerk lockern wollte. Welche Gefahren lauern beim Benutzen des Internets?
Das Problem ist, dass dem Nutzer nicht genug Informationen gegeben werden, was mit seinen Daten im Internet passiert. Wir hinterlassen im Netz vielfältigste Informationen, die von der IP-Adresse über den Namen bis zur Kreditkartennummer reichen können. Anhand von Cookies und «Browser-Fingerabdrücken» kann unser Online-Verhalten eindeutig nachvollzogen werden.

Welche Sicherheitsrisiken gibt es bei E-Mails?
Zum einen kann die Post unverschlüsselt verschickt werden. Zum anderen bieten Firmen wie zum Beispiel Google oft kostenlos einen großen Speicherplatz für E-Mails an. Daten, die auf den Servern dieser Anbieter abgespeichert werden, sind nicht mehr an heimische Computer, Festplatten und lokale Netzwerke gebunden.

Wie kann eine Privatperson Kontrolle über ihre persönlichen Daten behalten?
Kontrolle ist schwierig. Was E-Mails anbetrifft, so sollte der Nutzer selbst entscheiden, inwieweit er einem bestimmten Anbieter vertraut. Man könnte Unternehmen dazu bewegen, dass sie mehr Wert auf Datenschutz legen. Zum Beispiel wie das das deutsche Netzwerk Schülerverzeichnis macht. In Videoclips informiert das schülervz die Nutzer, was mit ihren Daten passiert, wenn sie sich dort anmelden. Ich persönlich finde solch eine Lösung sehr gut.

Facebook macht das aber nicht…
Ja, genau. Rückhaltlose und aufgeforderte Informationen müssen dem Nutzer aber zur Verfügung stehen. Man muss den Nutzer zuerst fragen, ob er mit einer solchen Datenverarbeitung einverstanden ist.

Es existieren bereits technische Möglichkeiten, die erlauben, die eigenen Daten im Netz zu kontrollieren, zum Beispiel die Software der Saarbrücker Informatiker «x-pire», die die Privatfotos im Internet mit einem digitalen Verfallsdatum versehen…
Ja, das ist eine der Möglichkeiten. «x-pire» ist aber keine 100-prozentige Lösung, weil die Fotos, bevor ihr Gültigkeitsdatum abgelaufen ist, auf Computern der anderen Benutzer gespeichert werden können. Ich würde aber solche Software unterstützen. Solange wir kein Zauberpulver für den Schutz unserer privaten Daten haben, sollten wir so eine Software anwenden.

Wie kann aus Ihrer Sicht das Privatleben im Internet in Zukunft aussehen?
Ich neige zur optimistischen Vision. Online-Dienste können erfolgreich sein, wenn sie die Privatsphäre respektieren. Nur Transparenz in Sachen Datenschutz reicht nicht aus. Warten, bis die Nutzer meutern, ist eine falsche Strategie. Unternehmen sollten bewusst auf die Problematik eingehen.

Was sagen Sie zu Organisationen, die nicht nur private Daten veröffentlichen, wie WikiLeaks zum Beispiel?

Ich beurteile sie positiv und negativ. Positiv, weil an den Dokumenten, die WikiLeaks veröffentlicht hat, ein öffentliches Interesse besteht. Negativ, weil WikiLeaks zu viel und zu ungerecht die Informationen benutzt hat. Wie zum Beispiel im Fall mit dem Apple-CEO Steve Jobs. WikiLeaks hat zuerst veröffentlicht, dass er an Aids erkrankt ist- was nicht wahr ist, und dann haben sie mitgeteilt, dass es ein Scherz war. Es muss immer abgewogen werden zwischen dem öffentlichen Interesse und dem Recht auf Datenschutz eines einzelnen Menschen.

Irina Figut/L'essentiel Online

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